Studie

Ohrenstöpsel schützen wirksam vor Lärmschäden

Stuttgart - 08.04.2016, 13:30 Uhr

Kleiner Stöpsel, große Wirkung: Ohrenstöpsel schützen wirksam vor Gehörschäden. (Foto: alexlmx / Fotolia)

Kleiner Stöpsel, große Wirkung: Ohrenstöpsel schützen wirksam vor Gehörschäden. (Foto: alexlmx / Fotolia)


Niemand hält sich freiwillig in der Nähe eines Presslufthammers auf. Gemessen an der Lärmbelastung entspricht aber so manches Rockkonzert genau diesem Szenario – einem Presslufthammer aus nächster Nähe – und führt zu den selben Hörschäden. Aber es gibt effektiven Schutz, auch in der Apotheke.

Einer amerikanischen Untersuchung  aus dem Jahr 2010 zufolge haben Hörschäden bei jungen Erwachsenen zwischen 1988 und 2006 um 31 Prozent zugenommen. Mit dafür verantwortlich gemacht wird die zunehmende Beliebtheit von Musikveranstaltungen, bei  denen die Besucher zum Teil einem Schallpegel von über 100 Dezibel (dB) ausgesetzt sind. Bereits ab 80 dB können gesundheitliche Langzeitschäden auftreten, bei Dauerlärm über 100dB drohen Gehörschäden. Am Arbeitsplatz ist ab 85 dB ein Gehörschutz gesetzlich vorgeschrieben.

Untersuchung bei Open-Air-Konzert

Mediziner um Wilko Grolman von der Universität Utrecht wollten wissen, ob man sich mit Ohrstöpseln vor Hörschäden schützen kann - dazu gab es bislang kaum belastbare Daten. Bei einen Open-Air Konzert in Amsterdam erhielten daher 25 zufällig ausgewählte Teilnehmer einen Gehörschutz, eine Kontroll-Gruppe aus 26 Konzertbesuchern genoss die Musik ohne Ohrenstöpsel.

Nach 4,5 Stunden mit einem Schallpegel von durchschnittlich 100 dB zeigte sich: in der Kontroll- Gruppe kam es bei 22 von 52 Ohren (jedes Ohr wurde separat getestet) zu einem  temporären Hörverlust, das entspricht 42 Prozent. Bei den Probanden mit Ohrenstöpsel war das nur bei 8 Prozent der Fall (vier von 50 Ohren). Anders ausgedrückt: um eine temporären Hörverlust zu vermeiden müssen nur drei Personen Ohrenstöpsel tragen (number needed to treat 2,9). Auch bei anderen Parametern beispielweise dem Auftreten von Ohrgeräuschen schnitt die Gruppe mit Gehörschutz signifikant besser ab.

Angesichts dieser Ergebnisse, die im Fachmagazin „JAMA Otolaryngoly – Head & Neck Surgery“ publiziert wurden, kommen die Forscher zu dem Schluss, dass Ohrenstöpsel wirksam vor temporären Hörschäden durch laute Musik schützen.

Eignen sich Ohrstöpsel aus der Apotheke?

In der Untersuchung wurden Ohrstöpsel verwendet, die speziell für den Einsatz auf Konzerten konzipiert wurden. Sie werden unter dem Namen „MTV Soundkeepr“ in den Niederlanden vertrieben. Laut Hersteller sollen sie die Umgebungslautstärke um 18 dB reduzieren, es aber weiterhin erlauben sich zu unterhalten und die Musik zu genießen.

Zum Vergleich: Klassische Ohropax® senken den Schallpegel bei 100dB um 22,6 dB (Herstellerangabe), die Schaumstoff-Variante Ohropax® Soft sogar um 28,1 dB. Für Wellnoise® Silikon Ohrenstopfen gibt der Hersteller eine Geräuschdämmung um durchschnittlich 22 dB an, für EAR® Soft classic 28db.

Mit handelsüblichen Ohrenstöpseln, wie es sie zum Beispiel in der Apotheke gibt, sollte sich demnach ein ähnlicher Schutzeffekt erzielen lassen. Denn dafür ist laut dem Hersteller von Ohropax® ein Schallpegel von unter 85 dB erforderlich. Der wird bei einer Umgebungslautstärke  von durchschnittlich100 dB (z. B. Konzert oder Disco)  mit vielen Produkten erreicht.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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