Rezeptsammelstelle auf dem Land

Wochenendausflug zu DocMorris

Berlin - 17.06.2016, 13:30 Uhr

Hüffenhardt auf Reisen: Weil in dem baden-württembergischen Örtchen bald eine DocMorris-Rezeptsammelstelle eröffnet, hat sich der Gemeinderat in Holland umgesehen. (Screenshot: hueffenhardt.de)

Hüffenhardt auf Reisen: Weil in dem baden-württembergischen Örtchen bald eine DocMorris-Rezeptsammelstelle eröffnet, hat sich der Gemeinderat in Holland umgesehen. (Screenshot: hueffenhardt.de)


Im baden-württembergischen Hüffenhardt geht es voran mit der DocMorris-Video-Apotheke. Das holländische Unternehmen hat für die Räumlichkeiten der alten Apotheke im Ort einen Mietvertrag unterschrieben. Um das Konzept von DocMorris besser kennenzulernen, reiste der Bürgermeister und der gesamte Gemeinderat des Örtchens kürzlich ins deutsch-niederländische Grenzgebiet.

Arzneimittelversorgung hat oberste Priorität

Rund 30 Kilometer nördlich von Sinsheim liegt im Neckar-Odenwald-Kreis die beschauliche Gemeinde Hüffenhardt. In Hüffenhardt wohnen etwa 2.000 Menschen, es gibt eine Handvoll Restaurants, einen mittelständischen Hersteller von Kosmetik-Produkten, einen Hausarzt – und bis 2014 auch eine Apotheke. Doch Apotheker Reinhold Fuchs ist in den Ruhestand gegangen, seitdem hat die Gemeinde ein Problem mit der Arzneimittelversorgung vor Ort. Hüffenhardts Bürgermeister, Walter Neff, machte sich zunächst selbst auf die Suche nach einem neuen Apotheker. Doch ein anfänglich interessierter Pharmazeut sprang wieder ab.

Weil Neff die Arzneimittelversorgung im Ort nicht komplett aufgeben wollte, startete er einen Dialog mit DocMorris. Im Februar gaben die Holländer dann bekannt, im Ort ein Telepharmazie-Projekt zu starten. Demnach soll in den Räumen der ehemaligen Brunnen-Apotheke „ein telepharmazeutischer Beratungsservice mit einer Abholfunktion für Arzneimittel“ eingerichtet werden, also eine Rezeptsammelstelle mit Video-Funktion. Ein DocMorris-Mitarbeiter soll vor Ort die Fragen der Kunden zur Bedienung des Automaten beantworten.

Mietvertrag unterschreiben, Reise nach Holland

Anfang Juni hat der Bürgermeister den Gemeinderat darüber informiert, dass DocMorris mit der Gemeinde einen Mietvertrag für die ehemaligen Apotheken-Räume abgeschlossen hat. Eine Abstimmung über den Mietvertrag gab es in dem 14-köpfigen Gremium nicht. Aus Verwaltungskreisen hieß es, der Gemeinderat habe die Mitteilung des Bürgermeisters zustimmend zur Kenntnis genommen.

Damit der Gemeinderat sich ein noch besseres Bild vom DocMorris-Konzept machen kann, hatte das Unternehmen das gesamte Gremium nach Holland eingeladen. Zwei Tage nach der Sitzung, bei der die Unterschrift des Mietvertrages bekanntgegeben wurde, machten sich der gesamte Gemeinderat und Bürgermeister Neff also auf nach Heerlen an der deutschen Grenze.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Wahnsinn!

von Christiane Patzelt am 17.06.2016 um 13:58 Uhr

Ausgerechnet die Politiker, die von uns Steuerzahlern finanziell auskömmlich bezahlt werden, gucken sich mal auf Einladung ein Steuerfluchtmodell an und denken nun, sie haben den "Wahnsinnsbetrieb" und mega- Arbeitgeber gesehen!
Doc Morris vernichtet wohnortnahe Arbeitsplätze und zahlt genausowenig Steuern wie Amazon!

Ich kann den Gemeinden nur raten, guckt, wo ihr eure Gewerbesteuern herbekommt, eure Orte wollen lebendig bleiben, die Infrastruktur wie Schulen, Buslinien, Gehwege, Gemeindewesen müssen von Bürgern und Gewerbetreibenden bezahlt werden. Doc Morris macht gar nichts für euch, dessen dürft ihr euch sicher sein!

Wir haben hier ein Lidl und ein Netto im Ort, jetzt raten alle mal, wo die beiden Discounter ihre Steuern zahlen...

Politiker in Deutschland - macht endlich mal den Kopf auf!! Das ist auch mein Zuhause, was ihr ausverkauft!!

C. Patzelt
Arbeitgeberin für 7 wohnortnahe, familienfreundliche und fair-bezahlte Arbeitsplätze

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