SPD will Einschränkungen

„Viele Anwendungsstudien führen zu Fehlbehandlungen"

Berlin - 09.08.2016, 09:05 Uhr

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach will Anwendungsbeobachtungen einschränken. (Foto: dpa)

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach will Anwendungsbeobachtungen einschränken. (Foto: dpa)


Mehrere Gesundheitspolitiker haben sich kritisch zu den sogenannten Anwendungsbeobachtungen geäußert. Nach Ansicht von Karl Lauterbach, SPD, führen sie häufig zu Fehlbehandlungen und Geldverschwendung. Er fordert, die Studien auf das notwendige Maß zu beschränken.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach hat schärfere Kontrollen der umstrittenen Anwendungsstudien von Arzneimitteln an Patienten gefordert. Diese sogenannten Anwendungsbeobachtungen im Alltag sollten auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt werden, sagte Lauterbach NDR, WDR, der „Süddeutschen Zeitung„ und dem Recherchebüro Correctiv.  Notwendig seien solche Studien, die von Behörden vorgeschrieben seien, um die Sicherheit der Mittel nach der Markteinführung zu überwachen, sagte Lauterbach.

Viele dieser Studien führten derzeit zu „Fehlbehandlungen und Geldverschwendung". Allerdings sei ein solches Gesetz in der großen Koalition mit der Union nicht durchsetzbar. Doch auch aus der Union kommen inzwischen kritische Töne. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion, Maria Michalk, sagte: „Wenn sich nichts tut, denken wir über eine verpflichtende Transparenz auch für Anwendungsbeobachtungen nach." 

Pharmaindustrie zahlt Millionenbeträge

Wie Recherchen der Medien ergaben, zahlten Pharma-Unternehmen Ärzten für die Teilnahme an mehr als 600 solcher Anwendungsbeobachtungen im vergangenen Jahr Dutzende Millionen Euro. Mehr als 150 derartige Studien seien neu gestartet worden. Die Honorare liegen nach diesen Recherchen in der Regel bei mehreren Hundert, manchmal auch bei mehreren Tausend Euro pro Patient. Etwa jeder zehnte niedergelassene Arzt nahm nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 2015 an solchen Studien teil.

Die Pharmaindustrie hatte vor Kurzem mehr Offenheit versprochen. Ende Juni haben erstmals Pharma-Unternehmen Zahlen zu ihren Zuwendungen an Ärzte veröffentlicht. 54 große Pharmafirmen legten dabei Zahlungen in Höhe von 575 Millionen Euro offen, die sie im vergangenen Jahr an Ärzte, Apotheker oder andere Heilberufler zahlten. Ziel war es, transparent zu machen, wer in welcher Höhe von Zahlungen profitierte – doch dies gelang nur in vergleichsweise wenigen Fällen: Honorare für klinische Studien und umstrittene Anwendungsbeobachtungen, die den Großteil der Gelder ausmachen, wurden nicht aufgeschlüsselt. Und nur rund ein Drittel der Heilberufler willigte in die freiwillige Transparenz ein.


dpa / DAZ.online
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5 Kommentare

@Christian 8.8.2016 21.05Uhr

von Henzi am 10.08.2016 um 0:33 Uhr

Das hab ich so weder gesagt noch gemeint.
Es ging mir lediglich um die Kontrolle von außen.
Dass Sie das überhaupt so aufrechnen müssen spricht für mich schon von etwas Grenzenlosem:Futterneid? Wut?
Die Ärzte haben mir schon sehr geholfen.

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AW: Pharma-Bashing

von Christian am 10.08.2016 um 10:47 Uhr

Ich glaube, jetzt möchten Sie mich falsch verstehen.Sie schreiben doch, dass es bei der Pharmaindustrie nicht so lange dauert wie bei Politikern, bis Ihre Gesundheit unmittelbar "bedroht" ist. Was habe ich da missverstanden? Und warum "grenzenloser Futterneid" oder gar "Wut". Das Gegenteil ist richtig: Ich halte in der Tat von Arzneimitteln, Ärzten und Apothekern sehr viel und bin froh, dass es sie gibt. Was mir auf den Keks geht ist dieses permanente oberflächliche und populistische Pharma-Bashing von Leuten und manchen Politikern, die - wenn es darauf ankommt - die Segnungen der Pharmazie gerne in Anspruch nehmen.

"Doppelmoral mit Fliege" von Christian 9.8.2016

von Henzi am 09.08.2016 um 20:24 Uhr

Nur dass es bei Politikern etwas länger dauert,bis meine Gesundheit und mein Leben unmittelbar "bedroht" sind, weil sie Geld dafür kriegen,mir etwas evtl nicht zuträgliches aufzuschwatzen.Bei den neuen Pharma-Segnungen geht das mit Sicherheit schneller....Außerdem sitzen niedergelassene Ärzte nicht in demokratischen Grämien,in denen vllt doch mal jemand kritisch fragt und Heimlichtuerei mit Pharma nicht ganz so reibungslos funktioniert,wie in einer Arztpraxis.
M.E. sind das zwei völlig getrennte Paar Schuhe.

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AW: Zweierlei Paar Schuhe?

von Christian am 09.08.2016 um 21:05 Uhr

Na, da wäre ich mir nicht so sicher, wer da eher in der Lage ist, Ihr Leben zu "bedrohen". Ja, es stimmt, Politiker müssen Ihnen nichts aufschwatzen, sie können (natürlich ganz objektiv und unbeeinflusst) Gesetze erlassen, an die Sie sich dann zu halten haben. Aber Ihr Misstrauen gegenüber Ärzten und Medikamenten scheint ja so grenzenlos zu sein, dass man Ihnen nur empfehlen kann, auf Dauer auf die von Ihnen so belächelten Segnungen der Pharmaindustrie zu verzichten. Mal schauen, wie lange Ihre Dauer dauert.

Doppelmoral mit Fliege

von Christian am 09.08.2016 um 19:47 Uhr

162 Bundestagsabgeordnete (von 630) haben im letzten Jahr Nebeneinkünfte von 18 bis 33 Mio Euro kassiert (so genau kann man es aufgrund fehlender Transparenz nicht berechnen - macht im Schnitt zwischen 111.111,- und 203.703,- Euro) - und ziemlich dicke mit dabei Karl Lauterbach (zwischen 91.000 und 188.500 Euro laut abgeordnetenwatch.de ). Da nehmen sich die kolportierten ca. 575 Mio. Euro an Honoraren für Vorträge, Publikationen und die ach so bösen Anwendungsbeobachtungen der ach so bösen Pharmaindustrie an die Ärzteschaft nachgerade harmlos an. Wenn jeder Vierte der rund 400.000 Ärzte (ohne sonstige Heilberufe) diesbezügliche Nebeneinkünfte hatte, macht dies im Schnitt 5750,- Euro.

Man könnte es auch Doppelmoral nennen.

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