Baden-Württemberg

Mit Wiedereinsteigern gegen den Personalmangel in der Apotheke

Stuttgart - 07.04.2016, 11:13 Uhr

Wiedereinsteig leicht gemacht: In Baden-Württemberg spricht die Kammer gezielt nicht-berufstätige Apotheker an und hilft beim Wiedereinsteig. (Foto: contrastwerkstatt / Fotolia)

Wiedereinsteig leicht gemacht: In Baden-Württemberg spricht die Kammer gezielt nicht-berufstätige Apotheker an und hilft beim Wiedereinsteig. (Foto: contrastwerkstatt / Fotolia)


800 Apotheker in Baden-Württemberg sind derzeit nicht berufstätig. Die Landesapothekerkammer hat sie jetzt dazu aufgerufen, sich Gedanken über einen möglichen Wiedereinstieg zu machen. Denn die Apotheken im  Ländle suchen händeringend nach Personal.

Kurz vor Ostern hat die Landesapothekerkammer alle 800 Apothekerinnen und Apotheker in Baden-Württemberg angeschrieben, die derzeit nicht berufstätig sind. „Es gibt viele berechtigte Gründe für Apothekerinnen oder Apotheker, nicht berufstätig zu sein“, erklärt Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer. „Ob Elternzeit, Krankheit oder Pflege von Angehörigen. Dennoch gibt es sicherlich auch viele Apothekerinnen und Apotheker, die wieder einige Stunden im gelernten Beruf tätig werden könnten. An diese Kolleginnen und Kollegen richtet sich diese Aktion.“.

Die Kammer leistet auch Hilfestellung. Denn wer lange aus dem Beruf raus ist, weiß nicht immer, was auf ihn aktuell zukommt, heißt es in einer Meldung. Deshalb wagten viele den Wiedereinstieg nicht. Durch ein unverbindliches „Hineinschnuppern" in den Apothekenalltag will die Kammer die Ängste vor dem Wiedereinstieg nehmen.

Apotheken zum „Hineinschnuppern" finden

Auf ihrer Homepage hat die LAK einen Apothekenfinder eingerichtet, über den Wiedereinsteiger eine geeignete Apotheke suchen können. Über 600 Apotheken in Baden-Württemberg haben sich in einer Abfrage der Landesapothekerkammer ausdrücklich bereit erklärt, möglichen Wiedereinsteigern einen Einblick in den derzeitigen Apothekenalltag zu geben. Allein in Stuttgart sind es 33 (Abfrage am 7.4.2016).

Die Landesapothekerkammer weist auch darauf hin, dass sich der Apothekerberuf wie kaum ein anderer akademischer Beruf mit der Familie vereinbaren lässt. Teilzeitarbeit und Wohnortnähe sind meist ohne Probleme möglich. Man sei sich bewusst, dass die Bezahlung des Personals meist nicht so ist, wie sie für diese akademische Ausbildung sein sollte, erklärt Hanke. Deshalb fordere man die Politik dringend auf, endlich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Apotheken zu verbessern. Nur so könne man den Mitarbeitern in den Apotheken auch angemessene Gehälter bezahlen.

Teilzeit und Industrie als Konkurrenz

Laut Landesapothekerkammer werden bis zu 20 Stellenanzeigen täglich in den Stellenmarkt auf der Homepage eingestellt. Auch sei die Zahl der Pharmaziestudienplätze an den Hochschulen in Baden-Württemberg zuletzt deutlich gestiegen und die Zahl der ausländischen Apothekerinnen und Apotheker, die in Deutschland arbeiten wollen, steige.

Dennoch finden viele Apotheken nicht ausreichend Personal – nicht nur in Baden-Württemberg. Vor allem in ländlichen Gebieten tun sich Apotheker bundesweit schwer, pharmazeutisches Fachpersonal oder Nachfolger zu finden. Teilweise müssen Apotheken deswegen sogar schließen. Gründe hierfür sind zum einen die nicht-berufstätigen oder Teilzeit-arbeitenden Apotheker, von denen es aufgrund des hohen Frauenanteils relativ viele gibt – unter allen Pharmazeuten im Praktikum liegt der Frauenanteil bei 77 Prozent, unter allen Approbierten bei 71 Prozent. Aber auch andere attraktive, oft besser bezahlte Arbeitsplätze, etwa in der pharmazeutischen Industrie, die mit den Apotheken um Absolventen konkurrieren, spielen hier eine Rolle.

Auch in vielen anderen Kammerbezirken gibt es Angebote, die den Wiedereinstieg erleichtern sollen, zum Beispiel Seminare. Informationen dazu erhalten Sie bei den jeweiligen Kammern oder Verbänden.


LAK BaWü / DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Personalmangel

von Horst Wycisk am 07.04.2016 um 12:10 Uhr

Oh Mann, dieser löbliche Ansatz verpufft doch, weil viele nicht mehr in der Apotheke arbeiten wollen, weil eine völlig verfehlte, vor allem Standes-, Politik uns zu reinen Verwaltungshandlangern degradiert hat. So lange sich hier nichts gravierend verändert, ist das eine reine Feigenblatt-Aktion!

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