Zulassunsgempfehlung

HIV-Prophylaxe mit Truvada bald auch in der EU

Stuttgart - 22.07.2016, 17:30 Uhr

Positives Votum für die PrEP: Geht es nach dem CHMP geht Truvada in Zukunft auch zur Prophylaxe über den HV-Tisch deutscher Apotheken. (Foto: mbruxelle/Fotolia)

Positives Votum für die PrEP: Geht es nach dem CHMP geht Truvada in Zukunft auch zur Prophylaxe über den HV-Tisch deutscher Apotheken. (Foto: mbruxelle/Fotolia)


Der Humanarzneimittelausschuss der EMA hat empfohlen, Truvada zur HIV-Prophylaxe zuzulassen. Menschen mit hohem Infektionsrisiko sollen davon profitieren. Die Präexpositions-Prophylaxe soll aber kein Rund-um-sorglos-Paket sein, sondern Teil einer Gesamtstrategie zum Schutz vor HIV und AIDS, die auch die Benutzung von Kondomen beinhaltet.

Truvada® wird wohl das erste antiretrovirale Arzneimittel werden, das für die sogenannte Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) zugelassen ist. Anfang des Jahres hatte die Firma Gilead für die Kombination aus Emtricitrabin und Tenofovir bei der europäischen Aufsichtsbehörde EMA die Zulassung für diese Indikation beantragt. Das Präparat wird bereits seit 2005 zur HIV-Behandlung eingesetzt. Im Jahr 2014 fand es sich unter den Arzneimitteln mit den größten Nettokosten für die GKV auf Platz 21.

Nun hat sich der Humanarzneimittelausschuss der EMA dafür ausgesprochen, die Zulassung von Truvada® auf die prophylaktische Einnahme zu erweitern, um in Kombination mit Safer-Sex-Praktiken das Risiko einer HIV-Infektion bei Erwachsenen zu reduzieren. Das gab das Gremium im Anschluss an seine Juli-Sitzung bekannt. 

Emtricitabin

Emtricitabin hemmt selektiv und kompetitiv die reverse Transkriptase von HIV-1 und -2, die virale RNA in DNA überschreibt. Ein Vorgang der für die Virus-Replikation von zentraler Bedeutung ist. Neben HIV ist Emtricitabin auch gegen Hepatitis-B wirksam. Emtricitabin, strukturell ein Cytidin-Analogon, gehört zur Klasse der nucleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren.(NRTI). Nach Phosphorylierung wird Emtricitabin-triphosphat anstatt des natürlichen Nukleotids als falscher Baustein in die DNA eingebaut. Es kommt zum Kettenabbruch und zu einer Blockade der Virusreplikation. Emtricitabin wird gemeinsam mit anderen Wirkstoffen im Rahmen einer antiretroviralen Kombinationstherapie zu Behandlung einer HIV-Infektion und zur PrEP (derzeit noch Off-Label) eingesetzt. Handelsnamen: Emtriva® (in Kombination mit anderen Substanzen: Atripla®, Eviplera®, Stribild®, Truvada®) 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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4 Kommentare

Dieser Kommentar wurde von der Redaktion aufgrund eines Verstoßes gegen die allgemeinen Verhaltensregeln gelöscht.
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Prep für alle gegen Preis-Deal

von PREP-for all am 23.07.2016 um 19:49 Uhr

Könnten die Kassen in Deutschland die PREP zulassen, wenn GILEAD im Gegenzug den Preis massiv senkt? Die Kassenzulassung für millionen promisk lebende hetero- und homosexuelle würde der Firma entsprechend Einnahmen sichern. Wenn das Medikament weiterhin nur für positive Patienten gezahlt wird, und der Preis bei 800 Euro bleibt, wird Truvada ganz bestimmt nicht so schnell eine Alternative zum Kondom.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Es SOLL keine Alternative zum Kondom werden

von Christian Becker am 25.07.2016 um 7:39 Uhr

Das steht in dem Artikel nicht ausdrücklich drin, bei den Kollegen von der PZ wird aber darauf hingewiesen:
Truvada als PrEP soll zusammen mit Kondomen angewendet werden, nicht als Alternative dazu.
Kondome sind auch weiterhin DIE Maßnahme, um einer HIV-Infektion durch Geschlechtsverkehr vorzubeugen; zumal nur Kondome auch vor den ebenfalls sich auf dem Vormarsch befindlichen "normalen" SÜI wie Syphillis, Gonorrhoe etc. schützen.

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