Haarausfall

Nur Finasterid und Minoxidil helfen gegen den Kahlschlag

Stuttgart - 11.08.2016, 17:00 Uhr

Auch in der Apotheke gibt es Mittel gegen Haarausfall. Aber helfen die auch? (Foto: JPC-PROD/ Fotolia)

Auch in der Apotheke gibt es Mittel gegen Haarausfall. Aber helfen die auch? (Foto: JPC-PROD/ Fotolia)


Shampoos, Tinkturen, Nahrungsergänzungs- und Arzneimittel  – die Palette vermeintlicher Wundermittel gegen Haarausfall ist riesig. Auch in der Apotheke werden sie angeboten. Aber können die tatsächlich verhindern, dass es auf dem Kopf lichter wird? 

Jedem zweiten Mann gehen im Laufe seines Lebens die Haare aus. Beim einen fängt der Haaransatz bereits in den Zwanzigern an zurückzuweichen, den anderen trifft der Haarausfall erst im Alter. Nicht nur Männer sind betroffen, auch Frauen leiden, wenn auch seltener, unter schütter werdendem Haar. Dementsprechend groß ist der Markt für alle möglichen Wässerchen, Shampoos und Kapseln, die Abhilfe schaffen sollen. Stiftung Warentest hat sich die Sache angeschaut. 

Leider fehlt für die meisten Präparate ein fundierter wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit. Zu diesem Schluss kommt Stiftung Warentest. Positive, vom Hersteller finanzierte Studien zu Coffein, bei denen Kopfhautproben in Coffein-Testosteron-Lösung eingelegt wurden, sind nach Ansicht der Tester nicht auf Shampoos übertragbar. Auch Zusätze wie Keratin, Kieselerde oder Ginseng wirken laut den von Stiftung Warentest befragten Experten nicht. 

Finasterid und Minoxidil mit Einschränkung geeignet

Lediglich zwei Wirkstoffe halten die Tester für geeignet: Finasterid und Minoxidil. Da Daten zur Langzeitanwendung fehlen, aber nur mit Einschränkung. Für beide Wirkstoffe gilt zudem: Was weg ist, ist weg. Die Substanzen können lediglich den Haarverlust verlangsamen, aber kein verlorenes Haar zurückbringen.

Das rezeptpflichtige Finasterid (Propecia®), das in höherer Dosis bei Prostatahyperplasie eingesetzt wird, blockiert die 5-alpha-Reduktase und unterbindet so die periphere Umwandlung von Testosteron in 5-alpha-Dihydrotestosteron, einen aktiven Metaboliten des Testosterons. Dihydrotestosteron ist die biologisch aktivste Form des Testosterons und das eigentlich wirksame Androgen. Finasterid kann so das Absterben Dihydrotestosteron-sensitiver Haarfollikel verhindern. Das funktioniert aber nur, wenn diese noch ausreichend aktiv sind – also im Frühstadium. Die Wirkung dauert nur so lange an, wie es eingenommen wird. 

Keine Blutspende unter Finasterid

Für Frauen ist Finasterid tabu. Bei Schwangeren führt Finasterid-Einnahme zu Fehlbildungen der äußeren Geschlechtsorgane männlicher Föten. Sie müssen jeglichen Kontakt zu der Substanz meiden. Männer, die regelmäßig Finasterid einnehmen, dürfen daher kein Blut spenden, da es bei potenziellen Empfängerinnen zu Problemen führen kann.

Minoxidil (Regaine®) wird äußerlich angewendet. Es stehen für Männer und Frauen unterschiedliche Konzentrationen zur Verfügung: für Männer Schaum und Lösung mit 5 Prozent, für Frauen eine 2-prozentige Lösung. Auf welche Weise das Antihypertonikum das Haarwachstum anregt, ist unbekannt. Auch Minoxidil wirkt nur, solange es angewendet wird. 

Elton John und Jürgen Klopp haben es getan

Die einzige Methode, dem Ausdünnen der Haarpracht ohne dauerhafte Medikamenteneinnahme Herr zu werden, ist eine Haartransplantation. Borussia-Dortmund-Trainer Jürgen Klopp, die Fußballprofis Wayne Rooney und Benedikt Höwedes oder Sänger Elton John sind nur einige Beispiele für prominente Transplantationspatienten.

Dabei werden Haarwurzeln vom seitlichen und hinteren Kopf verpflanzt. Sie gehören medizinisch zu den Körperhaaren. Auch im hohen Alter gibt es dort in der Regel keine Ausfallerscheinungen. Nach drei Monaten fangen die verpflanzten Haarfollikel dann das Sprießen an. Es müssen allerdings ausreichend funktionsfähige Haarwurzeln im Vergleich zur kahlen Fläche vorhanden sein. Andernfalls raten Experten von dem Eingriff ab. Die Kosten belaufen sich auf 2500 bis über 10.000 Euro – je nachdem, wie viele Haare verpflanzt werden. 

Beratung beim Dermatologen

Bevor man den Kampf gegen den Haarausfall aufnimmt, sollte jeder – egal ob Mann oder Frau – die Ursache aufklären lassen, rät Stiftung Warentest. Denn neben genetischen kann die Alopezie auch andere Ursachen haben. So können auch Krankheiten, Mangelernährung, Arzneimittel, Hormonschwankungen während der Wechseljahre oder Stress zugrunde liegen. Daher sollte unerklärlicher Haarverlust, der über das normale Maß hinausgeht, immer von einem Dermatologen abgeklärt werden, schreibt Stiftung Warentest. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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