BKK Zu Rezeptfälschungen

Apotheker werden selbst getäuscht

Berlin - 07.04.2016, 16:00 Uhr

300.000 Euro Schaden durch Apotheken. Die BKK VBU geht gegen Korruption vor. (Foto: BKK VBU)

300.000 Euro Schaden durch Apotheken. Die BKK VBU geht gegen Korruption vor. (Foto: BKK VBU)


Immer wieder beschweren sich Krankenkassen über Rezeptfälschungen, manipulierte Rechnungen oder „Luftleistungen“. Der BKK VBU ist in den Jahren 2014 und 2015 dadurch ein Schaden von 690.000 Euro entstanden. Den größten Anteil daran haben der Kasse zufolge die Apotheker – obwohl die oftmals gar nichts davon wüssten.

Die BKK VBU hat ein eigenes „Antikorruptionsteam“, das seit 2004 Fehlverhalten im Gesundheitswesen nachgeht. Allein in den vergangengen zwei Jahren seien über 500 Hinweise auf fehlerhaftes Verhalten eingegangen, berichtet die Kasse. Die Hinweise kämen von Kollegen, Mitarbeitern anderer Kassen oder der Polizei. Bestätigt sich der Verdacht, erstattet die Kasse Strafanzeige und leitet somit ein Ermittlungsverfahren ein. In den Jahren 2014 und 2015 sei dies 191 Mal der Fall gewesen.

Einer Sprecherin der BKK VBU zufolge stammen rund 300.000 Euro der falsch abgerechneten Leistungen aus Apotheken, also fast die Hälfte. „Hauptsächlich handelt es sich dabei um gefälschte Rezepte, die insbesondere in der ‚BtM-Szene‘ herumgehen.“ Typisch sei es, dass gestohlene Rezepte selbst beschrieben oder bedruckt würden. Man wolle den Pharmazeuten aber nicht den schwarzen Peter zuweisen. „Apotheker werden häufiger getäuscht, als dass sie selbst täuschen“, erklärte die Kassensprecherin. So merkten es viele Apotheker nicht, dass sie es mit einer Fälschung zu tun haben. „Deswegen empfehlen wir den Apothekern, in jedem Verdachtsfall mit dem Arzt Rücksprache zu halten.“

Auch Ersatzkassen werden betrogen

Dass Krankenkassen gegen korruptes Verhalten im Gesundheitswesen vorgehen, ist nicht neu. Erst kürzlich haben die Ersatzkassen in Nordrhein-Westfalen gemeldet, dass sie im Jahr 2015 um etwa 1,2 Millionen Euro betrogen worden seien. Die NRW-Ersatzkassen hatten es im vergangenen Jahr allerdings mit einem auffällig korrupten Apotheker zu tun.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Pharmazeuten, weil er nicht verbrauchte Fertigprodukte für die künstliche Ernährung zurückgenommen, wieder verkauft und erneut bei den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet haben soll. Den Ersatzkassen muss er nun einen Betrag von rund 450.000 Euro zurückzahlen. Aufgefallen war der Fall, weil bei der Steuerprüfung ein Missverhältnis zwischen Wareneingang und -ausgang festgestellt wurde.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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