Unwetter in Braunsbach

Den Schlamm aus der Apotheke geschoben

Braunsbach - 31.05.2016, 11:03 Uhr

Mit Regen und Gewittern kam die Flut nach Braunsbach - der Schlamm drängte sich bis in die Apotheke. (Foto: dpa / picture alliance - abaca) Fotostrecke

Mit Regen und Gewittern kam die Flut nach Braunsbach - der Schlamm drängte sich bis in die Apotheke. (Foto: dpa / picture alliance - abaca)


Apothekerin Gerlinde Mayer betreibt die Kochertal-Apotheke im von der Unwetter-Katastrophe verwüsteten baden-württembergischen Braunsbach. Wie groß der Schaden in ihrer Offizin ist, kann sie noch gar nicht beziffern – die Patienten betreut sie nun erstmal im Nachbarort mit.

Die Bilder vom Abend des 29.Mai 2016 aus dem kleinen baden-württembergischen Ort Braunsbach im Kreis Schwäbisch-Hall nahe Stuttgart gingen deutschlandweit durch die Nachrichten. Ein schweres Unwetter mit Gewitter und heftigem Starkregen hatten die drei Bäche, die durch den Ort fließen, anschwellen lassen. Schlamm- und Geröllmassen verwüsteten den Ortskern, Autos wurden wie Spielzeug von den Wassermassen weggeschoben und etliche Häuser schwer beschädigt.

„Wir machen weiter und tun, was wir tun müssen“

Betroffen ist auch die Apothekerin Gerlinde Mayer, die in Braunsbach die Kochertal-Apotheke betreibt. An den Tagen nach der Katastrophe hat sie sich bereits einen ersten Überblick vom Ausmaß des Schadens verschaffen können. „Wir haben erstmal den Schlamm aus der Apotheke geschoben“, berichtet sie. Eine Tür und Fenster im hinteren Teil der Offizin seien von den Schlammmassen eingedrückt worden. „Aber wir haben da noch Glück gehabt. Das hat hauptsächlich das Büro betroffen“, sagt sie. Arzneimittel seien wohl nicht beschädigt worden. Wie groß der Schaden aber tatsächlich ist, werde sie erst in den kommenden Tagen sehen, wenn sie mit einem Vertreter der Versicherung die Apotheke besichtigt.

„Wir sind noch alle ganz geschockt“, sagt Mayer. Von ihrem Wohnort aus, der auf einer Anhöhe gelegen ist, habe sie das Unwetter und die Wassermassen beobachten können. „Ich habe das erst sogar noch gefilmt“, sagt sie. Und dann sei plötzlich die Flutwelle gekommen. Mit solch einer Katastrophe aber habe sie nicht gerechnet. „Natürlich haben wir auch schon mal Hochwasser, im Frühjahr etwa, wenn die Schneeschmelze ist. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Solchen Regen haben nun für die nächsten hundert Jahre genug gehabt“, sagt sie.

Sorge, dass beide Apotheken betroffen sind

Derzeit ist die Apotheke in Braunsbach geschlossen. Der Ort hat überwiegend noch keinen Strom und keine Wasserversorgung. „Wichtig ist jetzt, dass die Infrastruktur wiederaufgebaut wird“, sagt sie. Auf dem mit Geröll überhäuften Marktplatz etwa, an dem ihre Apotheke sich befindet, lägen zum Teil Kabel, die offen aus dem aufgerissenen Boden ragten. Im Moment sei es auch schwer, überhaupt in den Ort reinzukommen.

Die Kunden aus Braunsbach betreut Mayer in ihrer Hauptapotheke, der Rössler-Apotheke, weiter, die im rund zehn Kilometer entfernten Untermünkheim liegt. „Meine größte Sorge war, dass beide Apotheken betroffen sein könnten“, sagt Mayer. Das Unwetter betraf schließlich die gesamte Region und richtete auch weiter entfernt von Braunsbach Verwüstungen an. „Da sind auch einige Seitentäler im Kochertal betroffen. Im Fernsehen sieht man ja immer nur Braunsbach“, sagt sie. 

Arztpraxis sei regelrecht „abgesoffen“

Den Braunsbachern, die in ihre Apotheke in Untermünkheim kämen, sei die Sorge anzusehen – viele Häuser in dem Ort sind nicht mehr bewohnbar und die Aufräumarbeiten können sich noch eine Zeitlang hinziehen. „Ich habe noch Glück gehabt“, sagt Mayer. „Wenn die Kochertal-Apotheke meine einzige gewesen wäre, stünde ich jetzt viel schlimmer da“, sagt sie.

In Braunsbach will sie auf jeden Fall weitermachen, auch wenn sie sich Sorgen macht, was etwa mit der Arztpraxis ist, von der viele Patienten zu ihr kommen, „Die liegt ein Stück weiter und ist auch regelrecht abgesoffen“, schildert Mayer.

Man hilft sich gegenseitig

Dankbar ist sie den vielen Geschäftspartnern wie etwa ihren Großhändlern, die sich sofort gemeldet hätten und Hilfe angeboten hätten. Auch untereinander in der Region helfe man sich gegenseitig. „Das ist viel wert“, sagt Mayer. „Und nun stehen wir erstmal jeden Morgen weiter auf und tun, was eben zu tun ist“, sagt sie. Es müsse ja schließlich weitergehen.


Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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