Schlanker und straffer

EMA mit neuer Struktur

Remagen - 03.08.2016, 07:00 Uhr

Die EMA hat damit begonnen, sich intern umzuorganisieren. (Logo: EMA)

Die EMA hat damit begonnen, sich intern umzuorganisieren. (Logo: EMA)


Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat einige organisatorische Anpassungen und wichtige strategische Änderungen ihrer Führungs-Struktur bekannt gemacht. Sie sollen für eine schlankere, straffere Architektur sorgen. 

Bereits in den Jahren 2013/2014 hatte die Europäische Arzneimittelagentur in London damit begonnen, sich intern umzuorganisieren, um mit den ständig wachsenden Anforderungen Schritt halten zu können. Im Jahr 2015 feierte die EMA ihr zwanzigjähriges Bestehen, und man kann sicher mit Fug und Recht sagen, dass die Aufgaben in den Anfangsjahren nicht mehr viel mit dem zu tun haben, was die Agentur heute alles zu bewältigen hat. Der Rechtsrahmen für das europäische Zulassungssystem wurde in der Zwischenzeit beträchtlich weiter entwickelt, und auch das Antragsaufkommen, vor allem im gegenseitigen Anerkennungsverfahren und im dezentralen Verfahren hat beträchtlich zugenommen. 

Zwar wird die Sacharbeit im Wesentlichen in den nationalen Zulassungsbehörden gemacht, aber letzten Endes laufen alle Fäden bei der EMA zusammen. Außerdem hat die Vernetzung, sowohl international als auch mit den Stakeholdern auf europäischer Ebene, heute eine erheblich größere Bedeutung, und auch das Serviceangebot der Agentur, vor allem im Hinblick auf die wissenschaftliche Beratung nimmt einen immer größeren Raum ein. Das verlangt reibungslose und effiziente „Management-Strukturen“.

Feinabstimmung des operativen Modells

„Wir wollen mit den Ressourcen, die wir haben, noch mehr anfangen, indem wir die Strukturen der Agentur und die Prozesse rund um die Lebensdauer von Arzneimitteln noch besser anpassen," sagt EMA-Direktor Guido Rasi. „Mit den Änderungen nehmen wir die Feinabstimmung für unser operatives Modell vor, das sich in den vergangenen zwei Jahren bewährt hat, und stärken die Effizienz unserer Verwaltung.“

Drei Divisionen für Humanarzneimittel

Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die Verminderung der Anzahl der Divisionen, die sich mit Humanarzneimitteln befassen, von vier auf drei. Eine soll für die Unterstützung der Arzneimittel-Entwickler zuständig sein, eine für die Beurteilung von Arzneimitteln mit dem wissenschaftlichen und dem Verfahrensmanagement unter einem Dach und eine für die Aufsicht über die Arzneimittelmärkte, einschließlich Pharmakovigilanz und Inspektionen.

Neue Koordinierungsfunktion

Außerdem soll eine neue Funktion geschaffen werden. Diese soll die Zusammenarbeit zwischen der EMA und den zuständigen nationalen Behörden stärken und die Umsetzung der gemeinsamen Netzwerkstrategie bis 2020 überwachen. Außerdem soll sie Innovationen in der regulatorischen Wissenschaft fördern und die komplexe Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ausschüssen bei der Agentur besser koordinieren.

Schließlich steht auch die Straffung der Division für Verwaltung und Unternehmensführung auf der Agenda. Hier sollen getrennte Einheiten für strategische Planung, Budgetierung und Überwachung, Finanzen und Beschaffung, sowie für Personalfragen eingerichtet werden.

Alle Änderungen sollen am 1. September 2016 in Kraft treten. 

Umzugsgerüchte…

Ob der Europäischen Arzneimittelagentur in absehbarer Zeit auch noch ein Umzug ins Haus steht, darf weiter mit Spannung abgewartet werden. Nach dem Volksentscheid der Briten über den Brexit waren die Spekulationen hierüber bereits hoch gekocht. Nun hat man es aber offenbar nicht so sehr eilig mit dem Austritt aus der EU, was sicher auch bei der EMA mit Erleichterung aufgenommen worden sein dürfte. Schließlich ist die oberste EU-Arzneimittelaufsicht gerade erst vor zwei Jahren in ihren Neubau am Churchill Place in der Londoner Canary Wharf umgezogen, nachdem der Mietvertrag am Westferry Circus ausgelaufen war. So wie es im Moment aussieht, dürften die Möbelwagen wohl kaum schon bald wieder anrollen.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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