Pharmakotherapie bei Kindern

Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade

Berlin - 22.03.2016, 09:25 Uhr


Bei der Arzneimitteltherapie von Kindern stehen Eltern und Ärzte vor einem großen Problem: Der kleine Patient verhält sich in den wenigsten Fällen kooperativ. Klassische Maßnahmen zur Steigerung der Compliance stoßen hier an ihre Grenzen, ebenso die Geduld der Erwachsenen. Welche Besonderheiten es bei pädiatrischen Arzneiformen zu beachten gibt, war wichtiges Thema auf der INTERPHARM.

Kinder wehren sich oft mit Händen und Füßen gegen die Gabe von Arzneistoffen. Da wird der Mund fest zugepresst und den Eltern der Löffel aus der Hand geschlagen. Auf dem Pädiatrie-Symposium der INTERPHARM in Berlin gab Dr. Wolfgang Kircher Tipps, wie die Arzneimitteleinnahme bei Kindern dennoch klappen kann:

Geschmack, Farbe und Geruch von Arzneimitteln spielen eine große Rolle. Für die Beratung sollte das pharmazeutische Personal einer Apotheke die auf dem Markt befindlichen Präparate dahingehend gut kennen und wenn möglich auch einmal selbst probiert haben. Der Spiel- und Spaßfaktor darf bei Kindern jedenfalls nicht zu kurz kommen, und dann wird mit Spannung erwartet, ob der Trick funktioniert.

Verführerisches Aroma und appetitliche Farbe

Saftpräparate gibt es in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Jedes Kind hat seinen Favoriten, der allerdings bei regelmäßiger Verabreichung länger als zehn Tage seine Attraktivität verliert. Vor allem bei Daueranwendung und wiederholter Gabe des Medikaments innerhalb einer kurzen Zeitspanne sollte dieser Wechsel der Vorlieben bedacht werden.

Unverträglichkeiten von Früchten spielen bei den in den Präparaten enthaltenen synthetischen Aromen keine Rolle, sodass bei Kindern mit Erdbeerallergie auch diese Geschmacksrichtung als Option infrage kommt. Die Farbe des Safts sollte Appetit machen: Mag das Kind gerne Multivitaminsäfte, wird eine gelbe Flüssigkeit mit Eisenoxiden als Farbstoffe vermutlich besser angenommen. 

Pädiatrie-Symposium auf der INTERPHARM

Im Rahmen der Interpharm fand dieses Jahr erstmalig das Pädiatrie Symposium statt. Durchgeführt wurde es vom consilium Offizin, dem produktneutralen Fortbildungsangebot des Kinderarzneimittelherstellers Pädia GmbH.

Der wissenschaftliche Service bietet Unterstützung bei pädiatrischen Herausforderungen im Apothekenalltag. Renommierte Pädiater und erfahrene pharmazeutische Experten unterstützen das consilium Offizin mit ihrem Wissen – so kann das gemeinsame Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheke gefördert werden.

Mehr zum consilium Offizin lesen Sie hier.

Alternativen zum Saft

Akzeptiert das Kind das Analgetikum oder Antibiotikum in der Darreichungsform Saft trotz allem nicht, können nach Prüfung auf Mörserbarkeit auch Tabletten zerkleinert werden. Ein Vehikel musartiger Konsistenz (etwa Apfelmus) ist zur Gabe des entstandenen Pulvers besser geeignet als eine Flüssigkeit, da es sich leichter schlucken lässt. Sprechen keine Wechselwirkungen mit Milchprodukten dagegen, stellen auch Nuss-Nougat-Creme oder Eis eine mögliche Grundmasse dar.

Große Hoffnung setzt man derzeit auf orodispersible Minitabletten (Durchmesser < 2 mm) und Filme, die bei Kontakt mit Speichel innerhalb weniger Sekunden zerfallen und dem Kind keine Zeit lassen, das Arzneimittel auszuspucken.

Augentropfen als besondere Herausforderung

Bei Kleinkindern hat sich die kanthale Anwendung von Augentropfen bewährt. Dabei sollte das Kind ohne Kopfkissen flach auf dem Rücken liegen und die Lider schließen, wenn man das Fläschchen vor seinen Augen bewegt. Bei geschlossenen Augen wird ein Tropfen in den inneren Lidwinkel (Canthus medialis) gegeben, der beim Öffnen der Lider auf die Horn- und Bindehaut abfließt. 


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