Mitgliederbefragung in Nordrhein

Bürokratie und Retaxationen als Störfaktoren

Berlin - 21.04.2016, 16:46 Uhr

Apotheker wollen gerne freie Heilberufler sein - und nicht mit Bürokratie überschüttet werden. (Foto: Schelbert)

Apotheker wollen gerne freie Heilberufler sein - und nicht mit Bürokratie überschüttet werden. (Foto: Schelbert)


Die Apotheker in Nordrhein haben vor allem einen Wunsch: Sie wollen ihren freien Heilberuf auch künftig unabhängig ausüben. Allerdings sehen sie sich hierin durch vieles behindert – vor allem durch Bürokratie.

Das klare Bekenntnis zum freien Heilberuf ist ein zentrales Ergebnis der aktuellen Mitgliederbefragung des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. (AVNR) zur „Bedeutung und Zukunft des Apotheker und der öffentlichen Apotheke“. 96 Prozent der Teilnehmer stimmten der Aussage zu „Ich möchte den freien Heilberuf „Apotheker/in“ auch künftig unabhängig in meiner eigenen Apotheke ausüben“.

Versandhandel – für viele ein Ärgernis

Gefragt wurden die Teilnehmer auch, wer oder was die eigentliche Zielsetzung und Aufgabenstellung der Berufsausübung behindere. Hier nannten 99 Prozent die Bürokratie. An zweiter Stelle im Ranking der größten Hindernisse stehen die Retaxationen der Krankenkassen (96 Prozent), gefolgt von der Umsetzung der Rabattverträge (92 Prozent). Auch die Konkurrenz durch den Versandhandel und den Preiswettbewerb der Apotheker untereinander nannten jeweils 77 Prozent.

Dazu passt, dass sich 96 Prozent der Befragten dafür aussprachen, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln wieder einzuschränken. Sogar 89 Prozent der befragten Mitglieder sind „voll“ oder „eher“ der Meinung, dass auch der Versandhandel mit OTC-Arzneimitteln eingeschränkt werden soll – was europarechtlich allerdings nicht durchsetzbar wäre.

Die Befragung zeigt ferner, dass die Apotheker künftig weitere Leistungen nicht mehr umsonst übernehmen wollen. Dies ließen die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht zu, erklärten 97 Prozent.

Dauerbrenner Personalmangel

Auch zum Thema Personal wurden die AVNR-Mitglieder befragt. Dabei bekundete fast jede Apotheke Nachwuchsmangel. Rund 90 Prozent der Befragten gaben an, dass es zunehmend schwerer fällt, approbiertes Personal zu finden. Kaum weniger beklagen dies auch für PTA. Knapp die Hälfte hat auch Probleme, PKA zu finden.

Offen zeigten sich die Befragten zum Thema Zusammenarbeit mit Ärzten. Bezogen auf das Medikationsmanagement erklärten 97 Prozent, um Unsicherheiten und Gefahren der Arzneimitteltherapie vorzubeugen, sollten die beiden Heilberufe noch besser zusammenarbeiten.

Bedeutung der Apotheke wächst

Die meisten Umfrageteilnehmer meinen, dass Apotheken in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. 95 Prozent sehen die älter werdende Gesellschaft als Grund. 81 Prozent erwarten, dass die Bedeutung des Apothekers auch als letzte Prüf- und Beratungsinstanz wachsen wird.

Die Mitgliederbefragung wurde im Februar und März vom Institut für Handelsforschung, Köln, durchgeführt. 715 AVNR-Mitglieder beteiligen sich – damit konnte der Verband über 40 Prozent seiner Mitglieder erreichen. Der AVNR-Vorsitzende Thomas Preis freut sich über die hohe Beteiligung „und ganz besonders darüber, dass die große Mehrheit (75 Prozent) mit dem Apothekerverband Nordrhein zufrieden ist“. Die Ergebnisse der Befragung sollen nun auch als Anhaltspunkte dienen, um die Leistungen und die Interessenwahrnehmung im Interesse der Mitglieder weiterzuentwickeln. 


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