Austausch retaxsicher verhindern

Auf keinen Fall ein Import – geht das?

Stuttgart - 13.05.2016, 16:30 Uhr

Wochentage un fremder Sprache sind ein Grund, keinen Import abzugeben. ( Foto:   rainbow33 / Fotolia)

Wochentage un fremder Sprache sind ein Grund, keinen Import abzugeben. ( Foto: rainbow33 / Fotolia)


Import und Original werden als identisch angesehen. Auch ein Aut-idem-Kreuz mit Angabe des Herstellers oder der PZN kann einen Austausch in der Regel nicht verhindern. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass der Patient auf jeden Fall das Original erhält?

Kein Sicherheitssystem bei Fertigspritzen, die Wochentage auf einer Kalenderpackung in einer fremden Sprache – es gibt manchmal gute Gründe, lieber das Originalpräparat abzugeben als einen Import. Aber wie geht man dabei retaxsicher vor?

Denn ein Aut-idem-Kreuz kann nur sicher den Austausch zwischen Generika und dem verordneten Original bzw. verschiedener Generika untereinander verhindern. Import- und Bezugs-Arzneimittel hingegen werden als identisch angesehen. Ein mit „Aut-idem-Kreuz“ verordnetes (nicht rabattiertes) Original kann gegen einen Import ausgetauscht werden (gilt für alle Ersatzkassen, bei Regionalkassen gelten regionale Lieferverträge). Ist der Import rabattiert, muss es das sogar.

Sonderziffer oder besonderer Vermerk

Es gibt aber Möglichkeiten, den Austausch zu verhindern. Zum einen kann der Apotheker „pharmazeutische Bedenken“ geltend machen. Neben der Sonderziffer darf auf keinen Fall die schriftliche Begründung mit Datum und Unterschrift für die Nichtabgabe des Rabattartikels fehlen. Diese wird am besten in der Kundendatei vermerkt, damit bei der nächsten Verordnung dieselbe Begründung angegeben wird.

Aber auch der Arzt kann einen Austausch des Originals gegen einen rabattierten Import verhindern, indem er ein Aut-idem-Kreuz setzt und zusätzlich vermerkt, dass der Austausch aus medizinisch-therapeutischen Gründen untersagt ist.

Allerdings gilt diese Vereinbarung flächendeckend nur bei Ersatzkassen. Sie findet sich in § 4 Abs. 12 vdek-Arzneiversorgungsvertrag. Bei Regionalkassen müssen die regionalen Lieferverträge beachtet werden.

Rabattverträge haben immer Vorrang

Grundsätzlich gilt bei Verordnungen über Originale oder Importe, zu denen noch keine Generika auf dem Markt sind:

  • Rabattartikel haben immer Vorrang, auch wenn ein anderes, nicht rabattiertes Präparat mit Aut-idem-Kreuz (ohne zusätzlichen Vermerk) verordnet ist.
  • Wenn keine Rabattverträge bestehen, ist der Preisanker (Netto-VK!! Apothekenverkaufspreis minus Herstellerrabatte) zu beachten. Ansonsten hat man freie Wahl zwischen Original und Import.
  • Sind Original und Import rabattiert, hat man freie Wahl zwischen den Rabattpräparaten.

Weiter Hinweise zur Abgabe „Original versus Import“ finden sie in der Arbeitshilfe des Deutschen Apothekenportals.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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2 Kommentare

Keine "Pharmazeutischen Bedenken" bei Importen!

von Thomas Luft am 17.05.2016 um 15:32 Uhr

Sehr geehrte Frau Borsch,

leider ist es meiner Kenntnis nach so, dass die Sonder-PZN in Zusammenhang mit Faktor 6 nur bei Rabatt-Arzneimitteln, nicht jedoch bei Importen eingesetzt werden darf. Die einzige Möglichkeit bei Importen mit Sonder-PZN zu arbeiten ist bei Nichtlieferbarkeit, dann greift Faktor 3.

Spannend wird es, wenn man trotz Rabattvertrag beim Original bleibt, weil der Import nicht lieferbar ist. Denn dann bräuchte man die Kombination aus Faktor 6 und Faktor 3. Da das aber wohl nicht geht, wird nur Faktor 6 verwendet und man hat bei der Importquote das Nachsehen.

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pharmazeutische Bedenken

von Christiane Patzelt am 13.05.2016 um 17:17 Uhr

Es sollte gängige Praxis sein, pharmazeutische Bedenken zu verwenden, wenn die Adhärenz in irgendeiner Weise gefährdet ist! Nicht-compliant-Patienten kosten dem Gesundheitswesen wesentlich mehr als die Ersparnis durch Austausch das aufwiegen kann! Ich verstehe jeden Patienten, der bunt beklebte Packungen verweigert, weil er gefälschte Ware vermutet! Die Optik ist oft genug eine Zumutung...Sonderkennzeichen sind bei uns im Haus die am meist "verkaufte" PZN, w e i l wir pharmazeutisch im Sinne des Patienten m i t ihm arbeiten, nicht über ihm hinweg.
Ich wünsche uns allen mehr Mut und mehr pharmazeutische Bedenken!

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