Pharmacon

Ibuprofen, Diclofenac und Co. sicher anwenden

Meran - 23.05.2016, 16:00 Uhr

NSAR sind sichere Arzneimittel, wenn man unter anderem Komorbiditäten beachtet. (Foto: teamjackson / Fotolia)

NSAR sind sichere Arzneimittel, wenn man unter anderem Komorbiditäten beachtet. (Foto: teamjackson / Fotolia)


Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 2000 Menschen an den Folgen gastrointestinaler Komplikationen, verursacht durch nicht-steroidale Antirheumatika. Aber das muss nicht sein, wenn auf bestimmte Dinge geachtet wird, erklärte Prof. Dr. Dr. Achim Schmidtko auf Pharmacon in Meran.

Eine Therapie von Schmerzen ist unabdingbar, vor allem weil es durch langanhaltende Schmerzen zu plastischen Veränderungen im schmerzverarbeitenden System kommen kann, so Prof. Dr. Dr. Achim Schmidtko von der Goethe-Universität Frankfurt in seinem Vortrag auf dem Pharmacon – die Fortbildungswoche der der Bundesapothekerkammer findet diese Woche in Meran statt.

Dabei sollte differenziert werden zwischen neuropathischen Schmerzen und Entzündungsschmerzen, die sich sowohl in ihren grundlegenden pathologischen Mechanismen unterscheiden als auch in der notwendigen Therapie.

Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine direkte Schädigung schmerzverarbeitender Nerven. Sie werden nach dem Stufenschema der WHO therapiert: Nicht-Opioidanalgetika (Stufe 1), niederpotente Opioidanalgetika + Nicht-Opioidanalgetika (Stufe 2) und - Stufe 3 - hochpotente Opioidanalgetika + Nicht-Opioidanalgetika.

ck / DAZ

Professor Achim Schmidtko in Meran

Sieben Tage sind beim Gesunden nicht ulzerogen

Entzündungsschmerzen dagegen werden durch eine anhaltende Stimulation und Sensibilisierung von Nozizeptoren im entzündeten Gewebe hervorgerufen. Zur Therapie werden nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Die gefürchtete Gastrotoxizität beruht vor allem auf der Hemmung der Cyclooxygenase-1 in der Magenschleimhaut.

Dabei unterscheiden sich die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe in ihrer relativen ulzerogenen Wirkung. Geht man davon aus, dass diese ohne Therapie bei 1 liegt, so beträgt sie unter Ibuprofen 1,19, unter Diclofenac 1,73, unter Naproxen 1,83 und unter Indometacin 2,25. Beim Gesunden ist eine kurzzeitige Therapie – weniger als sieben Tage–  mit nicht-steroidalen Antirheumatika normalerweise nicht ulzerogen.

Das kardiovaskuläre Risiko ist schwer zu beurteilen

Zu den Risikofaktoren für ein NSAR-induziertes Ulkus, die unbedingt beachtet werden sollten, gehören eine zu hohe Dosis und eine Therapiedauer über drei Monate. Auch Personen über 65 Jahre sind gefährdet. Außerdem müssen Komorbiditäten wie gastrointestinale Erkrankungen (Ulkus, Colitis ulcerosa, Infektionen mit Helicobacter pylori) und die Komedikation berücksichtigt werden. Kritisch sind hier Glucocorticoide, die das Risiko um das bis zu Zehnfache erhöhten, Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer ebenso wie eine gleichzeitige Therapie mit Bisphosphonaten.

Weniger eindeutig könne man das kardiovaskuläre Risiko der NSAR beurteilen. So lässt auch eine große Metaanalyse von 31 klinischen Studien nur die Aussage zu, dass nicht nur Coxibe sondern auch die klassischen NSAR unerwünschte kardiovaskuläre Wirkungen haben, das Risiko kardiovaskulärer Effekte ist unter Naproxen wahrscheinlich am geringsten.


Dr. Carolina Kusnick (ck), Apothekerin 
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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