Nach Führungswechsel

Bayer dürfte im Eiltempo eigene Ziele erfüllen

Leverkusen - 25.02.2016, 09:40 Uhr

Die Zeichen für den neu aufgestellten Konzern stehen derzeit gut. (Foto: Bayer)

Die Zeichen für den neu aufgestellten Konzern stehen derzeit gut. (Foto: Bayer)


Am Tag nach dem angekündigten Vorstandswechsel wird Bayer am Donnerstag seine Bilanz vorlegen. Aufgrund der guten Entwicklung im Arzneimittelgeschäft dürfte die weitere Zukunft für die Aktionäre erfreulich aussehen.

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat nach einem Führungswechsel und einer Dividendenerhöhung eine solide Basis für die Bilanzvorlage an diesem Donnerstag gelegt. Erst am Mittwoch kündigte der Traditionskonzern einen fliegenden Wechsel an der Konzernspitze an: Der ehemalige Finanz- und derzeitige Strategie-Chef Werner Baumann wird zum 1. Mai die Nachfolge von Marijn Dekkers übernehmen. Der 53-jährige galt schon längere Zeit als heißer Kandidat.

Sowohl mit der für 2015 geplanten Dividendenerhöhung als auch mit seinen Kennzahlen dürfte Bayer nicht enttäuschen. Der Konzern profitiert von dem Geschäft mit neueren Medikamenten und der Euro-Schwäche. Das inzwischen als Covestro eigenständige Kunststoffgeschäft bremste allerdings. Trotz des Börsengangs im Oktober vergangenen Jahres fließt Covestro noch voll bei Bayer in die Bilanz ein. Der Umbau zum reinen Gesundheits- und Agrarspezialisten spiegelt sich inzwischen auch in einer neuen Organisationsstruktur wider. Bei Bayer dreht sich nun alles um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze.

Saftiges Umsatzplus

Für 2015 rechnen von Bayer befragte Analysten im Schnitt mit einem Umsatzplus von rund 12 Prozent auf 46,23 Milliarden Euro. Dabei ist etwa das Geschäft mit Diabetes-Technik herausgerechnet, das Bayer für gut eine Milliarde Euro an seinen japanischen Partner Panasonic Healthcare verkauft hat. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sonderposten dürfte um rund ein Fünftel auf 10,4 Milliarden Euro klettern. Nur etwas geringer dürften die Zuwächse beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit erwarteten 6,35 Milliarden und beim Gewinn mit 4,1 Milliarden ausfallen.

Bayer dürfte so seine Ziele leicht übertreffen. Konzernchef Marijn Dekkers hatte nach den ersten neun Monaten ein Umsatzwachstum auf rund 46 Milliarden Euro sowie eine deutliche Gewinnsteigerung in Aussicht gestellt. Dabei hatte er weniger Rückenwind durch die Euro-Schwäche veranschlagt. Der Umsatz sollte bereinigt um Währungseinflüsse und Zu- und Verkäufe im unteren einstelligen Prozentbereich zulegen. Deutlich kräftigere Zuwächse stellte er für den operativen Gewinn (Ebitda) vor Sonderposten und das bereinigte Ergebnis je Aktie in Aussicht. Diese sollten im oberen Zehner-Prozent-Bereich zulegen.

Xarelto & Co machen es möglich

Der Fokus liegt auf dem Ausblick und möglichen Zukäufen, betonte Deutsche Bank-Analyst Tim Race. Mit den neueren Pharmaprodukten und dem Wachstum rezeptfreier Mittel sei im Gesundheitsgeschäft eine solide Entwicklung zu erwarten. Neuere Pharmaprodukte wie etwa der Blutverdünner Xarelto, das Augenmittel Eylea, die Krebsmittel Stivarga und Xofigo sowie das Lungenhochdruckmittel Adempas ließen bei Bayer zuletzt die Kassen klingeln. Zudem profitiert Bayer weiter vom milliardenschweren Zukauf der Sparte für rezeptfreie Medikamente vom US-Konzern Merck & Co.

Das Geschäft mit Agrarchemikalien dürfte auch bei Bayer zuletzt deutlich schlechter gelaufen sein. Neben dem Preisverfall wichtiger Agrargüter machen den Pflanzenschutz- und Saatgutherstellern auch die Währungsturbulenzen in Schwellenländern sowie insbesondere die Krise in Brasilien zu schaffen.

Pharmabranche im Wandel

In der Branche ist viel Bewegung. Mit der bisher teuersten chinesischen Firmenübernahme im Ausland will der Chemiekonzern ChemChina den Schweizer Agrarchemie-Anbieter Syngenta für 43 Milliarden Dollar schlucken. Im August hatte Syngenta noch eine Übernahmeofferte des US-Konkurrenten Monsanto zurückgewiesen.

Der Druck hat sich durch die geplante Fusion der US-Chemieriesen Dow Chemical und Dupont gewaltig erhöht. Mitte Dezember hatten die Konzerne ihre Pläne öffentlich gemacht. Mit Dowdupont soll das weltgrößte Chemieunternehmen noch vor BASF entstehen. Es ist die größte Firmenhochzeit in der Geschichte der Branche. Nach dem Zusammengehen soll der Riese aber später in drei einzelne Unternehmen aufgespalten werden.

Auslagerung der Kunststoffbranche

Anfang Oktober hatte Dekkers mit Covestro das Kunststoffgeschäft an die Börse gebracht. Bayer wurde so zum reinen Anbieter für die Pharmaindustrie und die Agrarwirtschaft. Analysten erhoffen sich nun weitere Details zum geplanten vollständigen Ausstieg bei Covestro. Vor mehr als zehn Jahren hatte sich Bayer bereits von großen Teilen seines traditionsreichen Chemiegeschäfts getrennt und diese als Lanxess an die Börse gebracht.


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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