Schiedsstelle

Retax-Lösung verschoben

Berlin - 11.04.2016, 18:10 Uhr

Das war wohl nichts: Der Vorschlag von Schiedsstellenvorsitzendem Rainer Hess hat nicht zu einer Einigung geführt. (Foto: dpa)

Das war wohl nichts: Der Vorschlag von Schiedsstellenvorsitzendem Rainer Hess hat nicht zu einer Einigung geführt. (Foto: dpa)


Erneut haben sich Apotheker und Krankenkassen in Sachen Retaxationen wegen Formfehlern nicht auf einen Kompromiss einigen können. Ein von der Schiedsstelle vorgelegter Lösungsvorschlag habe nicht zu mehr Klarheit geführt, erfuhr DAZ.online nach dem Treffen am Montag aus Teilnehmerkreisen.

Der Streit zwischen dem Deutschen Apothekerverband (DAV) und dem GKV-Spitzenverband findet kein Ende: Nachdem die Schiedsstelle um den unparteiischen Vorsitzenden Dr. Rainer Hess in der vergangenen Woche einen Lösungsvorschlag unterbreitet hatte, ist auch die Sitzung am 11. April wieder ergebnislos geendet.

Nach Informationen von DAZ.online hat das rund fünfstündige Treffen nur eine konkrete Vereinbarung gebracht: Ein neuer Gesprächstermin. In der zweiten Maihälfte wollen sich Apotheker und Kassen nochmals zusammensetzen.

Dem Vernehmen nach haben beide Seiten ihre Probleme mit Hess’ Vorschlag zum Ausdruck gebracht. Beide Lager wollten die Sitzung nicht inhaltlich kommentieren. Hess soll sowohl Apotheker als auch Kassen gebeten haben, ein Entgegenkommen bei den wichtigsten Streitpunkten bis zum nächsten Termin zu prüfen.

Somit ist nun die insgesamt dritte Sitzung im Schiedsverfahren zu Ende gegangen. Sowohl die Apotheker als auch die Krankenkassen sind mit jeweils fünf Vertretern in den Gesprächen präsent. Der Schiedsstelle gehören neben Hess zwei weitere Unabhängige an. Wenn Hess einen Kompromiss durchsetzen möchte, müsste er die Kassen und die Apotheker ins Boot holen. Da beide Seiten nun erneut keine Einigung erzielen konnten, wird ein Schiedsspruch, bei dem letztlich der Vorsitzende das Zünglein an der Waage ist, wahrscheinlicher.

Das Thema beschäftigt die Branche nun schon seit Jahren: Angefangen hatten die Diskussionen mit dem Rahmenvertrag zwischen DAV und dem GKV-Spitzenverband. Der DAV bestand darauf, dass dort ein bundesweites Verbot für Null-Retaxationen aufgrund von Formfehlern eingebaut wird. Die Kassen protestierten. Schließlich hatte der Gesetzgeber die Verhandlungspartner mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz gezwungen, bis zum 1. Januar 2016 eine einvernehmliche Lösung zu finden. Wenn diese ausbleibt, sollte die Schiedsstelle entscheiden.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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5 Kommentare

Keine Einigung??

von Dr.Diefenbach am 12.04.2016 um 9:50 Uhr

Ich frage mich ,in was für einem perversen System wir leben.Bei 10000 mal x neuen Personen werden über Nacht alle logischen Logiken eben mal über Bord geworfen,bei einer Sache die eigentlich in zehn Minuten klärbar sein sollte....,mauern offenbar einige Teilnehmer aus Irrsinnsgründen.Ist denn jeder vernünftige Verstand abhanden gekommen?Gibt es Partnerschaft!!!nicht mehr?Dann:Herr Becker,hart bleiben!!!!-Wir werden diese Härte nämlich noch brauchen,wenn man uns auch an anderer Stelle wieder finanziell kaserniert!!!Die Unterstützung der Basis ist DA!

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Retax

von Dr. radman am 12.04.2016 um 9:25 Uhr

So geht es nicht!... Herr Hess.

Hinhaltetaktik Taktik ist doch eindeutig. Sie möchten bitte jetzt der kranken Kassen mitteilen, dass eine Einigung; wie auch immer aussieht, rückwirkend ab 01.01.2016 gelten wird.

So wollte wollte auch der Gesetzgeber.

DAV.. Bitte standhaft bleiben..

Danke!!!

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Hess- Mediation

von Heiko Barz am 11.04.2016 um 20:50 Uhr

Hinhaltetaktik der KKassen solange wie möglich, in diesem System wird auch weiterhin ungeniert abgezockt. Es hat sich mittlerweile eine fast unüberwindliche "Rezeptprüffirmenwand" vor uns aufgebaut, entstanden durch impertinente Willkür der KKassen.
Was würde dann aus diesen Firmen werden, wenn man Retax abgaschaft hätte, oder zumindest so funktionieren ließe wie vor 20 Jahren.
Aber Ich spüre jetzt schon die politische Vibration : Ja aber die Arbeitsplätze!!
Gab es eigentlich Jemanden, der einen Erfolg erwartete?

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AW: Willkür mit Millionen€-Gewinn-Garantie

von gabriela aures am 11.04.2016 um 22:13 Uhr

Arbeitsplätze sind doch Pillepalle.

Da fahren die Krakas elegant das Quartals-Geschütz des "drohenden Milliarden-Lochs" auf und alles geht in Hab-Acht-Stellung, denn nur wenig ist unliebsamer, gefürchteter und undankbarer ( und verlogener) als die politische Aufgabenstellung "Wie retten wir unsere Krankenversicherung noch über diese Legislaturperiode ?".

Mal ehrlich : ob der Arzt Rainer, Hartmut, Jens-Torben heißt oder nach Geschlechtsangleichung lieber mit "Nadine" angesprochen werden möchte, ist doch für die Patientensicherheit völlig egal.
Mittwochs und Freitags ab 12.00 Uhr, täglich über Mittag und am Wochenende können wir in der Regel eine höflich bis verzweifelte Ansage auf dem Praxisband hinterlassen, aber im Zweifelsfall keine Tabletten rausgeben.

Hoffentlich bleiben die Verhandlungspartner auf Seiten des DAV standhaft, haben aus den bitteren Erfahrungen gelernt, halten selbst das kleinste, scheinbar klare und offensichtliche Komma schriftlich fest !! und gehen keine Kompromisse mehr ein, die den Apotheken durch die ausgesprochen kreative Interpretation der Kassen - regelmäßig u.a. unterstützt von diversen Gerichten - ebenso regelmäßig um die Ohren fliegen !

Mein lieber Scholli...

von Christiane Patzelt am 11.04.2016 um 19:38 Uhr

Fritz Becker, bitte hart bleiben - Sie kämpfen nicht nur für unser Geld, Sie kämpfen für das, was ein Berufsstand nie mit sich machen lassen sollte: willkürliche Entlohnung.
Und wenn der nächste Termin nicht nach Ihrem Sinn verläuft, weiterkämpfen - wenn Sie Streikende brauchen, hier in Brandenburg wäre man soweit!! You never walk alone!!

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