FDA- Warnung

Schwere Herzprobleme durch Loperamid-Missbrauch

Stuttgart - 10.06.2016, 05:00 Uhr

Fachgesellschaften twittern die Warnung der FDA. (Foto: Screenshot / DAZ.online)

Fachgesellschaften twittern die Warnung der FDA. (Foto: Screenshot / DAZ.online)


Hohe Dosen des Antidiarrhoikums Loperamid, das auch in Deutschland rezeptfrei in Apotheken zu haben ist, können schwere, mitunter tödliche kardiale Nebenwirkungen verursachen. Die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA warnt davor, höhere Dosierungen, als für den Wirkstoff zugelassen sind, missbräuchlich einzunehmen.

Loperamid (Imodium® und Generika) ist in den USA in der Selbstmedikation bis zu einer Tageshöchstdosis von 8 mg pro Tag zugelassen. Auf ärztliche Verordnung können 16 mg pro Tag eingenommen werden. Die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA hat nun davor gewarnt, dass die Einnahme höherer als der empfohlenen Dosen zu schweren, im Extremfall sogar tödlichen Herzproblemen führen kann. Auch die gleichzeitige Einnahmen hoher, zulassungsgemäßer Loperamid-Dosen gemeinsam mit Arzneimitteln, die mit Loperamid interagieren, könne laut FDA das Risiko für kardiale Nebenwirkungen erhöhen. Auftreten können zum Beispiel QT-Strecken-Verlängerung, Torsades-de-Pointes- und andere ventrikuläre Arrhythmien, sowie Synkopen und Herzstillstand.

Die Probleme sollen vor allem dann aufgetreten sein, wenn missbräuchlich hohe Dosen eingenommen wurden, beispielweise um Symptome eine Opioidentzugs selbst zu behandeln oder Euphoriegefühle hervorzurufen, berichtet die FDA. Oft werde dabei  Loperamid gemeinsam mit anderen Substanzen eingenommen, die die Absorption erhöhen und dafür sorgen, dass Loperamid die Blut-Hirn-Schranke überwindet, oder dessen Abbau inhibieren und so die euphorisierende Wirkung verstärken. 

Bei Durchfall nach zwei Tagen zum Arzt

Ärzte sollten sich der Gefahr hoher Loperamid-Dosen bewusst sein, warnt die FDA. Besteht Verdacht auf toxische Loperamid-Wirkungen, muss die Einnahme sofort gestoppt und eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Patienten sollten keinesfalls mehr als die empfohlene Dosis einnehmen. Hält der Durchfall länger als zwei Tage an, rät die FDA einen Arzt aufzusuchen. Wird bei Patienten, die Loperamid einnehmen eines der folgenden Symptome beobachtet, muss sofort  der Notarzt gerufen werden:

  • Ohnmacht
  • schneller oder unregelmäßiger Herzschlag
  • sowie wenn die betreffende  Person nicht auf Ansprache reagiert  oder sich nicht aufwecken lässt. 

Auch in Deutschland OTC und Rx

Loperamid ist auch in Deutschland bei akuten und chronischen Durchfällen zugelassen. Es unterliegt der Verschreibungspflicht. Unter folgenden Bedingungen ist es allerdings davon ausgenommen und ohne Rezept in der Apotheke erhältlich:

  • In festen Zubereitungen zur oralen Anwendung
  • bei akuter Diarrhö
  • in Tagesdosen bis zu 12 mg
  • in Packungsgrößen bis zu 24 mg,
  • wenn angegeben ist, dass die Anwendung auf Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten 12. Lebensjahr beschränkt ist.

Unter ärztlicher Aufsicht kann es bereits ab zwei Jahren eingesetzt werden. Die Höchstdosis für Erwachsenen beträgt bei ärztlicher Verschreibung ebenso wie in den USA 16 mg pro Tag.  

Bei akutem Durchfall nehmen Erwachsene in der Regel  initial 4 mg (2 Tabletten) und anschließend nach jedem ungeformten Stuhl jeweils 2 mg (1 Tablette).

Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sieht Hinweise auf ein Missbrauchspotenzial. So soll Loperamid in Kombination mit  Chinin in der Drogenszene eingesetzt werden. Chinin wurde allerdings, nicht hauptsächlich, aber unter anderem deswegen, der Verschreibungspflicht unterstellt. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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