Apothekenmarkt

Kaum mehr voll eigenständige Apotheken in den Niederlanden 

Remagen - 11.03.2016, 08:20 Uhr

Unabhängige Einzelapotheken haben es schwer in den Niederlanden (Foto: eyegelb / Fotolia)

Unabhängige Einzelapotheken haben es schwer in den Niederlanden (Foto: eyegelb / Fotolia)


Die Zahl der Apothekenstandorte in den Niederlanden ist 2015 so gut wie gleich geblieben. Fast 90 Prozent aller öffentlichen Apotheken sind nicht unabhängig, das heißt sie operieren in einer Kette, als Franchise-Nehmer oder haben sich einem „Versorgungs-Makler“ angeschlossen.

Nach aktuellen Zahlen, die die Stiftung für pharmazeutische Statistik (SFK) vorgestellt hat, zählten die Niederlande Ende 2015 1981 öffentliche Apotheken, zwei mehr als im Vorjahr. 30 Neueröffnungen standen 28 Schließungen gegenüber. Genau wie in 2014, als die Zahl der Apotheken erstmals nicht sank, wird diese geringfügige Erhöhung laut SFK weiterhin nicht ausreichen, um die wachsende Nachfrage nach pharmazeutischer Betreuung zu befriedigen. Hierzu wären nach Abschätzungen 50 neue Abgabestellen nötig. 

Immer mehr Franchise

Insgesamt sind mehr als drei Viertel der niederländischen Apotheken in Ketten-Besitz (620) oder operieren als Franchise-Apotheke (897). 464 sind unabhängig. In den letzten fünf Jahren haben sich die Gewichte zwischen Franchise und unabhängigen Apotheken gravierend verschoben. Im Jahr 2011 standen 598 Franchise-Apotheken noch 784 unabhängige gegenüber.

Einzelne in Verhandlungen mit den Kassen schwach

Zu dieser Entwicklung haben auch die Vertrags-Möglichkeiten der Apotheken mit den Krankenversicherern beigetragen. Eine einzelne unabhängige Apotheke hat wenig oder keinen Spielraum, separat mit einer Krankenversicherung zu verhandeln. Aus oder mit Unterstützung des Großhandels sind deshalb so genannte „Versorgungs-Makler“ (zorgmakelaar) oder andere Organisationsformen der Zusammenarbeit entstanden, die die vertraglichen Vereinbarungen durchführen oder diesen Prozess erleichtern. Das Großhandelsunternehmen Pluripharm unterstützt zum Beispiel über sein Apothekenkollektiv „Pakt“ rund 200 unabhängige Apotheken beim Abschluss von Verträgen mit den Krankenversicherern.

Service-Apotheek an der Spitze

Unter den Ketten und Franchise-Marken vereinigt die Marke „Service Apotheek“ des Großhandels Mosadex Ende 2015 mit 427 die meisten selbstständigen Apotheken unter seinem Dach. Auf dem zweiten Rang liegt Brocacef (BENU-Apotheken) mit 310 Offizinen. Davon gehören 116 Boracef selbst. 194 sind Franchise-Apotheken. Dann folgt Mediq mit 295 Apotheken (222 in Eigenbesitz und 73 Franchise-und Partner-Apotheken). Die Übernahme der Apotheken und Großhandelsaktivitäten der Mediq durch Brocacef war Ende 2014 angekündigt worden, aber die Genehmigung durch die Behörde für  Verbraucher & Markt (ACM) steht noch aus.

Zahlreiche mittelgroße und kleinere Ketten

Alliance Healthcare hat 218 Apotheken an sich gebunden. Davon befinden sich 61 im Besitz von Alliance Healthcare, erkennbar als Boots-Apotheken, und 157 tragen die Flagge der Marke „Alphega“. Die Stiftung „Vereinigte Niderländische Apotheken“ (VNA) ist (Mit-) Eigentümer von 125 Apotheken, Medsen von 39 Angabestellen. Ebenso viele gehören den Vereinigten Apotheken Limburg (VAL). Darüber hinaus sind Thio Pharma (24 Apotheken), Zorggroep Almere (17), Acdapha Groep (13) und SAL Apotheken (13) als Kette aktiv.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Apothekendichte

von Holger am 14.03.2016 um 10:28 Uhr

Niederlande 1.981 Apotheken für ca. 16,8 Mio. Einwohner sind fast 8.500 Einwohner pro Apotheke.
Deutschland 20.000 Apotheken für ca. 80 Mio. Einwohner sind ca. 4.000 Einwohner pro Apotheke.
Also entweder ist Holland ein Entwicklungsland in Sachen Arzneimittelversorgung oder die deutsche Angst vor dem Apothekensterben ist irrational ..

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