Forderung nach Abschaffung der Import-Quote

„Überraschende Liaison“

Stuttgart - 02.06.2016, 16:50 Uhr

Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender AOK Baden Württemberg und DAV-Chef Fritz Becker: Eine "überraschende Liaison", finden die Arzneimittel-Importeure. (Foto: DAZ / AOK / DAV)

Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender AOK Baden Württemberg und DAV-Chef Fritz Becker: Eine "überraschende Liaison", finden die Arzneimittel-Importeure. (Foto: DAZ / AOK / DAV)


Mit „zunehmendem Unverständnis“ reagiert der Verband der Arzneimittel-Importeure auf "die Angriffe" vonseiten des Deutschen Apothekerverbands und der AOK, die gemeinsam die Abschaffung der Importquote für Apotheken gefordert hatten. Die Quote sei in Vertragsverhandlungen festgelegt, transparent und unbürokratisch – im Gegensatz zu den Rabattverträgen.

Der Verband der Arzneimittel-Importeure Deutschlands (VAD) zeigt sich überrascht von der „Liaison“ zwischen dem Deutschen Apothekerverband (DAV) und dem „Vater der Rabattverträge“, dem Vorstandsvorsitzenden der AOK Baden-Württemberg, Christopher Herrmann, die gemeinsam die Abschaffung der Importquote für Apotheken fordern. DAV-Chef Fritz Becker habe wohl vergessen, dass er jahrelang den Mehraufwand durch die Rabattverträge kritisiert habe. Es gebe „kein Instrument der Preissenkung, dass in vergleichbarer Weise die Entscheidungsfreiheit der Apotheker begrenzt und bürokratischen Aufwand bewirkt hat wie die Rabattverträge bei Generika“, schreibt der VAD.

Das sei bei der Importquote anders, die sie seit Jahren übererfüllt werde und sich bewährt habe. Nach dieser Regelung muss jede Apotheke fünf Prozent ihres GKV-Umsatzes mit preisgünstigen Importarzneimitteln machen – und zwar für jede Krankenkasse getrennt. Becker und Hermann hätten wohl auch vergessen, dass die konkrete Ausgestaltung der Importförderung zwischen dem DAV und den gesetzlichen Krankenkassen ausgehandelt und im Rahmenvertrag festgeschrieben worden sei.

Wenn Becker also „ernsthaft“ den bürokratischen Aufwand im Zusammenhang mit der Importquote für Apotheken verringern wollte, könne er doch ein Anpassung dieser konkreten Bestimmungen im Vertrag anstreben – „beispielsweise die Erfüllung der Importquote über alle Kassen“ - statt wie bisher für jede einzelne Krankenkasse. Mit dem Retax-Kompromiss sei zudem „gerade eben“ eine Modifizierung des Rahmenvertrags in Kraft getreten. Diese berühre die Importregelung jedoch in keiner Weise. „Offensichtlich konnte sich Herr Becker, wenn er die Importquote überhaupt zum Gegenstand gemacht hat, bei seinem Verhandlungspartner nicht durchsetzen und ebenso offensichtlich vertritt Herr Dr. Hermann innerhalb der Gesetzlichen Krankenkassen eine Minderheitsmeinung“, folgert der Verband aus diesem Umstand.

Widerstand gegen Importquote

Am gestrigen Mittwoch hatten der DAV und die AOK Baden-Württemberg in einer gemeinsamen Pressemitteilung die Streichung der Importförderquote gefordert. Sie sei „nicht mehr zeitgemäß“, bedeute einen enormen bürokratischen Aufwand und gefährde die Arzneimittelsicherheit für die Patienten. Außerdem könne sie in anderen Ländern Lieferengpässe für die heimische Bevölkerung verursachen, wenn von dort Arzneimittel nach Deutschland abfließen.Bereits Ende April hatte der AOK-Bundesverband sich für eine Abschaffung der Quote ausgesprochen, auch der Deutsche Apothekertag hatte im vergangenen Jahr die ersatzlose Streichung der Quote gefordert.

Wenig überraschend kann der VAD, in dem die Arzneimittel-Importeure ACA Müller ADAG Pharma, AxiCorp, Emra-Med, Haemato, Kohlpharma, MPA Pharma und MTK-Pharma organisiert sind, dieser Begründung nicht folgen. Es handle sich um eine „Scheindiskussion“, bei der „kein Argument zu abwegig“ scheine. „Herr Becker und Herr Hermann sollten im Interesse der notwendigen Einsparungen endlich besser mit Importen und nicht gegen sie arbeiten“, fordern die Importeure.


wes / DAZ.online
redaktion@daz.online


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