Beitragserhöhung und neue Vollzeitkräfte

Kammer Nordrhein lehnt ABDA-Haushalt ab

Neuss - 08.06.2016, 14:08 Uhr

Tja, so ist Demokratie! Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, verteidigte zwar den Haushaltsentwurf der ABDA, musste dann aber zusehen, wie seine Kammer dagegen stimmte. (Foto: Schelbert)

Tja, so ist Demokratie! Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, verteidigte zwar den Haushaltsentwurf der ABDA, musste dann aber zusehen, wie seine Kammer dagegen stimmte. (Foto: Schelbert)


Die Apothekerkammer Nordrhein wird dem ABDA-Haushalt für 2017 in seiner jetzigen Form nicht zustimmen. Das hat die Delegiertenversammlung am heutigen Mittwoch beschlossen.

Zwar haben nur 35 der 121 Delegierten der Apothekerkammer Nordrhein dagegen gestimmt, dass die Kammer bei der Mitgliederversammlung der ABDA Ende Juni dem Haushaltsentwurf zustimmt, doch für eine Zustimmung stimmten noch deutlich weniger. Ganze sieben Delegierte wollten, dass ihre Kammer den Haushaltsentwurf annimmt. Da sich der Rest der Delegierten enthielt, „wird die Apothekerkammer Nordrhein auf der ABDA-Mitgliederversammlung mit ‚nein‘ stimmen, wenn es um den Haushalt geht“, fasste Kammerpräsident Lutz Engelen das Ergebnis zusammen.

Der am Montag bekanntgewordene Entwurf des ABDA-Haushalts 2017 sieht unter anderem eine Erhöhung der Beiträge der Mitgliedsorganisationen von insgesamt 3,3 Prozent vor. Der Bezirk Nordrhein muss mit einer Beitragserhöhung von 3,67 Prozent rechnen. Außerdem sollen im kommenden Jahr mehrere Vollzeitkräfte neu bei der ABDA eingestellt werden. Für die Öffentlichkeitsarbeit sucht die ABDA beispielsweise einen Mitarbeiter, der sich um einen neu zu schaffenden „Newsroom“ kümmern soll, über den die Standesvertretung eigene Nachrichten verbreiten will.

Engelen warb für den Haushaltsentwurf

An Kammerpräsident Lutz Engelen lag der Ausgang der heutigen Abstimmung nicht: Denn der hatte vor der Abstimmung für den Haushalt geworben. Die Steigerungen im Budget seien im Wesentlichen durch den Personalaufbau in der Öffentlichkeitsarbeit und für die Telematik-Infrastruktur verursacht – der Ausbau beider Gebiete sei eine Forderung auch der Kammer Nordrhein gewesen.

Engelen hatte anklingen lassen, dass er eine neue Vollzeitstelle in der Öffentlichkeitsarbeit angesichts der Pläne sogar für eher zu wenig als zu viel halte. Zur Kritik an der Arbeit und den Erfolgen der ABDA aus dem Plenum hatte Engelen angemerkt, dass diese Themen auf dem Deutschen Apothekertag diskutiert werden müssten – das sei der richtige Rahmen dafür. „Tja, so ist Demokratie“, kommentierte Engelen den Beschluss der Versammlung gegenüber DAZ.online.

EuGH-Verfahren: „Flinte nicht ins Korn werfen!“

In seinem Bericht an die Delegiertenversammlung hatte sich Engelen vorher ausführlich zum EuGH-Verfahren über die Rx-Boni und die möglichen Auswirkungen geäußert, falls das Gericht den Schlussanträgen des Generalanwalts folgen sollte. Engelen mahnte alles zu unterlassen, was den Eindruck erwecken könnte, die Apotheker glaubten selbst nicht an ihre Argumentation. „Jetzt ist nicht die Zeit, die Flinte ins Korn zu werfen“, so Engelen. Es sei höchst unwahrscheinlich, dass der EuGH seine bisherige Linie verlasse und die Preisbindung für ausländische Versandapotheken untersage.

Doch es wurde auch Kritik laut. Für die Kammerjustiziarin Bettina Mecking ist es äußerst unglücklich, dass das ursprüngliche Verfahren der Wettbewerbszentrale gegen die Deutsche Parkinson Vereinigung ausgerechnet vor dem OLG Düsseldorf geführt wurde. Dieses sei schon in der Vergangenheit in Wettbewerbsverfahren des Öfteren „ausgeschert“. Es wäre durchaus auch möglich gewesen das Verfahren in Köln anzustrengen, wo die Kammer bisher alle Verfahren gegen DocMorris gewonnen hat, so Mecking. Engelen dazu: „Ich behaupte mal frechweg, hätte man uns gefragt, wäre das Verfahren nicht vor dem EuGH gelandet.“


Dr. Benjamin Wessinger (wes), Apotheker / Herausgeber / Geschäftsführer
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Delegiertenversammlung stimmt gegen Haushaltsentwurf – Engelen bei EuGH-Verfahren optimistisch – Kritik an Wettbewerbszentrale

Kammer Nordrhein lehnt ABDA-Haushalt ab

DocMorris, Digitalisierung, Dienstleistungen

Engelen: Generalabrechnung mit der ABDA

Delegiertenversammlung der Kammer Nordrhein

EuGH, Erfolge und Etat-Ablehnung

Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

Apothekerkammer Nordrhein lehnt Haushaltsentwurf ab

Gegen höhere ABDA-Beiträge

Verhältnis Beiträge-Leistung

Kammer Nordrhein lehnt ABDA-Haushaltsentwurf ab

5 Kommentare

Abstimmung in Nordrhein

von Dr.Diefenbach am 10.06.2016 um 20:23 Uhr

Ich finde es gut,dass die dortige Kammer den Haushaltsentwurf ordentlich dargelegt hat!Dies ist ja in vielen Organisationen nicht so.Deswegen müsste das Beispiel eben beispielhaft wirken.Es besteht ohne gewisse Detailkenntnis kein Anlass,ein millionenschweres Werk durchzuwinken,wenn man die Rahmenbedingungen der letzten Zeit betrachtet.Die immer weiter gehende Debatte um stets neue Mitarbeiter hat Herr Dr.Schmitz oft begründet,das war auch nachvollziehbar.Nur wird für große Teile der Berufsöffentlichkeit gar nicht erkennbar,WO die Erfolge bleiben.Und hier-den Vorwurf mache ich-hapert es an der Transparenz durch Herrn Dr.Kern und seine Organisation.Das muss man klar benennen,denn ich kann nicht mit irgendeinem"Award" von neulich glänzen,wenn gleichzeitig derartige Schräglagen in der Allgemeinpresse gegen uns kommentarlos!!platziert werden.Das geht nicht.Und so sehe ich vieles wie Frau Aures.Und nun bin ich mal gespannt.wie wir Hessen Ende Juni über den Haushalt befinden

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Stimmenthaltung der Delegierten in der Kammerversammlung

von Thesing-Bleck am 09.06.2016 um 8:33 Uhr

Das war schon eine ganz ungewöhnliche Kammerversammlung gestern! Es wurde über die Erhöhung des ABDA-Haushaltes diskutiert und später dann darüber abgestimmt. In dieser Abstimmung enthielt sich die Mehrzahl der Delegierten der Stimme. Für die Kammerversammlung Nordrhein ist das so ungewöhnlich, dass zunächst die Justiziarin befragt werden musste, wie das Abstimmungsergebnis denn nun zu interpretieren sei. Das Ergebnis: Nur 35 von 121 möglichen Delegiertenstimmen haben veranlasst, dass die Apothekerkammer Nordrhein in der Mitgliederversammlung dem ABDA-Haushalt nicht zustimmen darf.
Meiner Meinung nach hat sich die Mehrzahl der Delegierten "aus dem Bauch heraus" der Stimme enthalten. Und das war auch gut so! Denn in der vorhergehenden Diskussion entstand der Eindruck, dass die geplante Erhöhung notwendig wäre, um eine neue Mitarbeiterstelle bei der ABDA zu finanzieren. Dieser neue Mitarbeiter solle die Aufgabe bekommen, die Präsenz der Öffentlichen Apotheken in den sozialen Medien zu erhöhen.
Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass Apothekerinnen und Apotheker und viel stärker als bisher in den sozialen Netzwerken sichtbar sein müssen. Es stellt sich aber die Frage, ob das mit Kammergeldern finanziert werden darf? Meiner Meinung nach ist der dringend notwendige Ausbau einer stärkeren Präsenz der öffentlichen Apotheken in den sozialen Medien für deren wirtschaftlichen Erfolg dringend notwendig und sollte so schnell wie möglich vorangetrieben werden. Die Bearbeitung der wirtschaftlichen Aspekte der öffentlichen Apotheke ist aber die vordringliche Aufgabe der Apothekerverbände. Daraus folgt, dass damit die Einrichtung eines Teams zur Präsenz - Verbesserung der öffentlichen Apotheken in den sozialen Netzwerken nicht bei ABDA wohl aber beim DAV angesiedelt und damit auch von ihm finanziert werden sollte.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Wow!

von Wolfgang Müller am 09.06.2016 um 18:15 Uhr

Das musste wirklich einmal gesagt werden. "Die ABDA" und damit indirekt ja vor Allem: "Die Kammern" können doch nicht so einfach auch die Interessen ÖFFENTLICHER Apotheken vertreten! Nicht die der Mitarbeiter, geschweige denn der Inhaber! Und erst recht nicht irgendwie auch "wirtschaftliche" Interessen!

Chapeau, Kollegin. Chapeau, Kammer Nordrhein, wenn DAS der Grund war.

"Newsroom"

von gabriela aures am 08.06.2016 um 16:52 Uhr

Oookayy...was darf sich die geneigte Volksapothekerin darunter vorstellen ?
"ABDA will ihre eigenen Nachrichten machen" - auch so ein feines Versprechen, hat sie bisher doch "Schlagzeilen gemacht", ist ja nicht so toll.

Wir wurden ja bereits darüber belehrt, daß die ABDA waaahnsinnige Erfolge einfährt, aber nicht darüber reden darf.
Fällt also für den Newsroom schon mal weg.
Wer wann mit wem am Büffett stand und den "Kampf" ums letzte Lachsschnittchen bei Schnick-Schnack-Schnuck verloren hat ist, als "Breaking News" auch nur bedingt geeignet.
Das könnte durchaus falsch verstanden werden, andere Nachrichten sind aber Verschlußsache- wird schwierig.

Um die Nachrichten der FB-Seite an anderer Stelle zu präsentieren (für die Nicht-FB-User), braucht es nur die Fähigkeit zu C+P, keine Vollzeitkraft.
Mein Gott, das ist so kompliziert nicht !

Umgekehrt frage ich mich natürlich, ob folglich bisher viele wichtige Informationen aus reinem Personalmangel NICHT an die ApothekerInnen außerhalb der Führungsgremien weitergeleitet werden KONNTEN ?!
Gab's so aufregende Neuigkeiten, die uns entgangen sind ?

Die aufwendigen Dinge wie Spots macht Cyrano, nicht die ABDA selber, also wird hier auch kein Personal gebunden.

Konnte Herr Dr. Kern bis dato kaum sprechen, weil er schlichtweg keine Zeit mehr dafür hatte ?

Ich unterstütze, ähnlich wie Herr Engelen, eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, aber es klingt nicht so, als gäbe es einen detaillierten Plan, einen KV, einen Business-Plan,was die ABDA machen möchte, was bisher nicht gemacht werden konnte.
Eher ein Generelles:
Wir stocken mal auf und brauchen Geld.
Punkt.

In Zeiten, in denen wir unser Geld immer schwerer verdienen, in denen von allen Seiten unsere Zukunft als eigenständige ApothekerInnen gefährdet wird, halte ich es für durchaus legitim, daß die ABDA darlegen muß, wo der Zusatznutzen für UNS ist.



» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Enthaltung

von Frank ebert am 08.06.2016 um 14:54 Uhr

Delegierte die sich enthalten sind ganz schwach. Man muss doch eine Meinung haben. Aber nein , alle keinen A. In der Hose.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.