Novartis

Neue Anwendungsgebiete für Afinitor

Stuttgart - 02.06.2016, 16:15 Uhr

Die abgebildete Packung Afinitor ist in der Apotheke laut Lauer-Taxe für über 4700 Euro (AVP) zu haben. (Foto: Novartis)

Die abgebildete Packung Afinitor ist in der Apotheke laut Lauer-Taxe für über 4700 Euro (AVP) zu haben. (Foto: Novartis)


Die EU-Zulassung des Everolimus-Präparats Afinitor ist erweitert worden. Es darf jetzt bei bestimmten neuroendokrinen Tumoren des Magen-Darm-Traktes und der Lunge eingesetzt werden. Mit den bestehenden Indikationen ist das Präparat jetzt bei den drei häufigsten neuroendokrinen Tumorarten zugelassen. 

Funktionell inaktive, also nicht-hormonproduzierende, neuroendokrine Tumore der Lunge und des Gastrointestinaltrakts sind selten und werden oft erst im fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Die Prognose ist in der Regel schlecht. Für Erwachsene mit dieser Diagnose und mit progressiver Erkrankung gibt es jetzt eine neue Therapieoption. Das hat der Hersteller Novartis mitgeteilt.

Afinitor® mit dem Wirkstoff Everolimus ist jetzt auch bei inoperablen oder metastasierten, gut oder mäßig differenzierten (Grad 1 oder 2) funktionell inaktiven neuroendokrinen Tumoren der Lunge und des Gastrointestinaltraktes zugelassen. Damit ist Afintor® die erste orale Therapie, die in der EU für diese Form von Magen-Darm-Tumoren zugelassen ist, für diese seltene Art von Lungenkrebs ist es die erste EU-weit zugelassene Therapie überhaupt. 

Drei Wirkstärken auf dem Markt

Afinitor® ist in Deutschland seit 2009 im Handel. 2013 kam zu den Wirkstärken 5 mg und 10 mg noch die Dosierung von 2,5 mg dazu. Bislang war es für folgende Indikationsgebiete zugelassen:

  • Hormonrezeptor-positives, fortgeschrittenes Mammakarzinom: in Kombination mit Exemestan zur Therapie des Hormonrezeptor-positiven, HER2/neu-negativen, fortgeschrittenen Mammakarzinoms bei postmenopausalen Frauen, wenn es nach Behandlung mit einem nicht-steroidalen Aromataseinhibitor zu einem Rezidiv oder einer Progression gekommen ist.
  • Bei inoperablen oder metastasierten, gut oder mäßig differenzierten neuroendokrinen Tumoren pankreatischen Ursprungs.
  • Bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom, wenn es während oder nach einer gegen VEGF gerichteten Therapie zu einer Krankheitsprogression kommt.

Everolimus

Everolimus gehört in die Gruppe antineoplastischer Arzneimittel. Als Proteinkinase-Inhibitor greift es hemmend in die Proliferation von Tumorzellen aber auch von Endothelzellen, Fibroblasten und blutgefäßassoziierten glatten Muskelzellen ein. Angriffspunkt ist die Serin-Threoninkinase mTOR (mammalian Target of Rapamycin). mTOR besitzt als mTOR-Komplex-1 (mTORC1) eine Schlüsselfunktion bei der Synthese von Proteinen des Zellzyklus und der Angiogenese. So hemmt Everolimus durch Reduktion der Spiegel von endothelialem Wachstumsfaktor (VEGF) die Tumorangiogenese. Everolimus ist in Deutschland zugelassen zur Prophylaxe der Transplantatabstoßung nach Nieren-, Leber- und Herztransplantation (Certican®).
Zur Therapie des fortgeschrittenen, hormonrezeptorpositiven Mammakarzinoms, des Nierenzellkarzinoms und zur Behandlung neuroendokriner Tumore pankreatischen Ursprungs ist es unter dem Handelsnamen Afinitor® erhältlich. In dem Orphan-Arzneimittel Votubia® ist Everolimus indiziert bei Riesenzellastrozytom und renalem Angiomyolipom aufgrund einer Tuberösen Sklerose.    


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


Diesen Artikel teilen:


1 Kommentar

Afinitor oder Votubia

von T.P. am 04.05.2019 um 5:15 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,
wie kann ich meinem Nephrologe
beweisen, mir nicht Afinitor sondern
votubia verschreiben lassen zu müssen?
Bei meiner TS ist eigentlich nur Votubia
zugelassen, kein Afinitor.
Bitte helfen Sie mir weiter und wo finde
ich Angaben über die zusätzlichen Inhaltsstoffe
beider Medikamente? :-(

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.