Megadeal mit Medivation

AstraZeneca will angeblich US-Hersteller von Krebsmitteln übernehmen

San Francisco - 18.04.2016, 12:28 Uhr

Offiziell zeigen sich beide Konzerne noch zugeknöpft: AstraZeneca interessiert sich für die US-Firma Medivation. (Screenshot: DAZ.online)

Offiziell zeigen sich beide Konzerne noch zugeknöpft: AstraZeneca interessiert sich für die US-Firma Medivation. (Screenshot: DAZ.online)


In der Pharmabranche bahnt sich möglicherweise eine weitere Großübernahme an. Die britische AstraZeneca habe Gespräche über ein Gebot für den auf Krebsmedikamente spezialisierten US-Konzern Medivation geführt, berichtete die Zeitung Sunday Times. Eine formelle Offerte stünde aber noch aus.

Medivation mit Hauptsitz in San Francisco hat einen Börsenwert von 8,4 Milliarden Dollar und steht offenbar bereits seit einiger Zeit auf der Liste potenzieller Käufer. Jetzt interessiert sich offenbar der britische Konzern AstraZeneca – doch das Pharmaunternehmen ist nicht der erste Interessent: So hat Medivation vor nicht einmal einer Woche angeblich ein Übernahmeangebot des französischen Pharmakonzerns Sanofi ausgeschlagen. Nach Medienberichten hat das Medivation-Management Investmentbanker von JPMorgan Chase angeheuert, um Sanofis Übernahmeversuch abzuwehren.

Xtandi – ein potenzieller Blockbuster

AstraZeneca-Chef Pascal Soriot sagte vor einigen Wochen, er sei interessiert an Deals, die schnell über die Bühne gingen. Sowohl AstraZeneca als auch Sanofi könnten mit einer Übernahme kritischen Stimmen aus den Reihen ihrer Anteilseigner begegnen. So hat Medivation erst kürzlich das Krebsmittel Xtandi auf den Markt gebracht, einen möglichen Blockbuster.

Nach Schätzungen der Statistiker von Evaluate Pharma könnten die Umsätze von Xtandi dieses Jahr 1,87 Milliarden Dollar erreichen und bis 2020 auf 4,78 Milliarden Dollar steigen. Auch wenn Medivation die Erlöse mit seinem Marketingpartner Astellas teilen muss, könnte ein Käufer seinen Umsatz damit unmittelbar deutlich steigern. 

Mehrere Arzneimittelkandidaten

Darüber hinaus verfügt Medivation über eine Reihe von Arzneimittelkandidaten in der späten Entwicklung, darunter Produkte gegen Blasenkrebs und multiples Myelom. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben ein Portfolio von vier bis sechs Produktkandidaten aufbauen, die innerhalb von zwölf bis 18 Monaten in die klinische Erprobung gehen sollen.  

Die Aktie von Medivation hat seit Februar um rund 88 Prozent auf aktuell 47,80 Euro zugelegt, nachdem das Papier zuvor im Zusammenhang mit der US-Diskussion um hohe Arzneimittelpreise stark eingebrochen war. Die Aktie von AstraZeneca befindet sich dagegen seit Ende vergangenen Jahres in einem Abwärtstrend und hat etwa 20 Prozent ihres Wertes verloren. 

Jahr der Megadeals

In der Pharmabranche gibt es seit geraumer Zeit einen Trend zu Großfusionen und Übernahmen. 2015 war ein Jahr der Megadeals – heißt es in Studien der Beratungsunternehmen KPMG und PwC. So summierte sich das Volumen der abgeschlossenen Übernahmen und Fusionen laut KPMG im vergangenen Jahr auf 298 Milliarden Dollar. Die mit Abstand größte Übernahme hatte Branchenprimus Pfizer geplant. Der US-Konzern wollte für 160 Milliarden Dollar die irische Firma Allergan übernehmen, sagte dieses Vorhaben aber wegen veränderter Steuergesetze kürzlich ab. 


ts / DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Milliarden-Poker um Medivation

Sanofi lässt nicht locker

AstraZeneca will US-Onkologie-Firma übernehmen

Megadeal mit Medivation

„Wir verstehen nicht, warum Sie nicht antworten“

Sanofi mit feindlichem Milliarden-Angebot für Medivation

Sanofi will Medivation kaufen – notfalls auch feindlich

„Wir verstehen das nicht“

Milliardär will bei Ratiopharm-Mutter einsteigen

Möglicher Teva-Investor

Gute Zahlen für 2015 – OTC und Generika werden aufgegeben – neuer Vorsitzender kommt

Boehringer stellt sich neu auf

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.