Mukoviszidose

Inhalatives Levofloxacin gegen Pseudomonas 

19.05.2016, 17:30 Uhr

Mukoviszidose-Patienten sind routiniert in Inhalationen. (Foto: bubutu / Fotolia)

Mukoviszidose-Patienten sind routiniert in Inhalationen. (Foto: bubutu / Fotolia)


Levofloxacin steht Patienten mit Cystischer Fibrose nun auch inhalativ zur Verfügung. Das Pseudomonas-wirksame Antibiotikum ist das erste Fluorchinolon in dieser Darreichungsform. Rezidivierende oder chronische Pseudomonas-Infektionen sind eine gefürchtete Komplikation bei Mukoviszidose-Patienten. 

Patienten mit Cystischer Fibrose (CF) kämpfen häufig mit rezidivierenden Atemwegsinfektionen. Akute und chronische bakterielle Besiedlungen des Bronchopulmonaltrakts sind hauptsächlich für die erhöhte Morbidität und Mortalität verantwortlich. Pseudomonas aeruginosa (PA) zählt zu den klassischen Problemkeimen. Der angestrebten Eradikation des gramnegativen Keims von der Bronchialschleimhaut kommt ein hoher Stellenwert in der Behandlung zu: Inhalative Antibiotika sind seit Jahren fester Bestandteil bei der Behandlung von pseudomonas-positiven Mukoviszidose-Patienten. Seit April 2016 erweitert Levofloxacin nun das Spektrum der bereits etablierten pulmonal verabreichten Substanzen Tobramycin, Colistin und Aztreonam.

Bekanntes Antibiotikum mit neuem Potenzial

Levofloxacin (Tavanic®, Generika) ist ein seit den 1990er Jahren eingesetzter antibiotischer Wirkstoff. In oraler oder parenteraler Darreichungsform wird das Gruppe 3 Fluorchinolon mit guter Wirksamkeit gegen Pneumokokken und Atypiker, bei Infektionen der Harnwege, Atemwege und der Haut und Weichteile eingesetzt.

Als Inhalationslösung ist der Wirkstoff nun zugelassen zur Behandlung chronischer Pseudomonas-Infektionen bei CF-Patienten. Die Leitlinie definiert eine chronische Besiedlung mit PA, wenn bei mindestens 50 Prozent der Abstriche des letzten Jahres der Erregernachweis positiv ausfiel. Das Arzneimittel wird von dem pharmazeutischen Unternehmer Raptor Pharmaceuticals unter dem Handelsnamen Quinsair® vertrieben. 

Levofloxacin ist Tobramycin nicht unterlegen

Klinisch überzeugte der altbekannte Wirkstoff in neuer Darreichungsform in zwei randomisierten, placebokontrollierten Einzelzyklus-Studien. Die insgesamt 485 Patienten erhielten alle die inhalative Standardbehandlung mit Tobramycin in einer Dosierung von zweimal täglich 300 mg. Die Probanden der Verumgruppe zusätzlich Levofloxacin mit 240 mg, ebenfalls zweimal täglich. Einschlusskriterium war ein forciertes expiratorisches Einsekundenvolumen (FEV1) von 25 bis 85 Prozent, bezogen auf den Sollwert, und ein Körpergewicht von mindestens 30 Kilogramm. Die Antibiose wurde über 28 Tage gegeben. Primärer Endpunkt der Untersuchung war das FEV1, welches sich unter Levofloxacin signifikant verbesserte: einmal um 3,7 Prozent im Vergleich zu 1,2 Prozent unter der Standardbehandlung und einmal um 6,1 Prozent, während es sich unter Tobramycin alleine sogar 3,5 Prozent verschlechterte. 

Eine weitere, nicht-verblindete Studie (Studie 209) konnte an 330 Patienten zeigen, dass Quinsair® die FEV1 nach ein bis drei Behandlungszyklen mindestens genauso effektiv verbesserte wie Tobramycin. Diese Nichtunterlegenheitsstudie diente im März 2015 der European Medicine Agency (EMA) als Grundlage für die europaweite Zulassung des Arzneimittels.

On/Off-Regime erfolgreich

Quinsair® wird in alternierenden Zyklen angewandt: Einer Therapieeinheit von 28 Tagen mit 240 mg Levofloxacin zweimal täglich folgt ein ebenso langes therapiefreies Intervall. Der Zulassungsinhaber beschränkt die Anzahl an Wiederholungszyklen nicht. 

Die zyklische „On/Off”- Anwendung inahalativer, antipseudomonaler Antibiosen kennen Mukoviszidose-Patienten bereits. Das Aminoglykosid Tobramycin, zweimal täglich zu jeweils 300 mg, ist derzeit die Standardbehandlung bei CF-Patienten mit Pseudomonas-Besiedlung. Auch das Monobactam Aztreonam (Cayston®) folgt in der Anwendung diesem Modus. Die kurze Halbwertszeit und zeitabhängige Bakterizidie des Betalactams bedingen die dreimal tägliche Inhalation mit 75 mg.

Cystische Fibrose / Mukoviszidose

Cystische Fibrose oder Mukoviszidose ist eine autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung. Aufgrund einer Mutation im Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator (CFTR), einem Chlorid-Kanal, kommt es zu einem verringerten Auswärtstransport von Chlorid-Ionen aus der Zelle. Der dadurch entstehende Konzentrationsunterschied führt osmotisch bedingt zu zähflüssigen Sekreten. Alle exokrinen Drüsen im Körper sind von der Genmutation betroffen. Klinisch manifestiert sich die Chlorid-Transportstörung in Funktionseinschränkungen der Lunge, der Bauchspeicheldrüse, der Geschlechtsorgane, der Leber und des Dünndarms. Die Krankheit ist bislang nicht heilbar.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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