Ebola-Impfstoff rVSV-ZEBOV

Phase-I-Studie mit vielversprechenden Ergebnissen

Stuttgart - 11.05.2016, 07:33 Uhr

NEJM: Impfstoffstudie mit rVSV-ZEBOV  gegen das Ebola-Virus erfolgreich abgeschlossen. (Bild: psdesign1/Fotolia)

NEJM: Impfstoffstudie mit rVSV-ZEBOV gegen das Ebola-Virus erfolgreich abgeschlossen. (Bild: psdesign1/Fotolia)


Eine klinische Phase-I-Prüfung des potenziellen Ebola-Impfstoffs rVSV-ZEBOV an vier Standorten in Afrika und Europa ist erfolgreich abgeschlossen worden. Die Vakzine löste eine anhaltende Bildung von Antikörpern gegen das Virus aus und erwies sich zudem als sicher. Die sechs-Monats-Ergebnisse wurden jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht. 

rVSV-ZEBOV ist ein abgeschwächtes, gentechnisch verändertes Vesikuläres Stomatitis-Virus (VSV), das ein Oberflächenprotein des Zaire Ebola-Virus (ZEBOV) trägt. Gegen dieses Protein soll das Immunsystem der Geimpften Antikörper bilden. Der Impfstoff wurde ursprünglich mit Unterstützung der Public Health Agency of Canada entwickelt und an die Genetics Corporation auslizenziert. Ende 2014, als der letzte Ebola-Ausbruch sich in seiner schwersten Phase befand, erwarb der US-Pharmakonzern Merck & Co von Genetics eine Lizenz für  rVSV-ZEBOV, um dessen Erforschung zu beschleunigen. Seitdem läuft ein breites Entwicklungsprogramm.  

Europäisch-afrikanische Kooperation

In der aktuellen Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht ist wurden die Sicherheit, Verträglichkeit und die Art der Immunantwort auf den Impfstoff unter Einschluss von insgesamt 158 gesunden Probanden an vier Standorten erprobt, und zwar in Hamburg, Genf, in Lambaréné (Gabun) und in Kilifi (Kenia), das heißt an Standorten mit und ohne Ebola-Ausbruch.

150 Probanden erhielten Verum und acht Plazebo. Die beteiligten Wissenschaftler gehören zu VEBCON, einem von der WHO gegründeten europäisch-afrikanischen Experten-Konsortium, das die rasche und koordinierte klinische Testung der Ebola-Vakzine vorantreiben soll. Die Studien in Hamburg, Lambarene und Kilifi waren unkontrollierte open-label Dosis-Eskalationsstudien und die Studie in Genf doppelblind, randomisiert und Plazebo-kontrolliert. Die Probanden erhielten Impfstoff-Dosen von 300000 bis 50 Millionen Plaque-bildenden Einheiten (PFU). 

Virusvermehrung wird kontrolliert und begrenzt

Bei allen Teilnehmern wurde das Immunsystem durch die einmalige Impfung angeregt, Antikörper zu bilden, die spezifisch gegen das Ebola-Oberflächenprotein gerichtet waren. Diese Antikörper konnten die Infektion durch das Ebola-Virus im Reagenzglas hemmen.  Es gab keine schweren Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Impfstoff. In einigen Fällen kam es kurzzeitig zu leichtem Fieber, in anderen zu Gelenkbeschwerden.

Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, wurden wie von den Wissenschaftlern erwartet, geringe Mengen an Impfviren im Blut gemessen, allerdings nur in den ersten Tagen nach der Impfung. Eine Virusvermehrung scheint demnach durch das Immunsystem kontrolliert und begrenzt zu werden, stellen die beteiligten Forscher aus Hamburg in einer Pressemitteilung fest. In Speichel und Urin konnten keine Viren nachgewiesen werden.

Nebenwirkungen moderat und wie erwartet

„Die Ergebnisse zur Verträglichkeit und Sicherheit sowie zur Immunantwort auf den Impfstoff-Kandidaten sind sehr vielversprechend“, erklärt die Infektionsmedizinerin Marylyn Addo. Sie ist am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) für das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) tätig und hat die Studie in Hamburg geleitet. Die gebildeten Antikörper gegen das Virus seien noch nach sechs Monaten nachweisbar gewesen. „Damit sollte eine einmalige Impfung nachhaltig gegen Ebola schützen können“, ist Addo überzeugt.

Auch Stephan Becker, in dessen Labor an der Philipps-Universität Marburg die Immunantwort bei allen Studienteilnehmern untersucht wurde, freut sich: „Diese Ergebnisse zeigen, dass der neue Impfstoff das Potenzial hat, in möglichen zukünftigen Ebola-Ausbrüchen eingesetzt zu werden."  Und der Tübinger Tropenmediziner und DZIF-Forscher Peter Kremsner, Leiter der Studie in Gabun, setzt hinzu: „Die Nebenwirkungen waren moderat und so, wie man es bei Lebendimpfungen erwartet hat.“

Insgesamt bewerten die Wissenschaftler das Risiko-Nutzen-Profil von rVSV-ZEBOV unisono als positiv. 

Zulassung im nächsten Jahr?

Ihre Ergebnisse fließen nun in weitere Studien ein, in denen die ermittelte optimale Impfdosis eingesetzt und vor allem bei Kindern untersucht werden soll. Diese Studien finden unter anderem in Lambaréné, Gabun, statt. In Guinea wurde der Impfstoff zudem bereits in einer größeren Cluster-randomisierten Phase III Studie an rund 3500 Kontaktpersonen von Ebola-Patienten getestet.

Zwischenergebnissen zufolge hatte rVSV-ZEBOV dort nach einer einmaligen Impfdosis eine hundertprozentige Wirksamkeit gezeigt. Alle geimpften Personen waren innerhalb von 6 bis 10 Tagen nach der Impfung gegen eine Ebola-Virus-Infektion geschützt. Die Zulassung durch die amerikanische Behörde FDA werde für Anfang 2017 angestrebt, schreibt das DZIF in seiner Mitteilung.

Quelle: 

Agnandji ST et al.. Phase 1 Trials of rVSV Ebola Vaccine in Africa and Europe. N Engl J Med. 2016 Apr 28;374(17):1647-60. doi: 10.1056/NEJMoa1502924.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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