Aktionswoche PANGEA IX

12,2 Millionen gefälschte Arzneimittel in einer Woche

Berlin - 10.06.2016, 10:00 Uhr


Bereits zum neunten Mal haben sich über 100 Staaten zu einer konzentrierten Aktion gegen den Handel mit illegalen Arzneimitteln aus dem Internet verabredet. Zollbehörden beschlagnahmten weltweit rund 12,2 Millionen Tabletten, Kapseln und Ampullen – allein in Deutschland waren es 50.915.

Vom 30. Mai 2016 bis 7. Juni 2016 haben die Zollbehörden von 103 Ländern unter der Leitung von Interpol und mit Hilfe der Pharmaindustrie, internationaler Zahlungs- und Zustelldienstleistungsunternehmen sowie weiterer Organisationen wieder zugeschlagen. Im Visier hatten sie die organisierte Arzneimittelkriminalität. Ziel der Aktionswoche ist, für weniger gefälschte Arzneimittel im Markt zu sorgen – und vor allem die Bevölkerung für die Gesundheitsgefahren zu sensibilisieren, die mit dem Arzneimittelkauf im Internet verbunden sind. Es war bereits die neunte Aktion dieser Art – Pangea IX. Die Zahlen sollten tatsächlich die Augen öffnen: 12,2 Millionen gefälschte und illegale Arzneimittel im Wert von mehr als 53 Millionen US-Dollar (rund 47 Millionen Euro) wurden weltweit beschlagnahmt und 393 Menschen verhaftet.

In Deutschland waren das Zollkriminalamt (ZKA) und das Bundeskriminalamt (BKA) verschärft gegen den Online-Handel mit illegalen Arzneimitteln vorgegangen. Bereits seit Abschluss  von Pangea VIII ermitteln die hiesigen Polizeibehörden in 89 Fällen gegen die meist international organisierten Betreiber von 60 Internetseiten, die in Deutschland nicht zugelassene Arzneimittel vertreiben. In der Aktionswoche legten Zoll und Polizei ihr Augenmerk erneut auf Briefe, Pakete und Päckchen mit Arzneimitteln. In nur einer Woche zogen sie insgesamt 564 ausländische Postsendungen mit 50.915 Tabletten, Kapseln und Ampullen aus dem Verkehr. Laut ZKA und BKA sind auch in diesem Jahr viele Potenzmittel darunter – sie machten 40 Prozent der sichergestellten Präparate aus. Aber auch Schlankheits- und Haarwuchsmittel, insgesamt zahlreiche Life-Style-Produkte waren darunter. Ein Großteil der Sendungen stammte aus Indien. Aber auch aus Singapur, China, Polen und Ungarn wurden illegale Arzneien sichergestellt. 

Gefälschte Krebs- und HIV-Präparate aus Asien

Weltweit wurden noch weit mehr kritische Arzneimittel und Medizinprodukte beschlagnahmt. In Myanmar waren es etwa gefälschte Krebsarzneien. In Singapur beispielsweise Anabolika, Schlaftabletten und Schwangerschaftstests. Aber auch Arzneimittel gegen Malaria, Cholesterinsenker, minderwertige HIV und Diabetes-Test-Sets  sowie gefälschte zahnmedizinische Geräte und illegale chirurgische Geräte fanden sich unter den sichergestellten Produkten.

BKA und ZKA warnen wie schon in den Vorjahren: Die Medikamente hätten häufig einen falschem Wirkstoffgehalt oder gar keinen Wirkstoff, andere enthielten gesundheitsgefährdende Bestandteile. Und nicht nur die Medikamente verursachten unerwünschte Nebenwirkungen: Spam-Mails mit Arzneimittel-Werbung enthielten oft Schadsoftware, die die Computer der Opfer ausspähe.

Arzneikauf im Internet ist ein Glücksspiel - der Einsatz die Gesundheit

Hinzu komme, dass viele Verbraucher umsonst Geld überwiesen – auch Anbieter mit seriös erscheinenden Web-Seiten lieferten oft gar nicht erst. Tun sie es doch, dann in der Regel im grenzüberschreitenden Arzneimittelhandel. ZKA und BKA raten daher, nur bei zugelassenen Online-Apotheken zu kaufen – wenn der Kauf denn über das Internet erfolgen soll. Dies könne das Risiko einer Gesundheitsgefahr minimieren. Sie warnen die Verbraucher: „Der Einkauf bei illegalen Online-Apotheken ist ein Glückspiel, Ihre Gesundheit ist dabei der Einsatz. Der Gewinner dieses Spiels ist in jedem Fall der Täter, dem Ihre Gesundheit völlig gleichgültig ist. Es geht nur um Profit“. 

Informationen zum sicheren Arzneimittelkauf im Internet bietet ein Informationsflyer des BKA.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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