PNAS-Studie

Menopause beschleunigt Zellalterung

Los Angeles - 26.07.2016, 07:00 Uhr

Chromosome (Illustration): Die einzelnen Telomere verkürzen sich im Alter. (Foto: Dr_Kateryna / Fotolia)

Chromosome (Illustration): Die einzelnen Telomere verkürzen sich im Alter. (Foto: Dr_Kateryna / Fotolia)


Treiben die Wechseljahre den biologischen Altersprozess von Frauen an? Forscher haben dafür Hinweise entdeckt. Demnach beschleunigt die Menopause die zelluläre Alterung um sechs Prozent.

Je früher Frauen in die Wechseljahre kommen, desto schneller altern sie biologisch. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Untersuchung von mehr als 3100 Frauen, bei denen Forscher das Erbgut verschiedener Zellarten analysierten. Das Team um den Humangenetiker Steve Horvath von der University of California in Los Angeles stellt seine Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen Menopause und Altern in den „Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) vor.

„Wir haben entdeckt, dass die Menopause die zelluläre Alterung im Durchschnitt um sechs Prozent beschleunigt“, sagt Horvath laut einer Mitteilung seiner Universität. „Das klingt nicht nach viel, aber es summiert sich über die Lebensspanne einer Frau.“ So seien die Blutzellen einer Frau, bei der die Menopause mit 42 Jahren eintritt, im Alter von 50 Jahren biologisch gesehen ein Jahr älter als jene einer Frau, deren Regelblutungen erst mit 50 enden.

Die Forscher untersuchten das Erbgut der Zellen von Blut, Speichel und Mundschleimhaut auf Methylgruppen. Diese werden an bestimmten Stellen an den DNA-Strang angelagert und verhindern dort das Ablesen der Informationen. Wo genau diese Anlagerungen stattfinden, hängt auch vom Alter ab.

Epigenetische Uhr verrät biologisches Alter

Aus diesem Phänomen entwickelte Horvath vor einigen Jahren die sogenannte „epigenetische Uhr“: Dabei wird anhand von 353 markanten Stellen im Erbgut das biologische Alter von menschlichen Zellen bestimmt. In der Studie war das Resultat für Blutzellen eindeutig: Je früher die Menopause eingetreten war und je länger dies zur Untersuchungszeit zurücklag, desto höher war das biologische Alter dieser Zellen.

Für Speichel- und Mundschleimhautzellen entdeckten Horvath und Kollegen diesen Zusammenhang jedoch nicht. Speichelzellen waren aber dann biologisch deutlich älter, wenn bei Frauen die Eierstöcke entfernt worden waren, was die Menopause sofort eintreten lässt.

Einen weiteren Zusammenhang fanden die Wissenschaftler bei den Zellen der Mundschleimhaut: Bei ihnen verringerte sich das biologische Alter im Verhältnis, wenn sich die Frauen einer Hormontherapie unterzogen hatten, um die Beschwerden der Wechseljahre zu mildern. Die unterschiedlichen Ergebnisse bei verschiedenen Zelltypen interpretieren die Forscher so, dass verschiedene Gewebe- und Zellarten im Körper unterschiedlich schnell biologisch altern. Die Ursache dieser Zusammenhänge müsse in weiteren Studien ermittelt werden, schreiben sie.

„Die hochinteressante Studie macht einen sehr fundierten Eindruck“, sagt Karl Lenhard Rudolph, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena, der nicht an der Studie beteiligt war. Sie passe in einen Kernbereich der Forschung, der untersucht, wie epigenetische Veränderungen - darunter die Anlagerung von Methylgruppen ans Erbgut - zum Altern beitragen. Eine Hormontherapie sieht Rudolph jedoch nicht allgemein als sinnvoll an, da solche Therapien im Verdacht stehen, das Risiko für eine Krebserkrankung zu erhöhen. 


Walter Willems, dpa
redaktion@daz.online


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