Wegen Gesundheitsrisiken

FDA will gepuderte Handschuhe verbieten

Stuttgart - 23.03.2016, 11:20 Uhr

Auch in Apotheken kommen Untersuchungs-Handschuhe aus Latex zum Einsatz, (Foto: Africa Studio / Fotolia)

Auch in Apotheken kommen Untersuchungs-Handschuhe aus Latex zum Einsatz, (Foto: Africa Studio / Fotolia)


Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA möchte gepuderte Untersuchungs- und OP-Handschuhe verbieten. Die Handschuhe, die vereinzelt auch in Apotheken genutzt werden, stellten ein erhebliches und unverhältnismäßiges Risiko für die Gesundheit von allen dar, die mit ihnen in Kontakt kommen, begründet die FDA den Vorschlag.

Die Innenseite von Untersuchungs- und OP-Handschuhen wird manchmal mit Puder versehen. Das soll das An- und Ausziehen erleichtern. Obwohl die Verwendung der gepuderten Handschuhe rückläufig ist, möchte die FDA sie größtenteils vom Markt verbannen. Wie die Behörde am Montag bekannt gegeben hat, hat sie einen Vorschlag für eine entsprechende Regelung erarbeitet.

Unerwünschte Ereignisse durch Puder

Nach Ansicht der FDA sind gepuderte Handschuhe aus mehreren Gründen gefährlich. So könne der Puder, wenn dieser beim Anziehen eingeatmet wird und so Allergene in die Atemwegen gelangen, allergische Reaktionen auslösen.

Bei Handschuhen aus synthetischen Materialien bestehe zwar das Allergie-Risiko nicht, sie werden aber auch mit einer ganzen Reihe potenziell schwerer unerwünschter Ereignisse in Verbindung gebracht, etwa Atemwegs- und Wund-Enzündungen sowie postoperative Verwachsungen. Bei letzteren handelt es sich um Bereiche von faserreichem Narbengewebe, das sich zwischen inneren Organen und dem Gewebe bildet. Diese Probleme treten laut FDA bei allen Arten von Handschuhen mit Puder auf.

Puderfreier Latex ist in Deutschland Standard

In Deutschland ist die Situation anders: Laut der AMWF-Leitlinie „Anforderungen an Handschuhe zur Infektionsprophylaxe im Gesundheitswesen“ (derzeit in Überarbeitung) müssen nach verbreiteter Rechtsauffassung alle im Gesundheitswesen verwendeten Naturlatex-Schutzhandschuhe ungepudert und latexallergenarm sein. Zur Puderung Latexfreier-Handschuhe findet sich keine Aussage.

Generell gelten Latexhandschuhe trotz ihres allergenen Potenzials wegen ihres hohen Tragekomforts infolge der starken Dehnbarkeit (bis 820 Prozent) und  der guten Griffeigenschaften in vielen Bereichen als unverzichtbar. Das gilt insbesondere für Aufgaben, bei denen ein hohes Maß an Tastsensibilität und Griffsicherheit erforderlich ist. Ein weiterer Pluspunkt ist ihre gute biologische Abbaubarkeit (in rund drei Monaten).

Auch in Apotheken werden für Routinetätigkeiten in Labor und Rezeptur oder zum Blutzuckermessen meist Latex-Handschuhe eingesetzt.Für Latexallergiker sind Handschuhe aus Nitrillatex oder Vinyl eine Option. Wegen der geringeren Elastizität sind sie schwieriger anzuziehen und sitzen schlechter. Es empfiehlt sich eine halbe Nummer größer zu wählen als bei Latex. Nitrillatex wird auch beim Umgang mit Zytostatika oder Ethidiumbromid eingesetzt.

Ungepuderte Handschuhe sind nicht betroffen

Neben gepuderten Untersuchungs- und OP-Handschuhen soll nach FDA-Entscheid auch absorbierbarer Puder für OP-Handschuhe verboten werden. Lediglich gepuderte Schutzhandschuhe für die Radiologie sollen außen vor bleiben. Derartige Handschuhe sind aber nach derzeitigem Kenntnisstand ohnehin nicht auf dem Markt.

OP- und Untersuchungshandschuhe ohne Puder bleiben von dem geplanten Verbot unberührt. Sie sind als Klasse 1 Medizinprodukte weiterhin verfügbar. Die FDA schlägt in diesem Zusammenhang auch Nachbesserungen in den Regularien zur Klassifikation von Medizinprodukten vor. Es soll klargestellt werden, dass diese nur für nicht-gepuderte Handschuhe gelten.

Der Verbotsvorschlag kann nun 90 Tage öffentlich online eingesehen und kommentiert werden.


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