Medizinprodukte

Brustimplantate-Betrüger muss für vier Jahre ins Gefängnis

Brüssel / Stuttgart - 02.05.2016, 18:10 Uhr

Poly Implant Prothèse hatte jahrelang reißanfällige Brustimplantate geliefert. (Foto: branislavp / Fotolia)

Poly Implant Prothèse hatte jahrelang reißanfällige Brustimplantate geliefert. (Foto: branislavp / Fotolia)


Rund sechs Jahre nach dem Skandal um mangelhafte Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse wurde der Firmengründer Jean-Claude Mas zu vier Jahren Haft verurteilt. Die neue Medizinprodukteverordnung, die als Folge des Skandals unter anderem schärfere Kontrollen vorsieht, könnte demnächst verabschiedet werden.

Die inzwischen insolvente Firma Poly Implant Prothèse (PIP) hatte jahrelang reißanfällige Brustimplantate aus nicht für Medizinprodukte zugelassenem Industriesilikon geliefert. 2010 war das Ganze aufgeflogen. Die Implantate waren weltweit etwa 500.000 Frauen eingesetzt worden. In Deutschland sind mehr als 5000 Frauen betroffen.

Ein französisches Berufungsgericht hat nun die vierjährige Haftstrafe für den PIP-Gründer Jean-Claude Mas bestätigt. Das Gericht in Aix-en-Provence verurteilte ihn wegen schwerer Verbrauchertäuschung und Betrugs.

Neues EU-Medizinprodukterecht in Sicht

Der CDU-Europaabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Christdemokraten, Peter Liese, begrüßte diese Entscheidung und wies auf eine zeitnahe Verabschiedung des neuen EU-Medizinprodukterechts hin.

Die Europäische Union hatte Konsequenzen aus dem Skandal um minderwertige Silikonkissen der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) und vergleichbaren Problemen gezogen und bereits 2012 einen ersten Vorschlag für eine neue Medizinprodukteverordnung veröffentlicht. Einige der vorgeschlagenen Regelungen waren dem Christdemokraten allerdings nicht weit genug gegangen. In wesentlichen Punkten fand er aber bereits damals seine "breite Unterstützung", sagte Liese. Der Vorschlag der Kommission wurde im Europäischen Parlament und dem Ministerrat beraten und in Stellungnahme- und Beratungsverfahren diskutiert.

Aufgrund der Erfahrungen des PIP-Skandals hatte das Europäische Parlament unter anderem beschlossen, dass Produkte strenger und auch nach der Markteinführung weiter kontrolliert werden, erläutert der CDU-Gesundheitsexperte. Der Ministerrat hat sich drei Jahre lang Zeit für eine generelle Positionsfestlegung gelassen. So werden zukünftig unangekündigte Kontrollen in den Betrieben vorgeschrieben.

„Durch diese unangekündigten Kontrollen hätte der PIP-Skandal verhindert werden können. Positiver Nebeneffekt ist außerdem, dass die Firmen automatisch vorsichtiger und gewissenhafter arbeiten, wenn sie ständig mit Kontrollen rechnen müssen", sagte Liese. Der CDU-Europaabgeordnete ist davon überzeugt, dass diese neuen Regeln die Patientinnen und Patienten in Europa besser schützen. 

Betrug darf sich nicht lohnen

Betrug dürfe sich nie lohnen und müsse so gut es eben ginge erschwert werden, so Liese in einer Pressemitteilung. Dafür müssten die Regeln für Medizinprodukte wie Brustimplantate oder Herzschrittmacher im Interesse der Patienten verschärft werden. Es dürfe nicht noch einmal vorkommen, dass Patienten in Europa unter Schlamperei und kriminellen Machenschaften leiden, hieß es weiter. Liese geht davon aus, dass bis Ende diesen Monats nach fast viereinhalb Jahren Debatte eine Einigung mit den Mitgliedstaaten bei der neuen EU-Medizinprodukte-Verordnung erzielt werden kann.


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