Transparenz-Initiative

Pharmafirmen zahlten Ärzten und Kliniken 575 Millionen Euro

Berlin - 20.06.2016, 15:00 Uhr

Stichtag für den großen Preis: Die vfa-Pressekonferenz zum offiziellen Startder Transparenz-Initiative: vfa-Geschäftsführerin Birgit Fischer mit FSA-Chef Holger Diener (l.) und vfa-Sprecher Jochen Stemmler. (Foto: vfa)

Stichtag für den großen Preis: Die vfa-Pressekonferenz zum offiziellen Startder Transparenz-Initiative: vfa-Geschäftsführerin Birgit Fischer mit FSA-Chef Holger Diener (l.) und vfa-Sprecher Jochen Stemmler. (Foto: vfa)


Bis zum 30. Juni wollen die Mitgliedsunternehmen der „Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie“ ihre Zuwendungen an Ärzte und andere Fachkreisangehörige sowie medizinische Organisationen und Einrichtungen auf ihren Webseiten veröffentlichen. Erstes Zwischenergebnis: Im Jahr 2015 flossen insgesamt rund 575 Millionen Euro.

Transparenz - ab dem 30. Juni?

Die Unternehmen hatten viel Zeit zur Vorbereitung: Schon im Sommer 2012 entschied der europäische Dachverband der forschenden Pharmaunternehmen (EFPIA), finanzielle Zuwendungen an Ärzte und medizinische Forschungseinrichtungen offenzulegen. Es dauerte noch eine Weile, bis die genauen Modalitäten geklärt waren. Vor drei Jahren verabschiedete die EFPIA dann ihren Transparenzkodex. In diesem wurden Mindeststandards gesetzt, die sodann von den nationalen Verbänden in einem nächsten Schritt umzusetzen waren. In Deutschland war hierfür die Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) zuständig – ein Verein, der 2004 von Mitgliedern des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa) gegründet wurde.

Am heutigen Montag traten vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer und FSA-Geschäftsführer Dr. Holger Diener gemeinsam vor die Presse um die neue Transparenzoffensive vorzustellen. Ab nächster Woche – Stichtag ist der 30. Juni – werden sich auf den Webseiten von 54 Pharmaunternehmen für jedes europäische Land gesondert zusätzliche Informationen finden.

  • Es soll zwei individualisierte Sparten geben: Einmal die Zuwendungen an Personen (Ärzte und andere Fachkreisangehörige, zu denen auch Apotheker gehören können), die Vorträge gehalten oder bei Fortbildungen engagiert waren. 
  • Zum anderen Zuwendungen an Institutionen (medizinische Organisationen und Einrichtungen) für Sponsoring von Veranstaltungen sowie Spenden und Stiftungen
  • Die anteilsmäßig größte Kategorie trägt den Titel „Forschung und Entwicklung“ und wird nur eine aggregierte Summe enthalten, die keine individuellen Geldflüsse erkennen lässt. Hierunter fallen die Zahlungen an Personen und Institutionen, die klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen (AWB) durchgeführt habe. 

Da man die Anforderungen an AWB mittlerweile an die von klinischen Studien angepasst habe, sieht Fischer hier kein Problem, diese beiden Posten zusammenzufassen. Überdies verweist der vfa darauf, dass es für Details zu AWB bereits eigene Webseiten bei den Zulassungsbehörden gebe.

Wie sich die Gesamtsumme von 575 Millionen Euro aufteilt, zeigt diese Grafik:

vfa/FSA

Die 54 Pharma-Unternehmen, die ihre Zuwendungen an Ärzte und medizinische Institutionen veröffentlichen, decken laut vfa 45 Prozent des deutschen Marktes für verschreibungspflichtige Arzneimittel ab.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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