Kossendeys Gegengewicht

Wenn das Virus in die Apotheke kommt…

15.06.2016, 18:45 Uhr

Technik kann Apothekern viel Arbeit ersparen - wenn sie tut, wie sie soll. (Foto: Roman Sigaev / Fotolia; Montage: DAZ.online)

Technik kann Apothekern viel Arbeit ersparen - wenn sie tut, wie sie soll. (Foto: Roman Sigaev / Fotolia; Montage: DAZ.online)


Wie abhängig Apotheker von der Technik geworden sind, merkt man beim Computer-GAU. Für Ann-Katrin Kossendey-Koch hieß es „Back to the roots“, als ein Virus ihre Apotheke erwischte. Die Rote Liste hält derzeit noch keine Einträge für digitale Virostatika bereit...

Reise in die Vergangenheit

In der Betreffzeile stand „Bewerbung auf Ihre Anzeige im Internet“.  Eine solche E-Mail ist nichts Ungewöhnliches, vor allem wenn man tatsächlich eine aktuelle Stellenanzeige bei der Apothekerkammer Niedersachsen geschaltet hat. Ich überflog den Text nur kurz, der ein knappes Anschreiben zu sein schien und auf die ausführlichen Bewerbungsunterlagen im Anhang hinwies. Hängen blieb ich an dem Foto – es lächelte mich ein junger Mann im Anzug an, der entweder Berater bei der Sparkasse oder Versicherungsvertreter hätte sein können. Erst vor Kurzem erhielten wir eine sehr ähnliche Initiativbewerbung eines jungen PTA-Praktikanten, auch hier ein Foto im auberginefarbenen Anzug mit Krawatte und Turniertänzerlächeln.

Wie in der E-Mail hieß es auch in dieser Bewerbung im Anschreiben, dass er „der richtige Mann sei für uns“ (darauf gehe ich an dieser Stelle nicht detaillierter ein) und dass seine „rhetorischen Fähigkeiten ein Mehrwert für uns seien“ – ja, auch in unserer Branche wird es zunehmend verrückter. Neugierig, warum sich ein jüngeres Double von Herrn Kaiser (der von der Hamburg Mannheimer) als Heilsbringer für unsere Apotheke hält, öffnete ich den Anhang der Mail auf meinem Handy – und es passierte nichts. Der Ladevorgang schien endlos. Also probierte ich es nochmal auf meinem Macbook – hier gab es zumindest den Versuch des Öffnens, aber dabei blieb es auch.

Lizenz zum Problem

Nun gut, damit war für mich der Fall erledigt. Nach der Mittagspause empfing mich meine PTA mit den Worten: „Wir haben ein Problem, wir haben ein riesen Problem!“ Da meine Mitarbeiterin meinen Humor teilt und wir aufgrund von Krankenstand gerade immer irgendein Problem haben, hielt ich die Äußerung für einen Scherz und antwortete ihr lächelnd: „Ich weiß! Ich bin Apothekerin, da habe ich mit der Approbation die Lizenz für größere Probleme gleich miterworben!“

Der Gesichtsausdruck meiner Mitarbeiterin ließ nun aber leider keinen Zweifel daran, dass hier gerade tatsächlich etwas aus dem Ruder lief. „Ich habe mir die Bewerbung auch mal angeschaut und kurz nachdem ich den Anhang geöffnet hatte, startete der Bildschirm ein Eigenleben!“ Oh nein, ein Computervirus! „Wie schlimm ist es?“ „Alle Daten des Vormittags sind weg!“ Wie Marty Mc Fly befanden wir uns also wieder am Samstagmittag, nur dass es jetzt Montag Mittag war.



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