Trennungsgerüchte

Novartis strebt schnelle Scheidung von Roche an

04.07.2016, 15:20 Uhr

Eigentlich wollte der frühere Novartis-Chef Daniel Vasella  die beiden Pharmariesen vereinen. Danach sieht es nicht mehr aus. (Foto: Unternehmen)

Eigentlich wollte der frühere Novartis-Chef Daniel Vasella  die beiden Pharmariesen vereinen. Danach sieht es nicht mehr aus. (Foto: Unternehmen)


Die Trennungsgerüchte der beiden Schweizer Pharmagiganten Novartis und Roche bekommen neue Nahrung. Nach einem Zeitungsbericht will Novartis seine milliardenschwere Beteiligung an dem Baseler Wettbewerber noch in diesem Jahr verkaufen. 

Die Gerüchte um eine Trennung der beiden Baseler Pharmaunternehmen Novartis und Roche bekommen dieser Tage neue Nahrung. Nach einem Bericht der Schweizer SonntagsZeitung will Novartis seine Anteile an Roche noch in diesem Jahr verkaufen. Wie es heißt, sollen diese an institutionelle Investoren veräußert werden. Eine Quelle nennt die Zeitung nicht. Nach weitergehenden Informationen des Handelsblattes diskutiert Novartis mit Investmentbanken seine Optionen zur Veräußerung des Pakets, erklärten zwei mit der Situation vertraute Personen.

Nach Angaben eines Insiders habe Novartis in den vergangenen Wochen verstärktes Interesse daran gezeigt, eine Transaktion vorzubereiten, heißt es weiter. „Früher oder später wird der Anteil verkauft und Novartis spricht mit Banken darüber, wie das gemacht werden könnte“, zitiert das Handelsblatt einen anderen Insider. Allerdings stehe ein Deal nicht unmittelbar bevor. Elmar Kraus, Analyst der DZ Bank, sagte gegenüber DAZ.online: „Die Geschichte ist bei weitem nicht neu und hatte zuletzt durch Aussagen des CEO Joseph Jimenez bei der Investorenveranstaltung der Novartis Schwung bekommen. Seither schießen natürlich die wildesten Spekulationen ins Kraut.“ Novartis und Roche nahmen zu den Berichten keine Stellung.

Novartis besitzt ein Drittel an Roche

Voraussetzung für einen Verkauf ist laut SonntagsZeitung allerdings, dass es zu keinem Markteinbruch kommt. Die Erben der Roche-Gründerfamilie Hoffmann-Oeri, die den Konzern mit einer knappen Mehrheit von 50,01 Prozent der Stimmrechte kontrollieren, würden ihre Beteiligung nicht aufstocken. Novartis besitzt knapp ein Drittel der stimmberechtigten Roche-Aktien, die an der Börse aktuell 13,9 Milliarden Franken (12,8 Milliarden Euro) wert sind.

Gerüchte, dass sich Novartis von seinem Roche-Anteil trennen könnte, machen die Runde, seitdem der ehemalige Novartis-Chef Daniel Vasella den Konzern 2013 verlassen hat. Vasella strebte ursprünglich einen Schulterschluss der beiden Pharmariesen an, stieß damit aber bei Roche auf wenig Gegenliebe. Der aktuelle Novartis-Präsident Jörg Reinhardt scheint nun offenbar eine andere Politik zu verfolgen.

Novartis kämpft, Roche gibt Gas

Die beiden Unternehmen befinden sich aktuell in unterschiedlicher Verfassung. So kämpft Novartis aufgrund zunehmender generischer Konkurrenz mit Umsatzrückgängen bei seinem wichtigen Blutkrebsmedikament Glivec. Zudem schlagen die Kosten für den Umbau der schwächelnden Augenheilsparte Alcon auf die Bilanz, das Herzmedikament Entresto startet nur schwächelnd. Roche dagegen hat seit 2013 zwölf Blockbuster in die Apotheken gebracht. Allein in den vergangenen Monaten hat der Konzern zu drei wichtigen neuen Produkten positive Nachrichten vermeldet. Konzernchef Severin Schwan blickt daher zuversichtlich in die Zukunft.

Branchenexperten zufolge könnte Novartis-Chef Joseph Jimenez das Kapital aus einem Verkauf der Roche-Anteile benutzen, um den Konzern zurück auf Wachstumskurs zu bringen. Analyst Vincent Meunier von Morgan Stanley hält in diesem Fall eine namhafte Akquisition für nicht ausgeschlossen. „Möglich für Novartis seien dann Zukäufe in der Biotechnologie oder im Augenheilbereich“, konkretisierte Tim Anderson, Analyst beim Broker Bernstein.

Deutsche Bank-Analysten Sarah Potter hat Novartis kürzlich auf  „Hold“  mit einem Kursziel von 85 Franken eingestuft. Insbesondere im Bereich der Augenheilkunde und speziell bei der altersbedingten Makuladegeneration gebe es ein enormes Marktpotenzial. Sie schätzt, dass die weltweiten Umsätze in diesem Marktsegment von derzeit jährlich 7,5 Milliarden Dollar auf mehr als 25 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2025 steigen könnten.


ts / DAZ.online
redaktion@daz.online


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