Beratungs-Quickie

Ein Kleinkind mit Magen-Darm-Infekt

Stuttgart - 03.03.2016, 16:00 Uhr

Foto: ABDA

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Welche Punkte sind bei der Beratung wichtig? Welche Zusatzinformationen kann der Apotheker geben? Im „Beratungs-Quickie“ stellen wir jede Woche einen neuen Fall vor. Diesmal geht es um eine Verordnung durch einen Kinderarzt. Verschrieben sind Emesan Kinderzäpchen und Infectodiarrstop für einen einjährigen Jungen.

Eine junge Mutter kommt mit ihrem Kind in die Apotheke. Der Einjährige sieht blass aus. Die Beiden kommen gerade vom Kinderarzt, den sie wegen eines Magen-Darm-Infektes des Jungen aufgesucht haben.

Formalien-Check

Es liegt ein Kassenrezept für einen zwölf Monate alten Jungen vor. Ab dem Ausstellungsdatum ist es einen Monat gültig. Es wurden Infectodiarrstop® mit Lactobacillus rhamnosus GG (LGG) und Elektrolyten gegen Durchfall verschrieben. Außerdem Zäpfchen mit dem Wirkstoff Diphenhydramin gegen Erbrechen.

Antidiarrhoika sind eigentlich von der Verordnung ausgeschlossen. Für Mittel zur oralen Rehydratation sowie Lactobacillus Rhamnosus GG besteht bei Kindern bis zwölf Jahre eine Ausnahme: Infectodiarrstop® LGG ist also in diesem Fall verordnungsfähig. Die vorliegende Verschreibung ist nicht zu verwechseln mit Infectodiarrstop® LGG Mono, das keine Elektrolyte enthält und nur in einer 10-Stück-Packung erhältlich ist. Auch Emesan® K kann für Kinder zulasten der GKV verordnet werden.

Es gibst keine Präparate, die den Kriterien für einen Austausch entsprechen. Rabattverträge spielen daher keine Rolle.

Beratungs-Basics

Das H1-Antihistaminikum Diphenhydramin wird unter anderem zur symptomatischen Behandlung von Erbrechen angewendet. Bei Kindern zwischen acht und zehn Kilogramm kann ein Zäpfchen am Tag gegeben werden. Wiegt das Kind zwischen zehn und 20 Kilogramm, beträgt die Dosis ein bis zwei Zäpfchen am Tag. Unter acht Kilogramm Körpergewicht ist Diphenhydramin kontraindiziert.

Grundsätzlich sollten Antihistaminika bei Kleinkindern zurückhaltend eingesetzt werden. Sie können in dieser Altersgruppe paradoxe Wirkung haben und zu Unruhe Erregung und Angstzuständen führen. Auch geschwächte Kinder können empfindlicher auf den Wirkstoff reagieren. Die Leitlinie „akute infektiöse Gastroenteritis“ hält  eine medikamentöse Behandlung ist bei der unkomplizierten Gastroenteritis in der Regel nicht für notwendig.

Die Zäpfchen (Rektalkapseln) werden nach dem Stuhlgang mit dem dicken Ende voraus eingeführt. Um das zu erleichtern, können Sie mit Wasser angefeuchtet werden

Infectodiarrstop® LGG enthält Lactobacillus rhamnosus GG und Elektrolyte. Es wird angewendet zur oralen Rehydratation. LGG soll zusätzlich die Darmflora regulieren. Seine Wirkung gegen Durchfall scheint darauf zu beruhen, dass er die Adhäsion gastrointestinaler Pathogenen an die Darmschleimhaut zu unterdrücken vermag. Außerdem werden direkte antimikrobielle und immunmodulatorische Effekte angenommen.

Die Suspension soll umittelbar vor Gebrauch zubereitet werden. Dazu wird der Inhalt der beiden Kammern (Doppelkammebeutel ) in 200 Milliliter kalten Wasser eingerührt. Tee, Fruchtsaft und heiße Getränke können die Wirksamkeit beeinträchtigen. Wird die Suspension mit der Flasche verabreicht, muss ein Sauger mit großer Öffnung verwendet werden. Die Dosierung beträgt ein bis zwei Portionen über den Tag verteilt.

Die Packung wird im Kühlschrank gelagert.

Je nach vorherrschendem Symptom wird bei starkem Durchfall erst die Rehydratationlösung, bei starkem Erbrechen erst das Antemetikum gegeben.

Bessern sich die Symptome nach zwei Tagen nicht, muss der Arzt über das weitere Vorgehen entscheiden. 

Auch noch wichtig

Hat das Kind Fieber, sind Ibuprofen oder Paracetamol  als Saft oder Zäpfchen die Mittel der Wahl.

Infectodiarrstop®  ist in drei Geschmacksrichtungen erhältlich: Neutral, Banane und Kirsche

Der DAZ.online-Beratungsquickie

Jede Woche präsentieren wir einen kurzen Fall, wie er im Apothekenalltag vorkommen könnte. Die Fälle und die Beratungshinweise basieren auf dem Rezepttrainer 1, dem Rezepttrainer 2 und dem HV-Trainer, des Deutschen Apotheker Verlags.
Die Beispiele geben Anregungen zur Beratung und anderen Dingen, die bei der Abgabe zu beachten sind:

  • Formalien-Check: unter anderem Informationen zur Verordnungsfähigkeit sowie Gültigkeit des Rezeptes
  • Beratungs-Basics: die wichtigsten Informationen zur Anwendung
  • Auch noch wichtig: Infos zu häufigen Nebenwirkungen und anderen Anwendungsproblemen, Wechselwirkungen mit der Selbstmedikation, Warnzeichen für Komplikationen, …
  • Darf`s ein bisschen mehr sein? Weitergehende Informationen und mögliche Zusatzempfehlungen
Fehlt was?
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Darf es ein bisschen mehr sein?

Zusätzlich zur Elektrolytlösung soll dem Kind das Lieblingsgetränk angeboten werden, am  besten Tee, Wasser oder Apfelschorle. Säfte sollten aufgrund des hohen Fructoseanteils vermieden werden

So bald wie möglich sollte das Kind wieder leichtverdauliche, fettarme Kost zu sich nehmen, zum Beispiel geriebener Apfel oder Bananenmus. Die Leitlinie empfiehlt Nahrungsmittel komplexen Kohlenhydraten wie Brot mit Aufstrich, Nudeln, Kartoffel- oder Reisgerichte, Hafer oder Grießbrei, Salzstangen, Suppen (Kartoffelsuppe, Möhrensuppe).

Die AMWF Leitlinie „akute infektiöse Gastroenteritis“ finden Sie hier.


Julia Borsch (jb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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