Türkei

Neue Bestechungsvorwürfe gegen Pharmakonzern Novartis

Basel - 31.03.2016, 11:48 Uhr

Gegen den Pharmakonzern Novartis, hier das Firmengebäude am Sitz in Basel, ermittelt die US-Justiz - und nun auch das türkische Gesundheitsministerium. (Foto: dpa)

Gegen den Pharmakonzern Novartis, hier das Firmengebäude am Sitz in Basel, ermittelt die US-Justiz - und nun auch das türkische Gesundheitsministerium. (Foto: dpa)


Nach den USA droht dem Pharmakonzern Novartis nun auch in der Türkei Ärger. Das Unternehmen soll über eine Beratungsfirma Bestechungsgeld gezahlt und sich damit Geschäftsvorteile im Volumen von rund 85 Millionen Dollar verschafft haben. Die türkischen Behörden ermitteln.

Alles begann mit einer anonymen Mail: Darin wird Novartis vorgeworfen, in der Türkei über die Beratungsfirma Alp Aydin Bestechungsgeld an Vertreter des türkischen Gesundheitsministeriums weitergeleitet zu haben. Die E-Mail liegt der Nachrichtenagentur Reuters vor. In dem Schreiben wird ebenfalls behauptet, der Konzern habe sich Geschäftsvorteile im Volumen von schätzungsweise 85 Millionen Dollar verschafft. Konkret gehe es um die Zulassung bestimmter Arzneimittel und Preisvorteile.

Nach Angaben von Reuters soll Novartis über die Bestechung von Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums erreicht haben, dass der Konzern seine Arzneimittel Ilaris und Gilenya in Ibect und Fingya umbenennen durfte. Dadurch seien beide Wirkstoffe im internationalen Preisvergleich herausgefallen, der die Arzneimittel  anhand des Namens einstuft. Unter anderem damit habe sich Novartis die Millionen-Vorteile verschafft. „Wir nehmen alle Vorwürfe ernst und untersuchen sie gründlich“, sagte Sprecher von Novartis. 

Fingolimod und Canakinab

Fingolimod ist ein oral applizierbarer Immunmodulator. Die Substanz zählt zur Gruppe der Sphingosin-1-phosphat-Rezeptor-Modulatoren. Als Analogon von Sphingosin-1-phosphat ist der aktive Metabolit (S)-Fingolimodphosphat ein hochaffiner Agonist und ein funktioneller Antagonist an Sphingosin-1-phosphat-Rezeptoren auf Lymphozyten. Fingolimod blockiert den Austritt von Lymphozyten aus den Lymphknoten in den peripheren Blutkreislauf sowie den Übertritt der Lymphozyten ins zentrale Nervensystem. So wird die autoimmune Zerstörung der Myelinscheiden, die für Multiple Sklerose typische entzündliche Prozesse am Nervensystem verantwortlich sind, unterbunden. 
Fingolimod ist als krankheitsmodifizierende Monotherapie bei hochaktiver schubförmig-remittierend verlaufender Multipler Sklerose indiziert. 
Handelsname: Gilenya®
Das Immunsupressivum Canakinumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper gegen Interleukin-1 beta (IL-1 beta). Er wird bei unterschiedlichen entzündlichen Erkrankungen eingesetzt, die mit pathologisch erhöhter IL-1 beta-Produktion einhergehen. Indikationen sind Cryopyrin-assoziierte periodische Syndrome (CAPS), systemische juvenile idiopathische Arthritis sowie Gichtarthritis.
Handelsname: Ilara®

US-Justiz will Ermittlungen ausweiten

Derweil will die US-Justiz ihre laufenden Korruptionsermittlungen gegen Novartis ausdehnen. Die Untersuchungen gehen auf einen ehemaligen Novartis-Mitarbeiter zurück, der zum internen Tippgeber geworden war. Er hatte dem Pharmaunternehmen vorgeworfen, in den USA luxuriös gestaltete wissenschaftliche Vorträge vorgetäuscht zu haben, um die teilnehmenden Ärzte dazu zu bringen, Novartis-Arzneimittel  bevorzugt zu verschreiben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara ermittelt seit Jahren gegen Novartis. Das Unternehmen bekräftigte, die Vorwürfe seien haltlos.

Analysten sind angesichts der jüngsten Entwicklungen vorsichtig. So geht Citigroup-Analyst Andrew Baum davon aus, dass Novartis Strafen von mehr als zwei Milliarden Dollar drohen könnten. Ein Branchenbeobachter von J. Safra Sarasin sagt, dass es Jahre dauern könnte, bis der Fall gelöst sei. Dies sei ein weiterer Faktor, der über der Aktie schwebe. 


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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