Schmerzen durch Arthrose

Paracetamol nicht wirksamer als Placebo

08.04.2016, 07:30 Uhr

Paracetamol ist ein vergleichsweise schwacher Hemmer des Enzyms Cyclooxygenase 2 (COX-2), das für die Synthese entzündungsfördernder Prostaglandine verantwortlich ist. (Foto: stockdevil / Fotolia)

Paracetamol ist ein vergleichsweise schwacher Hemmer des Enzyms Cyclooxygenase 2 (COX-2), das für die Synthese entzündungsfördernder Prostaglandine verantwortlich ist. (Foto: stockdevil / Fotolia)


Wegen seiner wenig ausgeprägten gastrointestinalen Nebenwirkungen ist Paracetamol beliebt bei Patienten mit Schmerzschüben, so auch zur Therapie von degenerativen Gelenkerkrankungen. Eine Metaanalyse zerstört jetzt die Illusion vom idealen Schmerzmittel bei Arthrose. 

Bei der Behandlung von Arthrose stehen die Verminderung von Schmerzen und die Erhaltung und Verbesserung der Gelenkfunktion im Vordergrund. Bewegungsübungen, physikalische Maßnahmen und die Gabe von Analgetika sind derzeit die wichtigsten Therapiebausteine. Eine Netzwerk-Metaanalyse untersuchte die Wirksamkeit von Paracetamol und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), darunter Diclofenac, Ibuprofen und Coxibe, zur Linderung von Schmerzen bei Arthrose. Insgesamt gingen 74 randomisierte Studien mit den Daten von 58.556 Patienten in die Auswertung ein. Die Qualität der eingeschlossenen Studien war insgesamt als hoch zu bewerten.

Diclofenac top bei Arthrose

Bei Patienten, die „nur“ unter Arthrose leiden, besteht bei Gabe von Diclofenac 150 mg/Tag, Etoricoxib 60 mg/Tag und Rofecoxib 25 mg/Tag eine hundertprozentige Wahrscheinlichkeit, eine klinisch relevante Schmerzreduktion zu erreichen. Die Anwendung von Diclofenac 150 mg/Tag und Rofecoxib 25 mg/Tag verbesserte zudem die Bewegungseinschränkung unter Arthrose signifikant.

Flop bei Arthrose

Für Paracetamol bis zu 4000 mg/Tag, Diclofenac 70 mg/Tag, Naproxen 750 mg/Tag und Ibuprofen 1200 mg/Tag ergab sich keine statistische Evidenz für eine Schmerzlinderung. Mit 4000 mg Paracetamol pro Tag wurde bereits die höchstzulässige Dosierung betrachtet. Eine weitere Dosissteigerung birgt die Gefahr von Leberschäden. Auch mit Blick auf eine Verbesserung der Bewegungseinschränkung zeigte Paracetamol keinen Nutzen.

Ergebnis pharmakologisch vorhersehbar

Für Prof. Dr. Burkhard Hinz von der Universität Rostock kommen die Ergebnisse der aktuellen Netzwerk-Analyse keinesfalls überraschend. Paracetamol ist ein vergleichsweise schwacher Hemmer des Enzyms Cyclooxygenase 2 (COX-2), das für die Synthese entzündungsfördernder Prostaglandine verantwortlich ist. So lässt sich nach Gabe von 1 g Paracetamol die für eine analgetische Wirkung notwendige achtzigprozentige COX-2-Hemmung nur zum Zeitpunkt der maximalen Plasmakonzentration nachweisen [2].

Anders Diclofenac: Nach ca. einwöchiger Gabe (2 × 75 mg/Tag) ruft die Substanz eine größer als neunzigprozentige COX-2-Hemmung über das gesamte Dosierungsintervall hervor, was die gute analgetische Wirksamkeit erklärt. Demgegenüber stehen gastrointestinale und kardiovaskuläre Nebenwirkungen der NSAR, sodass sich diese im Fall der Arthrose nur zur symptomatischen Behandlung akuter Schübe eignen, nicht aber zur Dauermedikation. 

Quellen

- da Costa BR et al. Effectiveness of non-steroidal anti-inflammatory drugs for the treatment of pain in knee and hip osteoarthritis: a network meta-analysis. Lancet, published online 17. März 2016, doi: 10.1016/S0140-6736(16)30002-2
- Hinz B et al. Acetaminophen (paracetamol) is a selective cyclooxygenase-2 inhibitor in man. FASEB J 2008;22:383–390


Rika Rausch, Apothekerin
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Alter Hut?

von Ralf Schuster am 08.04.2016 um 10:58 Uhr

Ich verstehe nicht ganz, wieso das jetzt so aufgebauscht wird.
Schon während meines Studiums in den 80ern wurde in der Pharmakologievorlesung Paracetamol wegen fehlender antiphlogistischer Wirkung Unwirksamkeit bei rheumatischen Erkrankungen bescheinigt.

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