Wettbewerbsrecht

Wer darf sich „größte Versandapotheke” nennen?

Berlin - 28.07.2016, 10:00 Uhr

Größte Fläche? Größter Umsatz? Größte Pakete? Die Wettbewebszentrale will erklärt haben, woher man bei Sanicare die Gewissheit nimmt, die größte Versandapotheke in Deutschland zu sein. (Foto: Sanicare)

Größte Fläche? Größter Umsatz? Größte Pakete? Die Wettbewebszentrale will erklärt haben, woher man bei Sanicare die Gewissheit nimmt, die größte Versandapotheke in Deutschland zu sein. (Foto: Sanicare)


Sanicare bezeichnet sich selbst als „größte Versandapotheke Deutschlands“. Doch woher nimmt sie dieses vollmundige Werbeversprechen? Das möchte die Wettbewerbszentrale jetzt gerne von der in Bad Laer ansässigen Apotheke wissen.

Wer mit einer Spitzenstellung oder einer Alleinstellung wirbt – etwa der „größte“, „älteste“ oder  „beste“ Anbieter zu sein – sollte vorsichtig sein. Zwar muss eine solche Werbung nicht zwingend irreführend und damit unlauter sein. Aber es müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, will man einen wettbewerbsrechtlichen Angriff der Konkurrenz vermeiden. So muss die behauptete Allein- oder Spitzenstellung tatsächlich bestehen und der mit ihr zum Ausdruck gebrachte Vorsprung gegenüber den Mittbewerbern beachtlich und dauerhaft sein.

Maßstab ist, wie der Verbraucher die Werbung wahrnimmt. Sofern für ihn deutlich ist, dass es sich um eine reklamehafte Übertreibung handelt, die vom Publikum ohnehin nicht ernst genommen wird, wird man die Werbung ebenfalls nicht als unlauter bezeichnen können.

Auch die Versandapotheke Sanicare wirbt mit einer Spitzenstellung: Sie sei die größte Versandapotheke in Deutschland, erklärt sie – beispielsweise in TV-Spots. Das finden offenbar andere Versandapotheken merkwürdig. Sie kennen nämlich keine Zahlen für die Versandapotheken-Branche. Und wenn sie selbst sie nicht kennen, woher hat sie dann Sanicare?

Wettbewerbszentrale hakt nach

Jedenfalls haben sich Apotheken mit ihren Bedenken an die Wettbewerbszentrale gewandt. Ist wirklich belegt, dass Sanicare die größte Versandapotheke ist? Rechtsanwältin Christiane Köber, bei der Wettbewerbszentrale für das Gesundheitsrecht zuständig, hat durchaus Verständnis für die Bedenken der Mitbewerber. Wie soll ein Verbraucher schließlich die Aussage „größte Versandapotheke“ verstehen? Hat sie die größte Fläche? Daran werden die Verbraucher vermutlich nicht als erstes denken. Aber: Verschickt Sanicare die meisten Pakete? Macht sie die höchsten Umsätze?

Köber hat nun Sanicare angeschrieben, „höflich” wie sie sagt. Sie will erfahren, warum die Inhaber Dr. Volkmar Schein und Christoph Bertram meinen, ihre Apotheke sei die größte Versandapotheke in Deutschland. Schein hatte die Apotheke 2013 übernommen, nachdem der frühere Inhaber Johannes Mönter im Herbst 2012 verstorben war und die Apotheke erst einmal in die Insolvenz ging. Ein Jahr später kam Betram als Teilhaber hinzu – mittlerweile streiten die beiden vor Gericht um die Eigentumsverhältnisse

Tatsächlich wird die niedersächsische Versandapotheke auch auf der Webseite des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA) als größte ihrer Art bezeichnet. Und es existiert eine Umsatzstatistik des Statistik-Portals statista.com aus dem Jahr 2014. Danach belegt Sanicare nach DocMorris den zweiten Platz unter den Versandapotheken – und wäre folglich die umsatzstärkste deutsche Versandapotheke.

Wie es im Jahr 2016 aussieht, wird die Antwort Sanicares an die Wettbewerbszentrale hoffentlich zeigen. Köber möchte bis Anfang August Auskunft.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


Diesen Artikel teilen:


1 Kommentar

"Größe"

von Heiko Barz am 30.07.2016 um 11:23 Uhr

Mit welchen seltsamen und illegalen Mitteln man zu "Größe" kommt, hat DocMorris ja kurzfristig unter Beweis gestellt.
Die Frage nur ist jetzt, in welchem Verhältnis steht "Größe" zur Qualität?
Nicht jeder, der den Mund zu voll nimmt, wird auch satt.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.

DAZ.online mit Werbung und Tracking

Nutzen Sie den Newsbereich von DAZ.online wie gewohnt kostenlos. Alle Details zu unseren Werbe- und Trackingverfahren finden Sie hier.

DAZ.online – ohne Tracking

Nutzen Sie DAZ.online ohne verlagsfremde Werbung und ohne Werbetracking für 9,80 Euro pro Monat.
Alle Details zu unserem DAZ.online PUR-Abo finden Sie hier.

Jetzt DAZ.online PUR-Zugang buchen

(Sie können Ihren DAZ.online PUR-Zugang jederzeit kündigen.)