DAV WirtschaftsForum Berlin

Die positive Seite des BMWi-Gutachtens

Berlin - 27.04.2016, 17:20 Uhr

Im Bundeswirtschaftsministerium soll sich die Zukunft des Apothekerhonorars entscheiden. (Foto: Sket)

Im Bundeswirtschaftsministerium soll sich die Zukunft des Apothekerhonorars entscheiden. (Foto: Sket)


Dass das Bundeswirtschaftsministerium das Apothekenhonorar bis kurz vor der Bundestagswahl analysieren will, könnte sich für die Apotheker doch noch positiv auswirken. Denn die Regierungsfraktionen wollen ihren Vorschlag, die 3-Prozent-Marge zu deckeln, von den Analysen des BMWi abhängig machen. Hingegen könnten die angekündigten Verbesserungen bei der Rezepturvergütung schneller kommen.

Bis tief hinein ins kommende Jahr will das vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) beauftragte Beratungsunternehmen „2hM“ das Apothekenhonorar analysieren, um herauszufinden, ob beispielsweise regelmäßige Anpassungen gerechtfertigt sind. Die Apotheker reden von „Verschleppungstaktik“. Schließlich dürften so kurz vor der Bundestagswahl nur noch wirklich dringende Gesetze und Verordnungen umgesetzt werden.

Weil das BMWi mit der Analyse so lange braucht, könnte die drohende Deckelung der 3-Prozent-Marge zumindest in diesem und im nächsten Jahr vom Tisch sein. Denn Maria Michalk (CDU) und Hilde Mattheis (SPD), die beiden gesundheitspolitischen Sprecherinnen ihrer Fraktionen, wollen zunächst die Ergebnisse des Gutachtens abwarten, bevor sie sich über die 3-Prozent-Marge ein Urteil bilden. Auf einer Podiumdidkussion während des DAV Wirtschaftsforms in Berlin antwortete Mattheis die Frage, welche Höhe ein „Margendeckel“ haben solle: „Die Kappungsgrenze können wir nur auf Basis des Gutachtens festlegen. Erst danach können wir sagen, ob die Grenze kommen soll und wenn ja, in welcher Höhe.“

Höhere Vergütungsanteile für Apotheker: „Überzeugt, dass da was kommt“

Im Übrigen betonten sowohl Michalk als auch Mattheis, dass sie nicht glücklich darüber sind, dass das Apothekenhonorar nun vom Wirtschaftsministerium untersucht werde. „Ich hätte die Zuständigkeit nicht ans BMWi vergeben. In der Gesundheit gibt es viele komplexe Sachverhalte. Wir werden aber eine direkte Beteiligung an diesem Dialog einfordern“, sagte die SPD-Politikerin Mattheis.

Die Deckelung der 3-Prozent-Marge war von beiden Regierungsfraktionen in einem Positionspapier zum Pharmadialog ins Spiel gebracht worden. Beim Pharmadialog selbst war das Apothekenhonorar allerdings gar nicht auf der Tagesordnung. Warum also brachten die Regierungsfraktionen die Vergütung der Apotheker auf den Plan? „Der Dialog hat zwar einiges in Gang gebracht. Wir Parlamentarier waren aber ausgeschlossen“, sagte Mattheis. Michalk ergänzte, dass das Parlament nicht gewusst habe, was die Bundesregierung und die Pharmaindustrie gemeinsam beschließen. Deswegen habe man als „selbstbewusstes und eigenständiges“ Parlament selbst Themen entwickelt.

Dass die 3-Prozent-Marge grundsätzlich überprüft werden soll, daran wollen die Politikerinnen aber festhalten. „Wir wollen den steigenden Anteil hochpreisiger Medikamente im Kontext ‚Apotheke‘ betrachten. Es ist klar, dass Apotheker von den höheren Preisen profitieren.“ Beide Politikerinnen betonten aber nochmals, dass die Apotheker insgesamt nicht weniger verdienen dürften. Schließlich habe man sich ja auch höhere Vergütungsanteile bei den Rezepturen und der BtM-Abgabe ausgesprochen. Dass in diesen beiden Bereichen schon schneller etwas passiert, wird immer wahrscheinlicher. Mattheis sagte: „Ich bin überzeugt, dass da was kommen wird.“

Apotheke auf dem Land - ein normales Phänomen

Wie schon so oft konnte bei der Diskussion insbesondere die Linke Punkte bei den Apothekern sammeln. Kathrin Vogler, gesundheitspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, bezeichnete die Pläne zur 3-Prozent-Marge als „gesundheitspolitische Bankrotterklärung“. Die Politik schaffe es nicht, die Arzneimittelpreise als solches zu reglementieren. „Und nun sollen die Apotheker das geraderücken“, monierte die Oppositionspolitikerin.

Für eine interessante Debatte sorgte auch das Thema „Landapotheken“. CDU-Politikerin Michalk bezeichnete es als eine „wirtschaftspolitisch normale Erscheinung“, dass manche Apotheken einen höheren Umsatz hätten als andere. Der Staat dürfe nicht in das unternehmerische Handeln eingreifen. Deswegen gelte: „Die Bezahlung bleibt für alle Apotheken gleich.“ Auch in diesem Punkt pflichtete Mattheis ihrer Kollegin bei. „Wir legen in der Koalition großen Wert darauf, dass die Apotheker freiberuflich bleiben. Dann dürfen die Apotheker auf der anderen Seite dann aber nicht andauernd verlangen, dass die Politik alle Honorarprobleme löst.“

Vogler nutzte die Gelegenheit, sich erneut gegen den Versandhandel mit Arzneimitteln auszusprechen. „Wir können auf die Apotheke vor Ort einfach nicht verzichten. Ich bin keine Freundin des Versandhandels, schließlich haben die Apotheken dadurch unter Umsatzrückgängen zu leiden.“ Auch Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, stellte deutlich klar: „Wir brauchen keinen Versandhandel und keine Pick-up-Automaten. Wir Apotheker regeln das selbst.“


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

Positive Seite des BWMGutachrens ??

von Heiko Barz am 27.04.2016 um 18:04 Uhr

Wie, was höre ( lese) ich? Wovon reden die beiden Mattheis und Michalk? Größten Wert würden sie auf die Freiberuflichkeit des Deutschen Apothekers legen. - Eine äußerst banale Aussage - wie der sicherer Stand eines Pfeilers im Moor. Der Apotheker sollte aber nicht andauernd verlangen, dass die Politik Apothekers Honorarprobleme löst.
Wissen die Beiden eigentlich, was sich seit 2004 auf jenem Honorarsektor getan hat und wem die Apotheker dieses Dilemma zu verdanken haben? Ist dieses absurde System nicht eine reine politische Diktion?
Mein Gott, haben die ein koalitionspolitisch bedingtes Kurzzeitgedächtnis.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Moor ...

von gabriela aures am 27.04.2016 um 22:56 Uhr

...trifft es genau. Davon hat es ja im Spreewald, dem Gebiet der Sorben, genug.
Und das ist das eigentliche und ursprüngliche Spezial- und Fachgebiet von Frau Michalk, die zur Gesundheit kam wie Maria zum Kinde.

AW: Frau Gabriela Aures

von Heiko Barz am 28.04.2016 um 10:31 Uhr

Spans Interesse an der diffusen Gesundheitspolitik verblasste merklich beim Aufstieg ins Finanzministerium. Das entstandene Vakuum füllte nun Frau Michalk, die mit ihrer Koalitionskollegin Frau Mattheis sehr demonstrativ und aktionsgeladen auf pharmazeutische Fragen profunde Antworten bereitstellte.
Und wer folgt den Beiden nach 2017, wenn sie es dann bis dahin zeitlich durchhalten??

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