Apotheken in Südtirol

Verbraucherschützer kritisieren mangelnde Diskretion

Stuttgart - 08.08.2016, 10:25 Uhr

Abstand bitte: Nicht immer wird die nötige Diskretion gewahrt. (Foto: ABDA)

Abstand bitte: Nicht immer wird die nötige Diskretion gewahrt. (Foto: ABDA)


Anders als Banken verletzen viele Apotheken die Privatsphäre ihrer Kunden, bemängelt die Verbraucherzentrale Südtirol. Von 15 getesteten Apotheken erfüllten nur drei wichtige Testkriterien der Verbraucherschützer. Und in allen konnte der „Diskretionslockvogel“ Beratungsgesprächen anderer Kunden lauschen.

Immer öfter bemängeln Kunden fehlende Diskretion in Apotheken, erklärt die Verbraucherzentrale Südtirol in einer Pressemitteilung. „Sie werfen den Apotheken vor, beim Gespräch mit dem Verkäufer an der Theke nicht genügend Schutz gegenüber Lauschattacken von Dritten zu bieten“, erklärt die Organisation. In ländlichen Regionen lebende Menschen würden wegen der fehlenden Vertraulichkeit mit „beträchtlichem Mehraufwand“ Apotheken in der Stadt aufsuchen, da diese die Privatsphäre ihrer Kunden offenbar besser schützen.

Um die Situation genauer zu analysieren, entschloss sich die Verbraucherzentrale zu einem Test von insgesamt 15 Apotheken in ganz Südtirol. „In erster Linie wurde kontrolliert ob Bodenmarkierungen, Schilder oder Abgrenzungen vorhanden sind, die ein diskretes KundInnengespräch garantieren sollen“, erklären die Verbraucherschützer. Zusätzlich testeten sie, ob die Apothekenmitarbeiter den Testkäufer ermahnen, wenn er die nötigen Abstände nicht einhält

Höchstens ein schiefer Blick

Doch nur in einer der 15 Apotheken fanden sie Bodenmarkierungen, die auf den gewünschten Abstand hinwiesen. Zwei weitere Apotheken hatten ein Schild angebracht, welches die Kunden auf den nötigen Abstand hinwies. Doch im Großteil der Apotheken sah es anders aus. „In den restlichen zwölf Apotheken hoffte man vergeblich auf ein vertrauliches Gespräch in diskretem Ambiente“, betont die Verbraucherzentrale.

Die Kunden seien dicht beieinandergestanden, sodass die nötige Diskretion unmöglich war. „Den Verkäufern machte dies in den meisten Fällen nichts aus“, bemängeln die Patientenschützer. „Grundsätzlich war es für unseren Diskretionslockvogel in allen 15 Apotheken überhaupt kein Problem, dem Gespräch zwischen dem Verkäufer und dem Vordermann zu folgen.“ Auch wenn sich dieser zum Vordermann aufgedrängelte, habe das Apothekenpersonal ihn nie darauf hingewiesen – sondern höchstens mit einem schiefen Blick betrachtet.

Gesundheitsversorgung mit Privacy

„Gerade im dörflichen Ambiente, wo ohnehin ein Jeder fast schon zu viel vom Leben seiner Mitmenschen weiß, wäre ein effektiv umgesetzter Diskretionsabstand in den Apotheken, wo schließlich auch vertrauliche Gesundheitsprobleme besprochen werden, unbedingt notwendig“, erklärt Walter Andreaus, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Südtirol. „Die sich häufenden Klagen der VerbraucherInnen zeigen, dass es sich hier um ein als doch schwerwiegend empfundenes Problem handelt.“

Andreaus fordert verschärfte Kontrollen, um sicherzustellen, dass zukünftig die Patientenrechte nicht mehr verletzt werden. „Wir fordern die Gesundheitslandesrätin auf, darauf zu achten, dass die in der Gesundheitsreform vorgesehene bedarfsorientierte und wohnortnahe Gesundheitsversorgung durch die Apotheken auch im Bereich der Patientenprivacy umgesetzt wird“, erklärt der Patientenschützer.

Einen ausführlichen Hintergrund zum Thema Diskretion in der Apotheke finden Sie in der DAZ 19/2016.


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
hfeldwisch@daz.online


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