Memento Preis 2016 für vernachlässigte Krankheiten

„Für Anti-Faltencremes wird mehr Aufwand getrieben“

Berlin - 29.02.2016, 17:18 Uhr

Ausgezeichnet: Der Würzburger Forscher Klaus Brehm. (Foto: Stephanie Pilick)

Ausgezeichnet: Der Würzburger Forscher Klaus Brehm. (Foto: Stephanie Pilick)


Den Memento Preis in der Kategorie Forschung erhält in diesem Jahr Professor Klaus Brehm von der Universität Würzburg und sein Team - für die Entschlüsselung der Genome des Fuchsbandwurms. Der Memento Journalistenpreis geht an Martin Mehringer für seinen Artikel „Heilung an Bord“.

Das Erbgut von Fuchs-, Schweine-, Hunde- und Zwergbandwurm ist entschlüsselt: Das berichtete ein internationales Forschungsteam 2013 in der Zeitschrift „Nature“. Die Wissenschaftler zeigten in der Publikation auch mögliche neue Schwachstellen der gefährlichen Parasiten auf. Mit im Team: Der Fuchsbandwurm-Experte Professor Klaus Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und seine Mitarbeiter.

„Die bahnbrechende Beschreibung des Genoms und der globalen Genexpression des Fuchsbandwurms bilden die entscheidende Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten gegen Bandwurmerkrankungen“, sagte Prof. Stefan Kaufmann, Jury-Vorsitzender und Direktor des Arbeitsbereiches Immunologie am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie. Er überreichte vergangene Woche den Memento Preis in der Kategorie Forschung an Brehm und sein Team. 

„Nach wie vor wissen wir viel zu wenig über die Eigenschaften der Erreger und die Entstehung vernachlässigter und armutsassoziierter Krankheiten. Dabei ist dieses Wissen entscheidend für die Entwicklung von dringend benötigten Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika gegen diese Krankheiten, an denen Millionen Menschen weltweit leiden.“

Brehm: Missverhältnis in der Forschungsförderung

Bei der Feierstunde in der Hörsaalruine der Charité fand der ausgezeichnete Brehm deutliche Worte. „Wir können es uns nicht länger leisten, die Grundbedürfnisse eines Drittels der Menschheit zu ignorieren“, sagt er. Das betreffe auch Infektionskrankheiten. Um wirksame Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten zu entwickeln, sei solide Grundlagenforschung an den Krankheitserregern nötig.

Dafür werde in den Industrienationen zu wenig getan: „Wir investieren hierzulande weniger in die Bekämpfung tödlicher, vernachlässigter Krankheiten als in die Entwicklung neuer Anti-Faltencremes. Ich sehe da ein gewisses Missverhältnis“, erklärte Brehm.

Millionen Menschen weltweit leiden an der Schlafkrankheit, an Chagas, Tuberkulose oder anderen Erkrankungen, für die es keine hinreichenden Behandlungsmöglichkeiten gibt und in deren Erforschung kaum investiert wird. Dazu zählen auch Infektionen mit Bandwürmern, die vor allem in den Tropen dort verbreitet sind, wo Menschen unter schlechten hygienischen Bedingungen eng mit Tieren zusammenleben.

Bandwürmer leben im Darm und nehmen ihren Wirten Nährstoffe weg, richten damit aber keine gravierenden Schäden an. Viel schlimmer sind ihre Larven: Sie setzen sich in Leber, Lunge, Gehirn oder anderen Organen fest und bilden dort Zysten, die teils zur Größe eines Handballs heranwachsen. Für die Infizierten kann das gravierende Folgen wie Erblindung, Epilepsie oder Leberversagen haben und auch zum Tod führen. Laut Brehm gibt es derzeit keine Therapie, mit der sich die Bandwurmlarven zuverlässig abtöten lassen.

Mehringer: Spannender Gegenschnitt 

Als Forschungspreis geht der Memento Preis an Menschen, die sich in bemerkenswerter Weise für die Gesundheit vernachlässigter Patienten einsetzen. Zusätzlich geht der Memento-Preis an Journalisten, die das Thema der breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein rufen. Preisträger 2016 ist Martin Mehringer (36) für seinen Artikel „Heilung an Bord“, der am 1. Februar 2015 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen ist. 

Die Reportage, direkt vom Hospitalschiff „Africa Mercy“, vor Madagaskar vor Anker, beschreibt die Geschichte vernachlässigter Patienten in einem strukturschwachen Gesundheitssystem. Mehringer setzt die Biographien früherer Topmanager, die heute für „Mercy Ships“ arbeiten, dagegen. Ein spannender Gegenschnitt, der zeigt: Engagement für die Vernachlässigten bewegt etwas – im Kleinen und im Großen. "Wir wollen noch viel mehr solcher Geschichten“, erklärt die Jury unter Vorsitz von Nicola Kuhrt. 

Noch jung ist der Memento Preis, doch bereits hoch angesehen, ausgelobt wird er von den Initiativen Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt, der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und der BUKO Pharma-Kampagne. Der Memento-Preis wurde zum insgesamt dritten Mal vergeben. 


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