Stiftung Warentest

Blutdruckmessgeräte im Qualitäts-Check

29.04.2016, 10:00 Uhr

Optimale Blutdruckwerte. Viele Apotheken bieten Blutdruckmessungen als Service für ihre Patienten an. (Foto: Antonio Gravante / Fotolia)

Optimale Blutdruckwerte. Viele Apotheken bieten Blutdruckmessungen als Service für ihre Patienten an. (Foto: Antonio Gravante / Fotolia)


15 Blutdruckmessgeräte, 32 Probanden, Produkte für Handgelenk und Oberarm: Stiftung Warentest hat Blutdruckmessgeräte begutachtet. Kriterien waren die eigentliche Qualität der Messung, die Störanfälligkeit und die Handhabung für den Patienten. Das Ergebnis dürfte auch für Apotheker interessant sein.

Hypertonie-Patienten nutzen in der Apotheke gern die kompetente Beratung zur Blutdruckmessung. Dabei entstehen oft Fragen zu Unterschieden in der Störanfälligkeit und Handhabung einzelner Blutdruckmessgeräte. Ähnliche Fragen hat sich auch Stiftung Warentest gestellt und sich die Produkte auf dem Markt vorgenommen. 

Zum Check kamen insgesamt 15 Blutdruckmessgeräte zu Preisen von 18 bis 103 Euro, getestet durch 32 Probanden. In das abschließende Test-Urteil wurden die eigentliche Blutdruckmessung mit einer Gewichtung von 60 Prozent, die Störanfälligkeit mit zehn Prozent und die Handhabung für den Patienten mit 30 Prozent einbezogen. Geprüft wurden sowohl Messgeräte für den Oberarm als auch  für das Handgelenk. Dabei wurde die eigentliche Blutdruckmessung in Messgenauigkeit und Reproduzierbarkeit differenziert.

Für ein „Gut” im Testurteil durfte der Wert maximal 5 mmHg von der Referenzmethode nach Riva-Rocci (RR) abweichen. Diese bestimmt den Blutdruck klassisch mit Stethoskop und Quecksilbersäule.

Die Wiederholungsfähigkeit einzelner Messungen ist assoziiert mit der Zuverlässigkeit des Messgeräts.

Die Untersucher determinieren diese mit Hilfe eines Simulators, der auf bestimmte Blutdruckwerte eingestellt wurde. Auch Faktoren wie Stürze der Geräte aus Tischhöhe oder schwacher Batteriestatus fanden unter dem Aspekt Störanfälligkeit Berücksichtigung bei der Prüfung. Im Sinne der Compliance-Förderung ist für den Anwender außerdem eine gute und einfache Handhabung wichtig, denn Blutdruckmessgeräte sind meist täglich im Einsatz. Ist das Display gut lesbar? Wie verständlich ist die Gebrauchsanweisung? Batterie-Laufzeit? Gibt es eine App?

Wer ist Testsieger?

Nur drei Messgeräte schaffen das „gut“, darunter auch zwei günstige fürs Handgelenk, meldet Stiftung Wartentest. Drei Geräte schnitten mit nur „ausreichend“ ab, zwei messen zu ungenau und das dritte, mit Online-Anbindung, überträgt Nutzername und Passwort unverschlüsselt.

Bei den Oberarm-Blutdruckmessgeräten überzeugt „Boso Medicus X” durch seine Messgenauigkeit und einfache Ein-Knopf-Bedienung. Auch die Gebrauchsanweisung sei gut konzipiert. In Messgenauigkeit vergleichbar gut ist das „Omron RS 2”-Blutdruckmessgerät für das Handgelenk. Diese biete zwar wenig Extras wie ein Ampelsystem zur Einordnung der Messwerte, sei dafür aber auch wenig störanfällig. 

Oberarm oder Handgelenk?

Ob nun eine Blutdruckmessung am Oberarm oder am Handgelenk besser ist, eine generelle Empfehlung sei laut Stiftung Warentest nicht möglich. Beide Messmethoden hätten ihre Vorteile und Störanfälligkeiten.

Problematisch könne bei Blutdruckmessgeräten für den Oberarm ein aufwendigeres Anlegen oder ein fehlerhafter Sitz der Manschette sein. Hingegen könne ein Handgelenks-Messgerät falsche Werte liefern, wenn nicht – wie gefordert – auf Höhe des Herzens gemessen wird.

Apotheke erste Anlaufstelle

Unabhängig zunächst, für welches Gerät der Hypertonie-Patient sich letztendlich entscheidet, ist eine eingehende Beratung zur korrekten Blutdruckmessung wichtig. Die Apotheke sollte hier der erste Ansprechpartner sein. In jede Beratung gehören Basics wie: Messen in Ruhe und auf Herzhöhe, während der Messung nicht sprechen. Auch bei der Auswahl der passenden Manschettengröße kann die Apotheke helfen. Die Tester informieren ihre Leser darüber einem Informationsblock.

Hypertonie ist einer der wesentlichen Risikofaktoren für das Entwickeln kardiovaskulärer Erkrankungen wie koronarer Herzkrankheit, Myokardinfarkt oder Schlaganfall. Hypertonie-Patienten profitieren von einer Senkung erhöhter Blutdruckwerte – durch Lebensstil-Modifikation und antihypertensive Arzneimittel. Die eigenständige, laufende Blutdruckkontrolle unterstützt das Selbstmanagement und die Eigenverantwortung des Patienten und schafft die Möglichkeit, bei Blutdruck-Entgleisungen frühzeitig zu intervenieren.

Blutdruck-Selbstmessung fördern

Aktuell in den Blickpunkt gerückt ist das Thema der antihypertensiven Therapie durch die im April im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse der HOPE-3-Studie. Diese untersuchte den Einfluss einer medikamentösen Blutdrucksenkung auf das Enstehen kardiovaskulärer Erkrankungen  – auch bei Patienten, die keinen Bluthochdruck als Risikofaktor aufwiesen. Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet und diskutiert HOPE-3 in der aktuellen Ausgabe. 

Quelle: Stiftung Warentest 05/2016 (88-90)


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


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