Widerstand gegen geplante Honorarkürzungen

Eine Million Briten unterschreiben für Apotheken

London - 03.05.2016, 18:30 Uhr

Per Interseite sammelt die Petition „Unterstütze örtliche Apotheken“ Stimmen gegen die Sparpläne der Regierung. (Screenshot: DAZ.online)

Per Interseite sammelt die Petition „Unterstütze örtliche Apotheken“ Stimmen gegen die Sparpläne der Regierung. (Screenshot: DAZ.online)


In Großbritannien regt sich Widerstand gegen Sparpläne bei Apotheken. Eine Petition gegen die befürchtete Schließung von bis zu 3000 Apotheken hat bereits eine Million Unterstützer gefunden.

Laut der Tageszeitung „The Guardian“ könnte es die bisher größte Unterschriftensammlung in der britischen Geschichte werden: Bereits eine Million Menschen haben die Petition „Support your local Pharmacies“ (Unterstütze deine örtlichen Apotheken) unterzeichnet – und täglich kämen rund 30.000 dazu. Die Kampagne richtet sich gegen Pläne des Gesundheitsministeriums und des nationalen Gesundheitsdienstes (NHS), die Apothekenhonorare ab Oktober um umgerechnet rund 217 Millionen Euro zu kürzen. Das bedeutet einen Rückgang der vertraglich vereinbarten Honorare für die Arzneimittelabgabe um 6 Prozent. 

Unterschriften für Erhalt der Apotheke an Cameron

Gesundheitspolitiker und Apothekerfunktionäre sehen durch die Kürzungen bis zu 3000 Apotheken von der Schließung bedroht – das wäre jede vierte der knapp 12.000 britischen Apotheken. Besonders gefährdet seien kleine, unabhängige Apotheken, sagte Alistair Burt, Staatsminister im Gesundheitsministerium, laut BBC im Januar.

Initiiert hat die Unterschriftensammlung die National Pharmacy Association (NPA), die Interessenvertretung der unabhängigen Apotheken. Dort freut man sich über die große Resonanz. Offensichtlich habe das Gesundheitsministerium die Meinung der Bevölkerung über die Apotheker falsch eingeschätzt. „Patienten schätzen die Unterstützung, die sie in den örtlichen Apotheken von Angesicht zu Angesicht erfahren“, so der NPA-Vorsitzende Ian Strachan im Guardian. „Arzneimittel online zu bestellen oder einen Apotheker nach Terminvereinbarung in der Arztpraxis zu sprechen ist nicht ansatzweise vergleichbar mit der leicht zugänglichen Versorgung in den Apotheken“.

Die Unterschriften sollen noch in diesem Monat an Premierminister Davis Cameron übergeben werden.

 


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4 Kommentare

Ist sich die deutsche ABDA etwa zu schade ........

von Gunnar Müller, Detmold am 03.05.2016 um 18:35 Uhr

eine solche "Kampagne" in Deutschland zu initiieren?
Schaut man sich die schwindende Wertschöpfung/Wertschätzung der GKVen für die wohnortnahen Apotheken an, den brutalen Rückgang an Hauptapotheken, die rückläufigen Roherträge (was bedeuten heutzutage schon "Umsätze"), dann sollte Anlass dazu auch bei uns allemal bestehen.
Oder müssen wir vielleicht erst eine eigene "Interessenvertretung" gründen..............!?!
In Westfalen-Lippe gibt es die seit 2013: i-DAA WL !
Vielleicht denken die Kolleginnen und Kollegen anderswo ja 'mal darüber nach, eine eigene "i-DAA" ins Leben zu rufen.
Rückfragen gerne an:
idaa.wl2@gmail.com oder basisapotheker.wl@gmail.com

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Protest nur woanders?

von Reinhard Rodiger am 03.05.2016 um 12:56 Uhr

In England wird ein Viertel der Apotheken direkt entsorgt und es gibt Aufregung und Widerstand. Hier wird mehr als die Hälfte still ausgehungert und stirbt unauffällig. Und fast niemand stört das. besonders nicht unsere "Vertretung".
Die Betroffenen schweigen still. Dabei gehts hier noch viel stärker zur Sache.
Womit kann man Vertrauen und Niedrigschwelligkeit und Sicherheit und Umsicht und Risikominderung und pragmatische Hilfe sonst bekommen?
Nur, wenn nicht bezahlt wird,gibts nichts.

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Des Volkes Meinung ( Demokratie, was ist das? )

von Heiko Barz am 03.05.2016 um 12:22 Uhr

Und diese Art Missachtung der Bevölkerungsmehrheitsmeinung wird allgemein als Demokratie bezeichnet!
Auf der Billdfläche erscheinen dann die medienauffälligen Politprofis, die teilweise gar nicht direkt sondern nur mit gütiger Hilfe der Polit-Listen sich in politische Ämter geschraubt haben, und stellen dann zynisch fest, wir hätten ja eine Parlamentarische Demokratie.
Dabei werden dann Bedingungen geschaffen, die zwar keiner will, die aber nach deren Meinung zum "Wohle" der Bevölkerung durchgesetzt werden müssen.
Zu dem Thema passt auch die TTIP Diskussion. Da wird dann das Bett bereitet für einige wenige Großprofiteure und alle anderen müssen wie immer buckeln.
Merkel hat ja deutlich gemacht, für wie wichtig sie TTIP hält.

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Da zeigt sich,

von Peter am 03.05.2016 um 11:46 Uhr

dass es wohl in den meisten Ländern so ist, dass sich die Meinung von Politik und Medien und die dem Großteil der Bevölkerung zu 180° gegenüber stehen.

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