Sachsen-Anhalt

265.000 Rezepturarzneimittel zulasten der GKV

Magdeburg - 11.04.2016, 10:20 Uhr

Salben und Cremes machen eine großen Teil der Rezepturen in der Apotheke aus. (Foto: ABDA)

Salben und Cremes machen eine großen Teil der Rezepturen in der Apotheke aus. (Foto: ABDA)


Die 607 öffentlichen Apotheken in Sachsen-Anhalt haben vergangenes Jahr rund 265.000 Rezepturen für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hergestellt. Der Großteil waren Rezepturen, die jede Apotheke herstellen kann, wie Kapseln oder Salben.

Laut einer Auswertung von Verordnungen durch das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut e.V. (DAPI) haben die sachsen-anhaltinischen Apotheken im vergangenen Jahr 265.000 Rezepturarzneimittel allein zulasten der GKV hergestellt. Das teilt der Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt mit. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Überbrückung von Versorgungslücken bei Fertigarzneimitteln.

Etwa 164.000 der maßgefertigten Medikamente für gesetzlich Versicherte entfielen 2015 auf so genannte allgemeine Rezepturen, wie Kapseln oder Salben. Davon abgegrenzt werden so genannte Spezialrezepturen, zum Beispiel für die Heroinersatz- oder Krebstherapie sowie die parenterale Ernährung, die nicht in allen Apotheken hergestellt werden. 

Insgesamt liege die Zahl der Rezepturen sogar noch deutlich höher, weil Zubereitungen  für Privatversicherte oder auf direkte Nachfrage des Patienten gar nicht erfasst würden, erklärt der Vorsitzende des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt Mathias Arnold. In seinen Augen zeigt dies, dass Rezepturarzneimittel eine notwendige Ergänzung zu industriell hergestellten Arzneimitteln sind und bleiben werden. In vielen Fällen seien sie unersetzlich, zum Beispiel wenn ein Kind ein Medikament in einer Dosis braucht, für die es kein industriell hergestelltes Arzneimittel gibt, so Arnold weiter. 

Beratung muss auch bei Rezepturen vergütet werden

Vergütet werden der Einkauf der Grundstoffe und die Herstellung des Medikamentes. Anders als bei Fertigarzneimitteln gibt es aber keine Gebühr für Beratung und Abgabe der individuellen Arznei. Das ist für Arnold nicht nachvollziehbar. Denn gerade Rezepturarzneimittel erforderten oft eine besonders intensive Beratung. Rezepturen sollen hinsichtlich des Beratungsaufwandes den Fertigarzneimitteln gleich gestellt werden, fordert er.

Bundesweit haben die öffentlichen Apotheken laut DAPI im Jahr 2015 übrigens 7,2 Millionen allgemeine Rezepturen hergestellt, im Jahr zuvor waren es 7,5 Millionen.


LAV / DAZ.online 
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Und das Elend nimmt kein Ende ....

von Wolfgang Müller am 11.04.2016 um 11:47 Uhr

7, 2 Millionen Rezepturen bundesweit 2015. Und da sind "Wir" dann noch stolz drauf ...... Das heißt mal locker 7.200.000 x 100 verschenkte Euro pro Jahr, SEHR vorsichtig kalkuliert im Vergleich mit sonst in Europa und Amerika üblichen Honoraren. Das sind dann eben 720.000.000 Euro, die uns fehlen. Siebenhundertzwanzig Millionen, eher DAS DOPPELTE.

Wenn die Rezepturen eben wirklich so wichtig sind, wie z. B. Kollege Arnold sagt (und in sehr vielen Fällen ist das tatsächlich so), dann würden wir das Geld auch definitiv vom System bekommen. "Wir" müssten uns bloß zu wollen trauen.

Und in diesem Zusammenhang ist die bescheuertste Milchmädchenrechnung (die der eine oder andere bestimmt trotrzdem gerade wieder im Hinterköpfchen wälzt) "dass das ja mit vorhandenem Personal nebenbei" gemacht wird, und so auch etwas zum Einkommen beitrüge ............ und "dass viele Rezepturen ja wegfallen, wenn wir sie nicht mehr verschenken". Darüber bitte alle nochmal mit eingeschaltetem Kaufmann nachdenken.

Und schlaue Apotheker bitte dann NIE MEHR nur noch das "Beratungshonorar" als Vergütungssteigerung für Rezepturen fordern. Das sind so die RICHTIG dummen Dinge, mit denen Schluss sein muss. Da ist der Pfeifer´sche Notdienst-Ärztedispensier-Vorschlag nicht ein Zehntel so "blöd".

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