Machtkampf bei Stada

Vier neue Kandidaten für den Aufsichtsrat

06.07.2016, 16:37 Uhr


Der Poker bei Stada geht in die nächste Runde. Der von externen Investoren unter Druck stehende Arzneimittelhersteller hat nun vier neue Kandidaten für den Aufsichtsrat vorgeschlagen. Unter ihnen ist niemand, der zuvor von AOC vorgeschlagen wurde. Diese Tatsache dürfte für neuen Zündstoff im Disput sorgen.

Der offiziell als Interimschef agierende Stada-Vorstandsvorsitzende Matthias Wiedenfels schafft bei der Neuausrichtung des Unternehmens Fakten. Unter dem Druck des sogenannten aktivistischen Frankfurter Investors Active Ownership Capital (AOC) und jüngst auch des US-Investors Guy Wyser-Pratte hat das Unternehmen nun vier neue Kandidaten für den Aufsichtsrat benannt.  

Bei den Nominierten handelt es sich um: 

Rolf Hoffmann, 57, der im erweiterten Vorstand des US-Pharmaunternehmens Amgen sitzt. Laut Stada ist Hoffmann ein ausgewiesener Pharma- und Biotechexperte mit umfassender internationaler Erfahrung.

Mit Birgit Kudlek, 49, Chief Operating Officer beim Pharma-Auftragshersteller Aenova, benennt Stada eine Frau mit über 20 Jahren Managementerfahrung in der Chemie- und Pharmaindustrie und Kennerin der Generikaindustrie.

Tina Müller, 47, Vorstand für Marketing beim Autohersteller Opel, ist laut Stada „eine der prominentesten Führungspersönlichkeiten Deutschlands“ im Bereich Marketing und Vertrieb.

Gunnar Riemann, 58, ist Leiter der globalen Division Environmental Science bei Bayer Crop Science. Der approbierte Apotheker verfüge über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Lifescience-Industrie.

Ersatz für drei Apotheker und einen Arzt

Die vier Kandidaten, die mit Hilfe der Personalagentur Egon Zehnder ausfindig gemacht worden seien, sollen für fünf Jahre gewählt werden und die amtierenden Aufsichtsratsmitglieder Eckhard Brüggemann, K. F. Arnold Hertzsch, Dieter Koch und Constantin Meyer – drei Apotheker und ein Arzt – ersetzen. Diese würden ihre Ämter mit dem Ende der Hauptversammlung 2016 niederlegen. Damit würden vier der sechs Aufsichtsratssitze auf der Kapitalseite neu besetzt. Zudem wäre der Stada-Aufsichtsrat damit zu einem Drittel mit Frauen besetzt.

„Mit den nun vorgeschlagenen vier Kandidaten haben wir herausragende Persönlichkeiten gefunden, die neben ausgewiesener internationaler Branchen- und Kapitalmarktexpertise auch eine hohe persönliche Eignung für die Tätigkeit im Aufsichtsrat von Stada mitbringen“, sagte Martin Abend, Vorsitzender des Stada-Aufsichtsrates. 

Druck von AOC

Im Mai hatte der Aufsichtsrat einen strukturierten Prozess zur personellen Erneuerung des Stada-Aufsichtsrates begonnen und damit um zwei Jahre vorgezogen. Nach offizieller Sprachregelung sollte damit der „strategischen Weiterentwicklung und Internationalisierung von Stada“ entsprochen werden. Tatsächlich kam der Schritt aber nicht ganz freiwillig. Kurz zuvor hatte die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft AOC mitgeteilt, über fünf Prozent der Stada-Aktien zu besitzen.

AOC kritisierte, Stada sei deutlich unterbewertet und der Aufsichtsrat sei für die heutigen Anforderungen nicht ausreichend qualifiziert. So säßen in dem Gremium unter anderem zu viele Apotheker. Nötig seien aber international erfahrene Experten der Pharma- und Healthcare-Branche sowie für Management, Corporate Governance, Finanzen und Recht.

Anfang Juli legte AOC nach und rief via Bundesanzeiger andere Stada-Anteilseigner dazu auf, sich an einem eigenen Auswahlprozess zur Neubesetzung des Aufsichtsrates zu beteiligen. AOC zeigte sich unzufrieden mit dem Verlauf von Stadas Vorgehen. Die „Interimistische Unternehmensführung der Stada“ sei nicht legitimiert, „an den Aktionären vorbei“ ihr genehme Aufsichtsräte zu installieren.

US-Investor Wyser-Pratte mischt mit

Kürzlich schaltete sich schließlich noch der berüchtigte US-Investor Guy Wyser-Pratte in den Machtkampf bei Stada mit ein. Er teilte mit, einen Anteil von „noch“ unter drei Prozent an Stada zu halten. In einem Interview mit dem Handelsblatt forderte Wyser-Pratte einen Zusammenschuss mit einem internationalen Konkurrenten, da das Stada-Management die Internationalisierung des Generika-Herstellers nicht energisch genug vorangetrieben habe.

Nachdem der langjährige Stada-Vorstandsvorsitzende Hartmut Retzlaff am 5. Juni aus gesundheitlichen Gründen unerwartet seinen sofortigen Rücktritt bekanntgegeben hatte, führt Stada-Vorstandsmitglied Matthias Wiedenfels als Interims-Vorstandschef den Generikahersteller.

Wie reagieren die Investoren?

Spannend dürfte nun sein, wie die beiden unbequemen Investoren auf die Aufsichtsrats-Vorschläge Stadas reagieren. Stada wies vorsorglich darauf hin, dass darauf geachtet worden sei, dass die Kandidaten relevante Sach- und Marktkenntnisse im Generika- und Markenproduktbereich, pharmazeutische Erfahrung, Expertise in Finanz-, Rechnungslegungs- und Rechtsfragen sowie persönliche Unabhängigkeit mitbringen. Eben diese Kriterien waren von AOC zumindest teilweise verlangt worden. AOC teilte auf Anfrage von DAZ.online mit, aktuell keinen keinen Kommentar abgeben zu wollen. Laut „Handelsblatt“ ist unter den Kandidaten jedenfalls niemand, der zuvor von AOC vorgeschlagen wurde. Diese Tatsache dürfte für neuen Zündstoff im Disput sorgen.


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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