Vorläufige Finanzergebnisse der GKV 2015

Rabattverträge sparen 3,61 Milliarden Euro

Berlin - 07.03.2016, 17:00 Uhr

Die Arzneimittelausgaben stiegen 2015 nicht mehr so stark wie 2014. (Foto: coloures-pic/Fotolia)

Die Arzneimittelausgaben stiegen 2015 nicht mehr so stark wie 2014. (Foto: coloures-pic/Fotolia)


Die gesetzlichen Kassen haben 2015 zwar 1,14 Milliarden Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Doch es gibt nach wie vor milliardenschwere Reserven. Das geht aus dem jetzt vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten, vorläufigen Finanzergebnis 2015 hervor. Dieses zeigt auch: Die Einsparungen durch Rabattverträge sind 2015 abermals gewachsen.

Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen beliefen sich nach den am Montag vorgelegten Zahlen auf rund 212,42 Milliarden Euro, die Ausgaben auf 213,56 Milliarden. Das Ministerium führt diese Differenz „im Wesentlichen darauf zurück, dass die Krankenkassen ihre Versicherten durch niedrigere Zusatzbeiträge entlastet haben“.   

14,5 Milliarden Reserven bei den Kassen 

Zugleich verweist das Ministerium darauf, dass die Gesamt-Reserve der Gesetzlichen Krankenversicherung zum Jahreswechsel 2015/2016 insgesamt rund 24,5 Milliarden Euro betrug.

Ein Jahr zuvor hatten sich die Rücklagen von Kassen und Gesundheitsfonds noch auf insgesamt rund 28 Milliarden Euro summiert. Die Finanz-Reserven der Krankenkassen lagen Ende 2015 bei rund 14,5 Milliarden Euro – rund eine Milliarde Euro weniger als ein Jahr zuvor. 

Die Kassen, so das Ministerium, hätten ihre Reserven genutzt, um die Zusatzbeiträge niedrig zu halten. Dass viele Kassen ihren Zusatzbeitrag im Jahr 2015 im Vergleich zum Sonderbeitrag aus dem Jahr 2014 abgesenkt hätten, zeige, dass der Wettbewerb zwischen den Kassen um niedrige Zusatzbeiträge funktioniere. Die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds wies laut Bundesgesundheitsministerium ein Volumen von 10 Milliarden Euro aus. 

Ausgabenzuwächse haben sich abgeflacht  

Die Ausgaben der gesetzlichen Kassen stiegen 2015 je Versichertem um 3,7 Prozent. Im Gesamtjahr 2014 war noch ein Plus von fünf Prozent zu verzeichnen – und im 1. Halbjahr 2015 lag der Zuwachs bei 3,9 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 3,8 Prozent je Versichertem im Vergleich zu einem Anstieg von 5,3 Prozent im Vorjahr. Der Verwaltungskosten stiegen um 3,2 Prozent je Versichertem.  

Hepatitis-C-Arzneimittel lassen Arzneimittelausgaben wachsen 

Nicht zuletzt bei den Arzneimittelausgaben sind die Zuwächse gegenüber dem Vorjahr deutlich schwächer. Lag das Plus 2014 noch bei 9,4 Prozent je Versichertem, waren es im Jahr 2015 nur noch 3,9 Prozent – und absolut stiegen sie um knapp 1,7 Milliarden Euro auf gut 37 Milliarden Euro. Damit hatten Arzneimittel einen Anteil von 17 Prozent an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Auffällig sind weiterhin die hohen Ausgaben für die noch recht neuen Arzneimittel zur Behandlung der Hepatitis C. Sie machten im vergangenen Jahr eine Größenordnung von 1,3 Milliarden Euro aus – 700 Millionen Euro mehr als 2014 – und erklären somit einen erheblichen Teil des Ausgabenanstiegs. Andererseits wurden die Krankenkassen weiterhin durch Rabattvereinbarungen mit pharmazeutischen Unternehmern entlastet. Die Rabatterlöse sind 2015 um rund 460 Millionen Euro gegenüber 2014 auf rund 3,61 Milliarden Euro gestiegen.  

(Grafik: Bundesgesundheitsministerium)

Weitere Leistungsbereiche

Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben je Versichertem um rund 3,9 Prozent auf gut 39 Milliarden Euro an. Die ärztlichen Honorare für GKV-Versicherte stiegen damit insgesamt um rund 1,6 Milliarden Euro. Die Ausgaben für die vertragsärztliche Versorgung haben einen Anteil von 18 Prozent an den GKV-Gesamtausgaben. 

Der größte Kostenblock, die Krankenhausbehandlung, verzeichnete 2015 einen Anstieg von 3,1 Prozent je Versichertem. Insgesamt erhielten die Krankenhäuser hierdurch im vergangenen Jahr allein von den gesetzlichen Krankenkassen um rund 2,5 Milliarden Euro höhere Finanzmittel als 2014.  

Bei den Heilmittelausgaben verbuchten die Krankenkassen einen überproportionalen Ausgabenanstieg von 6,5 Prozent je Versichertem. Bei den Hilfsmittelausgaben gab es einen geringen Zuwachs von 1,2 Prozent.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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2 Kommentare

Richtig werten

von Reinhard Rodiger am 08.03.2016 um 0:11 Uhr

Vorweg: Kollege Müller hat recht. Tue Gutes und rede darüber. Auch, wenn das Gute zwangsweise eintritt. Und umso mehr, je mehr die Glaubwürdigkeit durch Mithilfe bei Erpressung beschädigt wird. Die tägliche Umsetzung erfolgt unbezahlt und ohne Anerkennung der Leistung. Vor allem durch uns selbst.Wir bekommen unsere Nichtleistung oder das eben spätere Leistungsvermögen vorgehalten. Das ist die Blaupause für die Politik.
Also das Paradoxon ist aufzulösen: Die Gleichzeitigkeit von Erfolg und Verlust. Ohne Verarbeitung der Verlustsituation ist ein Erfolg nicht glaubwürdig darstellbar. Und ohne Erfolgsdarstellung entfällt der Honoraranspruch.

Deshalb ist die unkommentierte BMG/GKV-orientierte Bilanzdarstellung die Wurzel für das Unverständnis. Solange Arzneimittel als Surrogat für zu teure Apotheken benutzt werden können, verpufft jede Klarstellung. Ausserdem sind die "Arzneimittelkosten" eine muntere Mischung aus ua. Verbandstoffen,Teststäbchen, Rezepturen( alle ohne Ertrag)
und frisch hergestellte Parenteralia (ertragsrelevant für 2%), aus Fertigarzneimitteln( als Massstab für die aufwendige und für uns selbst kontraproduktive Umsetzung fremder Vorgaben. Zu deren Stagnieren kein Wort.
Unsere Leistung kostet Ressourcen, die anderswo fehlen. Und mit dem Fehlen wird gearbeitet.

Das muss getrennt betrachtet werden, sonst ist realistische Einschätzung nicht möglich.Nur-es geschieht nicht.

Wer eben seine Arbeit nicht achtet, kann ihren Erfolg nicht vermitteln und die kontraproduktiven Faktoren.Doch es zählt ja die Bilanz.

Also "Anfüttern" oder saisongemäss "Anschwimmen" - ohne differenzierte Kommentierung läuft nichts.

PS. Das kritische Kommentieren/Polarisieren scheint auch nicht mehr DAZ-Stil zu sein ? Siehe Apothekenzahlen.

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Schaun mer mal ......

von Wolfgang Müller am 07.03.2016 um 18:20 Uhr

Daa war der dollste Shitstorm (sagt man das eigentlich noch?), den ich hier bisher mit einer bösen Non-Mainstream-These gerade auch von hochgeschätzten Kollegen geerntet habe. Weil es SOOO schön war, gleich nochmal:

Rabattverträge sind GUUUT (s. o.), wenn man objektiv Vor- und Nachteile abwägt, und sich - was wir als echte Profis sollten - einer volkswirtschaftlichen Sichtweise nicht verschließt. Gäbe es die grandiosen Rabattverträge nicht, gäbe es um die 4 Mrd. Euro abzugreifen etwas Anderes, viel viel Schlimmeres. Z. B. die Freigabe der Rx-Preise (ehrlich; das war auch ursprünglich der Schröder/Fischer/Schmidt-Plan), und die meisten von uns könnten gleich dichtmachen.

Würden wir uns einfach mal dazu bekennen, dass Rabattverträge UNSERE gute und richtige, sinnvolle Leistung für die Allgemeinheit sind. Und dann sagen wir mal 5 % Handlings-Pauschale = 200 Mio. Euro fordern, und eine realistische Nullretax-Obergrenze von sagen wir mal 80 Euro.

Das alles gut vorbereitet, und mal nicht NUR Rabattvertrags-dauermäklig: Im GABRIEL-Projekt zur Honorar-Neuordnung. Zzgl. einer auskömmlichen Rezeptur inkl. Wegfall der Quatsch-WE-Identitätsprüfung. Und Alles würde gut werden.

Zu schön um wahr zu sein? Nein, das sicher nicht. Aber: "Nein nein Herr Müller so einfach wie Sie sich das vorstellen ist das nicht!" Also fangen "Wir" gar nicht erst richtig an und jammern lieber jeder einzeln und alle zusammen weiter ........ oder doch lieber nicht mehr?

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