DAZ. Wochenschau

Locabiosol verliert die Zulassung, na und?

Stuttgart - 16.04.2016, 08:00 Uhr

Locabiosol: Entsteht wirklich ein Loch in der Arzneimittelversorgung? (Foto: Fotolia / nikkytok)

Locabiosol: Entsteht wirklich ein Loch in der Arzneimittelversorgung? (Foto: Fotolia / nikkytok)


Locabiosol wird Ende Mai aus den Apotheken verschwinden. Die Zulassung wird widerrufen, die EMA war vom Nutzen-Risikoverhältnis nicht überzeugt. Aber ist das wirklich ein Verlust für die Therapie? DAZ.online Redakteurin und Apothekerin Celine Müller hat sich so ihre Gedanken gemacht.

Trotz der durchaus optimistisch-anmutenden Bewerbung als „natürlichen Wirkstoff Fusafungin“ seitens der STADA Arzneimittel AG kam der Risikobewertungsausschuss im Bereich Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) Ende März zu einer negativen Nutzen-Risiko-Bewertung für eben diesen Wirkstoff. Am 28. Mai 2016 soll, mit der letzten Packung des apothekenpflichtigen Arzneimittels Locabiosol®, Fusafungin endgültig die Apotheke verlassen.

Patienten fürchten Versorgungslücke

„Dann nehme ich gleich zwei!“, erklärte ein überzeugter Anwender des Präparats mit leichter Tendenz zu „Hamsterkäufen“. Er war besorgt ob der bevorstehenden Versorgungslücke diese Woche in der Apotheke, nachdem ich ihn über das bevorstehende Erlöschen der Zulassung zum Ende des kommenden Monats aufgeklärt hatte:  Ein weiser Mann, vorausschauend. Denn, der nächste Winter kommt bestimmt, vielleicht wieder ohne Schnee, dafür mit Sicherheit verbunden und meist einfach unvermeidbar, mit lästigem, schmerzhaftem Kratzen im Hals - medizinisch korrekt als Pharyngitis bezeichnet. 

Hamsterkäufe unterstützen?

Mich plagen Gewissensbisse: Ist es vertretbar, derartige – zugegeben überschaubare – „Hamsterkäufe“  zu unterstützen? Die Zulassung des Arzneimittels wird ja nicht grundlos im Mai gelöscht! „Serious allergic reactions are rare“, so begründet der PRAC seine Empfehlung am 1.04.2016. Selten also nur - das klingt beruhigend – insbesondere  vor dem Hintergrund, dass der Halsschmerzgeplagte wohl bereits gute, verträgliche Erfahrungen mit dem Arzneimittel hat.

Fehlt was ohne Fusafungin?

Bleibt also die Frage, ob der Verlust Fusafungin-haltiger Arzneimittel wirklich auch ein Verlust für die Therapiequalität der Patienten ist. Mit einer hohen Spontanheilungsrate innerhalb von dreieinhalb bis fünf Tagen sind Halsschmerzen in den meisten Fällen bekanntlich ohnehin selbstlimitierend, 80 bis 90 Prozent der Patienten sind innerhalb einer Woche  beschwerdefrei. Trotzdem führt der im ersten Moment hohe Leidensdruck betroffene Patienten häufig in die Apotheke. Zum Glück ist es ja nicht so, dass ohne Locabiosol®, die Möglichkeiten der Selbstmedikation in der Apotheke nahezu erschöpft und die Schubladen alternativlos leer wären.

Was empfiehlt die Leitlinie?

Therapiert man nach Leitlinie, ändert sich durch den Wegfall von Fusafungin nichts: Die DEGAM spricht sich eindeutig für eine systemische Therapie mit NSAR oder Paracetamol als Therapie bei Halsschmerzen aus.

Für eine lokale Anwendung  gibt es nur für Ambroxol eine Empfehlung. Antiseptischen oder lokalantibiotischen Präparaten hingegen konnte in kontrollierten, randomisierten Studien kein erwiesener Nutzen attestiert werden konnte. Somit war und bleibt – mit oder ohne Fusafungin – die Effektivität der antibiotischen Lokaltherapie bei Halsschmerzen umstritten. Ein pharmazeutischer Spagat, um sowohl dem Leidensdruck der Patienten mit verständlichem Wunsch nach Linderung und der medizinisch-wissenschaftlichen Evidenz gerecht zu werden.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


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2 Kommentare

Locabiosol hilft auch bei Husten

von Tom Hofmann am 01.09.2017 um 20:01 Uhr

Hilft auch bei komisch-trockenen aber lästigen Hustenreiz ( keine Erkältung )
Blöd nur dass mein Locabiosol seit 2 Jahren das Verfallsdatum überschritten hat
Das Zeugs hilft schon . Weiss wer, ob das in CH oder F gekauft werden kann

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Wie...

von Bernd Jas am 16.04.2016 um 10:27 Uhr

"- Paracetamol als Therapie bei Halsschmerzen -" ?

Kürzlich hieß es noch:
" In drei Studien wurde die Effektivität von Paracetamol vs. Placebo bei Schmerzen im unteren Rücken untersucht. In ihnen konnte... Paracetamol bei Schmerzen im unteren Rücken und bei Osteoarthritis keinen klinisch relevanten Effekt hat."

Gut, Hals ist nicht Rücken, aber in beiden Fällen Steht ja wohl (neben der analgetischen -) die antphlogistische Wirkung im Vordergrund.
Traue also keiner Studie die du selbst......

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