Arztinformationssystem für neue Arzneimittel

Streit um die Ampel

Berlin - 30.05.2016, 14:15 Uhr

Apotheker als AMNOG-Schranke - oder gleich rotes Licht in der Praxis? Wie werden G-BA-Beschlüsse besser kommuniziert?  (Foto: @andrzej.m/Fotolia)

Apotheker als AMNOG-Schranke - oder gleich rotes Licht in der Praxis? Wie werden G-BA-Beschlüsse besser kommuniziert? (Foto: @andrzej.m/Fotolia)


Die Bundesregierung will ein Konzept für ein Arztinformationssystem entwickeln, das die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung übersichtlich abbildet. Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller mahnt, dass ein „Ampel“-System, wie es Kassen fordern, nicht weiterhelfen wird.

Ärzte sollen künftig schneller und einfacher Überblick über die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel erhalten. Diese Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)  sind sperrig und geben kein auf den ersten Blick klares Bild. Damit sind weder Kassen noch Hersteller zufrieden – allerdings ist der Hintergrund ein jeweils anderer und die Vorstellung, wie ein solches Info-System aussehen könnte, ebenfalls. 

So fordern die Kassen einfachere Informationen. Ihnen missfällt, dass die fraglichen Präparate allzu oft auch Patienten verordnet werden, für die das Mittel gar keinen Zusatznutzen hat. Denn oft stellt der G-BA diesen nur für bestimmte, eng umgrenzte Patientengruppen fest.  

Die Hersteller erklären hingegen, ihre Innovationen kämen oft nicht im Versorgungsalltag an. Ärzte scheuten sich, sie trotz eines Zusatznutzens zu verordnen. Zudem gebe es neben den G-BA-Beschlüssen regionale Informationen der Kassenärztlichen Vereinigungen, die teilweise miteinander im Widerspruch stünden. 

Thema im Pharmadialog 

Im Pharmadialog – an dem die Kassen nicht beteiligt waren – wurde vereinbart, dass das Bundesgesundheitsministerium „unter Hinzuziehung der Dialog-Partner“ ein Konzept für ein Arztinformationssystem entwickeln wird. Dazu heißt es im Abschlussbericht: „Der gezielte Einsatz insbesondere neuer Arzneimittel wird dadurch verbessert und Innovationen erreichen die Patientinnen und Patienten besser.  Die Therapiefreiheit der Ärztinnen und Ärzte wird gestärkt.“ 

Dass die Industrie ausdrücklich hinzugezogen werden soll, war dem Vernehmen nach ein Passus, den die Pharmaverbände noch kurz vor Schluss im Papier unterbringen konnten. Denn was zunächst positiv für die Hersteller klingen mag, kann für sie brisant werden – etwa wenn sich ein Ampel-System durchsetzt. Blinkt in der Arzt-Software „rot“ auf, weil ein Präparat keinen Zusatznutzen hat, wird dieser es kaum verordnen.

GKV-Spitzenverband: Information ohne Industrie 

Der GKV-Spitzenverband ist irritiert, dass die Pharmaindustrie in den Prozess einbezogen werden soll. Er fordert für die Arztinformation ein „industrieneutrales Wissenstransfersystem“ – vom G-BA zu Arzt und zur Krankenkasse. Ein Ampelsystem könnte hier eine einfache und sichere Orientierung bieten. Die ärztliche Entscheidung würde an die Krankenkasse übermittelt. Diese könne dann indikationsspezifisch und patientengruppengenau das Versorgungsgeschehen beobachten, analysieren sowie Ärzte und Patienten verstärkt beraten.  

BAH: Patienten verdienen mehr als Drei-Farben-Lehre

Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) hat hierfür allerdings kein Verständnis. „Allein schon aus seiner Zulassung ist ersichtlich, dass ein Arzneimittel wirkt und damit auch einen Nutzen für Patienten hat“, betont Hermann Kortland, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BAH. Das gelte unabhängig davon, ob der G-BA anschließend einen Beleg für einen Zusatznutzen anerkennt oder nicht. Zudem: Die mit dem GKV-Spitzenverband ausgehandelten Preise seien bereits wirtschaftlich. Ein Ampelsystem werde Ärzten nicht helfen und sollte ihrem Anspruch auch nicht genügen, meint man beim BAH. Die die Ampel suggeriere eine einfache, pauschale Bewertung von Therapien, die der Versorgungswirklichkeit nicht entspreche. Doch Patienten hätten mehr verdient als eine Arzneimitteltherapie nach einer Drei-Farben-Lehre, so Kortland.  


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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