Illegaler Handel

Impfstoff-Skandal erschüttert China

Stuttgart - 24.03.2016, 17:30 Uhr

Chinesische Medien berichten über die gestohlenen Impfstoffe. (Bild: Screenshot / DAZ)

Chinesische Medien berichten über die gestohlenen Impfstoffe. (Bild: Screenshot / DAZ)


Ein krimineller Ring um eine Apothekerin und insgesamt mehrere hundert Beteiligte soll seit 2011 in China Impfstoffe nicht ordnungsgemäß gelagert und transportiert haben. Bislang wurden mehr als 130 Verdächtige verhaftet. Die Behörden künden Gesetzesänderungen an – und zensieren Beiträge in den sozialen Nachrichten

In China soll ein krimineller Ring seit 2011 Impfstoffe im Wert von ungefähr 43 Millionen Euro nicht angemessen gelagert und transportiert haben, wie das dortige Ministerium für öffentliche Sicherheit laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag bekannt gab . Insgesamt sollen zwei Millionen Dosen nicht ausreichend gekühlt worden oder abgelaufen gewesen sein.

Laut Xinhua wurden die Substanzen über lizenzierte wie nicht-lizenzierte Quellen gekauft und sowohl über kriminelle Zwischenhändler als auch legale Gesundheitszentren zu überhöhten Preisen verkauft. 20 der 34 Verwaltungsregionen seien betroffen. Ein Großteil der Impfstoffe gegen Meningitis, Tollwut, Polio oder auch andere Erkrankungen wurde bereits verwendet, schreibt die Nachrichtenagentur – 20.000 Dosen wurden von den Behörden beschlagnahmt.

29 Firmen unter Verdacht

Insgesamt würden 29 pharmazeutische Unternehmen verdächtigt, die Impfstoffe illegal verkauft zu haben, und 16 Institute sollen sie gekauft haben. Eine Firma soll nach Anweisungen von Behörden geschlossen worden sein, schreibt Xinhua. In früheren Berichten wurde der Wert der Vaccine mit ungefähr 90 Millionen Euro angegeben.

Der Vizechef der Chinesischen Arzneimittelbehörde (CFDA) Wu Zhen sagte, der Skandal hätte Probleme bei der Verteilung von Impfstoffen identifiziert. „Die CFDA arbeitet zusammen mit den Strafverfolgungsbehörden, um den Skandal sorgfältig aufzuarbeiten und die Sicherheit der Vaccine sicherzustellen“, sagt Wu. Regelungslücken würden identifiziert und geschlossen, Kriminelle streng bestraft und Informationen für die Öffentlichkeit schnell bereitgestellt. „Impfstoffe werden im allgemeinen in China auf angemessene Weise behandelt“, sagt er. 

Nachdem der Skandal schnell zum wichtigsten Thema in den sozialen Medien in China wurde, versuchen die Zensoren, gegen die erheblichen Proteste im Internet vorzugehen. Dass die Behörde wohl seit einem Jahr von den Zwischenfällen wusste, verursacht in den sozialen Netzen einige Aufregung. Als Haupttäter wurden eine 47-jährige Apothekerin und ihre Tochter aus der Provinz Shandong identifiziert – sie wurden schon im vergangenen  Jahr verhaftet.


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
hfeldwisch@daz.online


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