Arzneimitteltherapiesicherheit

Kabinett beschließt AMTS-Aktionsplan

Berlin - 17.08.2016, 13:00 Uhr

Der bundeseinheitliche Medikationsplan ist ein Ergebnis der Bemühungen um mehr Arzneimitteltherapiesicherheit. (Bild: AkdÄ)

Der bundeseinheitliche Medikationsplan ist ein Ergebnis der Bemühungen um mehr Arzneimitteltherapiesicherheit. (Bild: AkdÄ)


Die Sensibilisierung von Patienten, betreuenden Angehörigen sowie Ärzten und Apothekern für  vermeidbare Risiken der Arzneimitteltherapie ist einer der Schwerpunkte des neuen Aktionsplans zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit. Das Bundeskabinett hat diesen Plan aus dem Haus von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe am heutigen Mittwoch beraten.

Arzneimittel helfen heilen – sie sind oftmals das wichtigste therapeutische Instrument des Arztes. Doch bekanntlich haben Arzneimittel auch Nebenwirkungen – sowohl, wenn sie bestimmungsgemäß gebraucht werden, als auch infolge von Medikationsfehlern. Letztere sind grundsätzlich vermeidbar – und ein zentraler Ansatzpunkt, wenn es darum geht, die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) zu verbessern. Auch das Bundesgesundheitsministerium hat sich diesem Ziel verschrieben: „Wir wollen gemeinsam mit allen Beteiligten – der Ärzte- und Apothekerschaft, den Pflegekräften sowie den Patientinnen und Patienten – den sicheren Umgang mit Arzneimitteln fördern, damit diese gut wirken können und unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen verhindert werden“, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.  

Bereits zum vierten Mal hat nun das Bundesgesundheitsministerium einen „Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland“ vorgelegt. Umgesetzt und fortgeschrieben werden diese Aktionspläne mit Unterstützung einer Koordinierungsgruppe, in der unter anderem die ABDA und die Krankenhausapotheker (ADKA) vertreten sind.

Den jüngsten „Aktionsplan AMTS 2016 – 2019“ hat das Bundeskabinett am 17. August beraten. Der Plan wirft zum einen den Blick zurück auf die Ergebnisse der vorangegangenen Aktionspläne, die 2008 ihren Anfang nahmen: Sie haben vor allem dafür gesorgt, dass das Thema AMTS in den Fachkreisen etabliert und Schritte zur Verbesserung der AMTS aufgezeigt wurden. Eines der wichtigsten Ergebnisse ist bisher die mit dem E-Health-Gesetz beschlossene Einführung des  bundeseinheitlichen Medikationsplans, betont Gesundheitsminister Hermann Gröhe.

42 Maßnahmen zur Verbesserung der AMTS

Vor allem aber nennt der neue AMTS-Aktionsplan 42 Maßnahmen, die nun noch ergriffen werden sollen. Sie haben folgende Schwerpunkte:

  • Sensibilisierung von Patienten, Ärzten, Apothekern, Pflegenden und der Öffentlichkeit für vermeidbare Risiken der Arzneimitteltherapie

  • Verbesserung der Informationen über Arzneimittel, Kennzeichnung von Arzneimitteln

  • Dokumentation der Arzneimitteltherapie und Messung der Arzneimitteltherapiesicherheit

  • Strategien zur Verbesserung der Sicherheit des Arzneimitteltherapieprozesses

  • Forschung im Bereich der Arzneimitteltherapiesicherheit

  • Organisation der Umsetzung und Fortschreibung des Aktionsplans.

Im Hinblick auf die Sensibilisierung für Risiken sind etwa Merkblätter mit Informationen für Patienten und eine Handlungsempfehlung für Heilberufler zum Umgang mit dem bundeseinheitlichen Medikationsplan geplant. Ferner soll die Bereitschaft von Apothekern und Ärzten gesteigert werden, Nebenwirkungen zu melden – dazu sollen Workshops veranstaltet werden. Zudem soll  AMTS in der Aus-, Weiter- und Fortbildung weiter nach vorne gebracht werden.

Eine weitere Maßnahme betrifft die Entwicklung von Qualitätsindikatoren für die Arzneimitteltherapie von Patienten in Pflegeheimen – die Federführung liegt hier bei der Koordinierungsgruppe mit der Ärztekammer und der Apothekerkammer des Saarlandes.

Generell soll die Kooperation zwischen Ärzte- und Apothekerschaft gefördert werden. So soll ein Workshop zur interprofessionellen Zusammenarbeit bei der Medikationsanalyse und beim Medikationsmanagement durchgeführt werden. Darauf basierend sollen dann bis 2019 Best-Practice-Modelle erarbeitet werden.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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