Von Schließung bedroht

Gesundheitspolitiker wollen Studien-Register retten

Stuttgart - 16.05.2016, 15:00 Uhr

Für Ärzte, Apotheker und Patienten wichtig - doch die Finanzierung des an der Uniklinik Freiburg ansässigen Studienregisters läuft demnächst aus. (Foto: AjF / Fotolia)

Für Ärzte, Apotheker und Patienten wichtig - doch die Finanzierung des an der Uniklinik Freiburg ansässigen Studienregisters läuft demnächst aus. (Foto: AjF / Fotolia)


Das Deutsche Register klinischer Studien schafft Transparenz und wird von Experten als äußerst wichtig eingestuft. Doch in Kürze läuft die Finanzierung aus. Gegenüber DAZ.online sprechen sich Politiker der CDU und Grünen für eine Rettung aus.

Als die damalige Forschungsministerin Annette Schavan vor knapp zehn Jahren die Gründung eines nationalen Registers für klinische Studien bekanntgab, sagte sie, dies stärke das Vertrauen in die klinische Forschung. „Der freie Zugang zu Informationen über Studien ist für Entscheidungen von Wissenschaftlern, Ärzten und auch von Patienten von großer Bedeutung“, schrieb das Ministerium damals. Doch nachdem das Register über zwei Zeiträume gefördert wurde, droht ihm in Kürze das Aus. Ende Juli stellt das Bundesforschungsministerium die Förderung ein.

Anders als die verschiedenen Studienregister auf internationaler Ebene bietet das Deutsche Register klinischer Studien (DRKS) die Möglichkeit, alle Studien umfassend zu erfassen – und auch auf Deutsch. Die meisten anderen Register enthalten nur klinische Prüfungen von Arzneimittel, während es beispielsweise für Medizinprodukte kaum öffentliche Register gibt.

Außerdem prüft das DKRS die von den Studienleitern übermittelten Daten nach – und übersetzt sie bei Bedarf auch ins Deutsche. So haben auch Laien die Möglichkeit, sich zu informieren. Denn das Register wird nicht nur von akademischen Forschern genutzt: Auch für die Bewertung des Nutzes von Arzneimitteln oder Therapien ist es hilfreich. Teilweise recherchieren beispielsweise auch Richter, ob für ein bisher nicht zugelassenes Arzneimittel eine Studie läuft, über die Patienten Zugang zu neuen Substanzen erhalten können.

Das Aus wäre ein herber Rückschlag

„Die Bundesregierung hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob und in welcher Weise es eine Weiterförderung geben wird“, sagt Harald Terpe, Grünen-Obmann im Gesundheitsausschuss des Bundestages, gegenüber DAZ.online. „Ich mache mir daher große Sorgen um das Register“, erklärt er. Es sei für die evidenzbasierte Medizin national und international von großer Bedeutung. „Das Aus wäre ein herber Rückschlag auch für die Gesundheitsforschung in Deutschland.“ Ohne das Register würde die Erstellung von medizinischen Leitlinien, von Patienten- und Arzneimittelinformationen deutlich erschwert, befürchtet der Grünen-Politiker.

Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Rudolf Henke bezeichnet eine Schließung des Studienregisters als Rückschritt – weshalb er immer für eine dauerhafte Finanzierung geworben habe. „Das Deutsche Register Klinischer Studien ist ein wichtiger Bestandteil der klinischen Forschungslandschaft“, sagt Henke DAZ.online.

Forschungsministerium sieht „hohen Stellenwert“

Nachdem das Bundesforschungsministerium den Aufbau des Registers seit 2007 mit rund 3,8 Millionen Euro gefördert hat, sei eine weitere Projektförderung „nicht möglich“, schreibt das Ministerium auf Anfrage. Gleichzeitig betont es dessen „hohen Stellenwert“, da es die Registrierung klinischer Studien als wichtige qualitätssichernde Maßnahme ansieht.

Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium prüfe man mögliche Nachhaltigkeitsstrategien für das Register. „Ergebnisse dieser Sondierung liegen jedoch noch nicht vor“, schreibt das Forschungsministerium.

Die Kosten für das Register von gut 450.000 Euro pro Jahr sind angesichts der Summe, die im Gesundheitswesen bewegt werden, vergleichsweise überschaubar. „Eine gute Lösung wäre nach meiner Meinung ein Staatsvertrag der Bundesländer“, sagt CDU-Politiker Henke. Die Förderung durch das Bundesforschungsministerium sei primär für den Aufbau des Registers vorgesehen gewesen. „Wenn die Länder ihre generelle Bereitschaft dazu erklären würden, müsste man nach Finanzierungsmöglichkeiten für die Zwischenzeit suchen“, sagt Henke. In diesem Punkt sei er optimistisch.

Gemeinsame Initiative zur Weiterförderung

Anders als Unions-Politiker schlägt sein Kollege von den Grünen vor, auf Bundesebene nach langfristigen Fördermöglichkeiten zu suchen. Nur so könne ausreichend Transparenz geschaffen werden, wo welche Studien zu welchem Thema laufen, erklärt Terpe. „Würde das wegfallen, wäre das auch für Forscher und für die Forschungsförderung ein Problem“, sagt er. Dann hätte niemand mehr einen Überblick darüber, ob es zum Beispiel parallele Studien gibt oder welche Themen in der Forschung vernachlässigt werden. „Ich hoffe deshalb, dass wir eine gemeinsame Initiative aus dem Bundestag zur Weiterförderung des Registers hinbekommen“, erklärt der Gesundheitspolitiker.

Doch da die Finanzierung schon in weniger als drei Monaten endet, eilt die Zeit für eine „Nachhaltigkeitsstrategie“ für das Register. Sonst würde Deutschland sein bisheriges WHO-Primärregister verlieren – und wohl auch ein Stück Vertrauen in die klinische Forschung.


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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