Barrierefreiheit in der Apotheke

ABDA hat keine Zahlen zu Umbaukosten

Berlin - 23.05.2016, 14:30 Uhr

Kosten ungewiss: Die ABDA weiß nicht, was Apotheken für Umbaumaßnahmen zur Barrierearmut ausgeben, weist aber darauf hin, dass KfW-Kredite für Apotheker heute schon möglich sind. (Foto: dpa)

Kosten ungewiss: Die ABDA weiß nicht, was Apotheken für Umbaumaßnahmen zur Barrierearmut ausgeben, weist aber darauf hin, dass KfW-Kredite für Apotheker heute schon möglich sind. (Foto: dpa)


Die Frage nach der Finanzierung von Umbaumaßnahmen in der Apotheke ist inzwischen in der Politik angekommen. CDU-Gesundheitsexperte Michael Hennrich hat sich bei der ABDA erkundigt, wie viel Apotheker im Schnitt investieren müssen, wenn sie ihre Offizin behindertengerecht umbauen. Der ABDA liegen jedoch keine Informationen dazu vor.

Eigentlich war es um das Thema „Barrierefreiheit“ in den vergangenen Monaten ruhiger geworden. 2012 hatte die Bundesregierung in der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) verankert, dass Apotheken barrierefrei zugänglich sein müssen. Anschließend war viel darüber spekuliert worden, wie diese „Soll-Regelung“ interpretiert werden müsste. Doch in den meisten Regionen haben Apotheker und Pharmazieräte Lösungen gefunden.

Aufgrund einer Pressemitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) kochte das Thema in den vergangenen Wochen aber wieder auf. Die Kassenärzte begrüßen Pläne der Bundesregierung, nach denen sie für Umbaumaßnahmen in ihren Praxen künftig vergünstigte Kredite erhalten und das diese intensiv beworben werden sollen. Bei einigen Apothekern sorgte diese Meldung für Verärgerung. Dr. Eberhard Wächter beispielsweise teilte dem Bundestagsabgeordneten seines Wahlkreises, Michael Hennrich, mit, dass er mehrere tausend Euro für eine automatische Schiebetür ausgegeben habe. Über vergünstigte Kredite hätte auch er sich gefreut.

Keine Statistiken über Auswirkungen der neuen ApBetrO auf einzelnen Apotheker

Gegenüber DAZ.online hatte Hennrich, der auch Berichterstatter für das Thema Arzneimittel in der Unionsfraktion ist, angekündigt, sich der Sache anzunehmen. Der CDU-Politiker wollte zunächst von der ABDA wissen, wie viel Apotheker denn seit 2012 für Umbaumaßnahmen ausgegeben haben. Doch die ABDA kann nicht weiterhelfen: „Statistiken darüber, in welchem Umfang Apotheken seit der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung im Jahr 2012 in Maßnahmen zum Abbau von Barrieren investiert haben, liegen uns nicht vor“, erklärte ein Sprecher.

Die ABDA hatte schon einmal darauf hingewiesen, dass sie davon ausgehe, dass die „Barriere-Regelung“ in der ApBetrO für die meisten Apotheker „kein Problem“ sei. Auf Nachfrage konkretisierte der ABDA-Sprecher nun: „Wir gehen davon aus, dass die Vorgaben zur Barrierearmut von den allermeisten Apotheken bereits seinerzeit erfüllt wurden.“

ABDA: Vergünstigte Kredite für Apotheker gibt es schon

Der Referentenentwurf des „Nationalen Aktionsplans 2.0“ sieht im Konkreten vor, dass Ärzte vergünstigte Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Anspruch nehmen können. Weiterhin sollen diese Kreditangebote beispielsweise im Internet so beworben werden, dass Ärzte sie in Suchmaschinen leichter finden.

Mit Blick auf den Nationalen Aktionsplan sieht sich die ABDA nicht ausgegrenzt: „Wenn Apotheken für Baumaßnahmen zur Schaffung von Barrierearmut eine KfW-Förderung in Anspruch nehmen wollen, können sie dies bereits heute tun, und zwar im gleichen Umfang wie Arztpraxen und andere Institutionen auch. Die Förderung ist dann in der Regel über die jeweilige Hausbank zu initiieren.“

Keine spezifischen Kredite für Apotheker

Auf Nachfrage von DAZ.online sagte eine Sprecherin der KfW-Bankengruppe, dass es weder für Apotheker noch für Baumaßnahmen zur Barrierereduzierung einen spezifischen Kredit gebe. Nur für Mieter und Vermieter als Privatpersonen gebe es Kredite und Zuschüsse für entsprechende Umbauten. Allerdings könnten Apotheker so wie jedes andere Unternehmen vom sogenannten "Unternehmerkredit" profitieren. Dort könnten Firmen aller Art für die unterschiedlichsten Projekte Kredite beantragen.

Ohnehin zielt der Referentenentwurf laut ABDA-Sprecher weniger auf neue Fördermöglichkeiten ab. Vielmehr gehe es darum, die bereits bestehenden Fördermöglichkeiten bekannter zu machen. „Dass darin ‚barrierefreie Arztpraxen‘ beispielhaft genannt werden, mag daran liegen, dass dort ein erhöhter Informationsbedarf gesehen wird.“ Offenbar schließt die ABDA auch nicht aus, dass letztlich auch Apotheker von den im Referentenentwurf genannten Kredit-Regelungen profitieren können: „Unterschiede in den tatsächlichen Fördermöglichkeiten von Praxen und Apotheken über die KFW werden dadurch nicht begründet.“


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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10 Kommentare

Eine Stufe 15000€

von Tilman La Roche am 24.05.2016 um 20:00 Uhr

Oder eine Lösung, die minderwertig und optisch unbefriedigend ist,
Ohnehin werden in Stuttgart alle Anträge abgelehnt, da auf öffentlichem Grund nicht gebaut werden darf. Das war immer schon so, das ist so und das bleibt auch so.
Grün regierte Städte sind auch nicht von behördlichem Mittelalter verschont. Aber schön, dass wir alle unsere Anträge gestellt haben und Geld für diese Behörden verteilen.
Das alles ist ärgerlich genug und dann so ein Artikel...ich fass es nicht. Wo leben diese Untätigen?!

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barrierefrei

von Florian Becker am 24.05.2016 um 17:25 Uhr

Mir völlig unverständlich, diese Reaktion!
Da kommt "die Politik" auf uns zu und "wir" wedeln nonchalant mit der Hand uns sagen kein Problem..
Das ist einfach nur fahrlässig und auch ich frage mich langsam, ob diese Reaktionen nicht vorsätzlich sind.
Was hätte es geschadet, zu sagen, dass wir zwar keine Erhebungen haben, dass ein Umbau auf Barrierefreiheit aber durchaus mehrere tausend Euro kosten kann, bei alten, denkmalgeschützten Gebäuden noch mehr und ein solcher Umbau deshalb immer eine Belastung für die Apotheken ist, zumal das Honorar ja auch nicht so toll...
Blablabla...
DAS hätte zumindest vermittelt, dass es durchaus Probleme geben KANN mit dieser Verordnung.
Die ABDA Reaktion vermittelt -wieder mal- den Eindruck, dass es kein Problem gibt.. Warum sollte die Politik also jemals den Eindruck bekommen, dass es mit dem Honorar ein Problem gibt? Ist doch alles schick und toll bei uns, wenn man die ABDA hört.

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2. totale Blamage

von gabriela aures am 24.05.2016 um 12:34 Uhr

Nach der ersten völlig vergeigten Chance zum Thema Retax (HGF Dr.S.Schmitz versank in schwarze Sprachlosigkeit) jetzt also
wieder ein absoluter Rohrkrepierer.
Man könnte fast meinen, daß ist nicht mehr nur schlichtes Unvermögen oder Desinteresse, sondern da steckt System dahinter.
Kein Wunder, daß die Apotheker eine Luft-und Lachnummer sind und bleiben.

(Und wenn ich jetzt bedenke, daß so ein Amateurverein am Rande der Dyskalkulie ein Millionenprojekt wie den neuen Palazzo Prozzo stemmen will, wird mir ganz anders. Bauträger hin oder her ).

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Kopfschüttel

von Kerstin Kemmritz am 23.05.2016 um 22:25 Uhr

Ich versteh es nicht. Wirklich nicht. Barrierefreiheit ist nicht Barrierearmut und bedeutet schon lange nicht, dass es nur um Rampen geht! Es geht genauso um Automatiktüren und an optische und akustische Hilfen möchte ich hier noch gar nicht denken!

Es reicht auch, einfach nur mal mit offenen Augen durch Berlins Straßen zu fahren. Da gibt es jede Menge Apotheken mit vielen Stufen vorder nicht automatisierten Tür. Rampe/Automatiktür verschlingen oft genug mehrere Tausend Euro. Insgesamt schlummern da immer noch viele 100 Tausende an Investitionskosten oft auch noch in fremde Gebäude ... Wie kann man das so negieren???? Wenn man keine Daten hat, dann muss man sie sich eben besorgen!

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Unübertroffen

von Reinhard Rodiger am 23.05.2016 um 16:56 Uhr

...ist die Ignoranz mit der Kosten SELBST produziert wurden OHNE vorher nach der Dimension und Machbarkeit zu fragen.

Unsere "Vertreter" sindn och weiter gesunken, wenn sie noch nicht einmal auf Nachfrage kompetent antworten können.
Oder schlimmer : zur beschleunigten Selektion nicht wollen!

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AW: Genau, das ist Selektion (und Vermögens-Vernichtung)

von Wolfgang Müller am 23.05.2016 um 17:57 Uhr

Ganz ehrlich, das mit der "Selektion" ist kaum besser darzustellen als an dem vorliegenden Beispiel. "Nur die harten komm´m in´n Garten", könnte man sagen. Der Kauf-Interessentenkreis für eine Nicht-barrierefreie Apotheke ist durch den ganzen Kram drastisch kleiner als vorher, wer will sich das ganze Hickhack inkl. elendem Bau-Geschäft, absurderweise noch nicht mal in eigener Immobilie, denn antun? Nebenbei ist die Altersversorgungs-Vernichtung durch niedrigere Preise oder Unverkäuflichkeit beträchtlich.

So gesehen, habe ich seinerzeit beim Kauf einer Nicht-barrierefreien Apotheke geradezu traumhaft im Sinne von "Selektion" profitiert! Also: Danke Danke Danke ABDA, ich nehme Alles zurück und behaupte das Gegentum .......

Die Frage bleibt: Wer sind die Schafe mit den Nicht-barrierefreien Apotheken, die sich diese ENTEIGNUNG gefallen lassen?

Nicht zu glauben .....

von Wolfgang Müller am 23.05.2016 um 16:53 Uhr

Ich kann es nur noch einmal wiederholen, und ich werde auch weiter nicht aufhören, den Finger auf genau diese Wunde zu legen. Was mir im Zusammenhang "Barrierefreiheit und Standespolitik" Mai - August 2012 passiert ist, hätte keinem Kollegen passieren dürfen. Vorher war ich der friedlichste und passivste Apotheker überhaupt, und ohne den betreffenden Sachverhalt hätte es hier und anderswo von mir ziemlich sicher keinen einzigen zornigen oppositionellen Beitrag zur Standespolitik gegeben.

Ich war wohl 2012 der erste Apotheker, der beim Kauf einer Filiale das Problem mit der "herzustellenden Barrierefreiheit" hatte. Erste Anwalts-Stellungnahmen deuteten klar in die Richtung, dass die "Soll-Regelung" aus verfassungsrechtlichen, Besitzstandswahrungs- und Güter-Abwägungs-Gründen keineswegs klar auch auf Apotheken-ÜBERNAHMEN und Bestands-Apotheken angewendet werden muss. Sondern nur auf Neubauten.

Auch die Aufsichtsbehörde in Berlin sah anlässlich dieses ersten Falles im Zuge der nun auch (auf Apotheker-eigene Initiative?) über sie gekommenen neuen ApoBetrO offensichtlich durchaus zunächst gewisse Probleme bzw. Klärungsbedarf, um in Zukunft gezielt, abgesichert und wie üblich angemessen kollegial handeln zu können. Daher bot ich meinen Fall auch dem Berliner Verband als Präzedenzfall an, um auf diesem Wege für alle weiteren Betroffenen, Käufer UND Verkäufer, eine günstige Klärung herbeizuführen. Wenigsten eine entsprechende GEGENPOSITION zu den sich mittlerweile wohl in manchen Regionen durchsetzenden aggressiven, aller-restriktivsten Regelungen auch für Bestands-Apotheken aufzubauen!

Was soll ich weiter ausführen? Was wird dann wohl passiert bzw. NICHT passiert sein? Hat irgendjemand, statt ständiger Beschönigungen, außer seinerzeit vom Kollegen Dobbert eine "lästige" Gegenposition bemerkt?

Jedenfalls habe ich jetzt eine mit hängender Zunge realisierte, fast 30 Meter lange, überhaupt nicht billige Rampe, weil sonst der Kauf am Ende noch gescheitert wäre. Die Makler liefen mit dieser Apotheke - aufgrund welcher vertraulicher Informationen auch immer - schon wieder in der Gegend herum.

Es ist nicht akzeptabel, ein weiterer Schlag direkt ins Gesicht, wenn seitens der ABDA jetzt so getan wird, als wenn "Keine Probleme" bekannt wären. Und auch die Kosten im Allgemeinen vernachlässigbar wären.

Es ist nun wie bei der "Auskömmlichen Rezeptur": DIE POLITIK kommt auf uns zu, will uns unterstützen bzw. gibt uns Gelegenheit, eine vernünftige Position aufzubauen. Aber: "WIR" WOLLEN NICHT!

Ich denke anlässlich dieses erneut nicht nachvollziehbaren Weg-Drückens wirklich für Viele relevanter Fragestellungen immer öfter: Besser Minister Gröhe übernimmt wie bei der ärztlichen KBV für ein paar Jahre auch unsere Interessen-Konflikt-beladene, Ergebnis-gleichgültige Selbstverwaltung unter strengstes Kuratel. Nur die nächsten "Wahlen" werden das nicht schnell genug ändern können, genau wie bei den Ärzten nicht. Ich stelle mich dann gerne als in diesen Dingen langjährig erfahrener Entrümplungs- und Sanierung-Berater kostenlos zur Verfügung (was ich alternativ selbstverständlich auch noch einmal, allerdings weniger zahm - wie 2012 und 2013 schon - "Der ABDA" anbiete), Und ich bin sicher, einige andere Apotheker und vor Allem Apotheken-Betriebswirte werden das gerne auch tun!

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Durchschnitt ohne Bedeutung

von Dr. Thomas Müller-Bohn am 23.05.2016 um 16:06 Uhr

Das Problem sehe ich eher in der Frage nach dem Durchschnitt oder dem Gesamtbetrag für alle Apotheker. Diese Frage führt nicht weiter. Mal geht es "nur" um eine Automatiktür, aber in einer hochwassergefährdeten Altstadt, in der alle Geschäfte seit Jahrhunderten nur über einige Treppenstufen zu erreichen sind, geht es um die Existenz der Apotheke. Die Frage sollte also lauten, in welchen Fällen es wirklich Probleme gibt. Diese Antwort hätte ich allerdings durchaus auch von der ABDA erwartet. Das wäre immerhin mehr als nur mit den Achseln zu zucken.

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Solll man noch irgendetwas dazu sagen?

von Christiane Patzelt am 23.05.2016 um 15:11 Uhr

Da greift ein Politiker schon die Position auf, dass es Förderbedarf für Apotheken geben könnte..was machen unsere feinen Herren in Nadelstreifen?..Nöö, wir wissen von nix, Geld braucht keiner, abgefragt haben wir aber auch nix und überhaupt gibt es doch KfW-Kredite..JAAAA, die gibt es aber nur für die Apotheker, die eh schon Geld haben....

Erklärt mich für bekloppt, aber diese ABDA ist eine Katastrophe mit Ansage!!! Unprofessionell und hochgradig desinteressiert, was uns InhaberInnen an Sorgen und Nöte begleitet! Echt!! Nehmt diese Leute weg!! Das ist doch nicht mehr normal!!

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AW: geht mir doch am.. vorbei

von Dieter Dosquet am 23.05.2016 um 18:01 Uhr

geht mir doch am .. vorbei, was die Kollegen da draussen zahlen müssen, für Barrierefreiheit , für Klimaanlagen, für..., wenn ich Geld brauche, fix ich die Landeskammern an, und ich brauch viel Geld, egal, ist ja nicht meins. gez . Tünnes Elfenbeinturm

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