IMS-Marktbericht 2015

33 Milliarden Euro Umsatz im Apothekenmarkt

Düsseldorf - 16.02.2016, 09:35 Uhr

Der Umsatz im Apothekenmarkt stieg 2015 um 6 Prozent. (Foto: BVDVA)

Der Umsatz im Apothekenmarkt stieg 2015 um 6 Prozent. (Foto: BVDVA)


Im Jahr 2015 beläuft sich der Umsatz mit Arzneimitteln in Deutschland auf 38 Mrd. Euro. Der Großteil (87 Prozent, 33 Mrd. Euro) davon wurde im Apothekenmarkt (inkl. Versandhandel) umgesetzt, der Rest in Krankenhäusern. Dies ergibt sich aus dem Marktbericht 2015 von IMS Health, der jetzt vorgestellt wurde.

Insgesamt 1,6 Mrd. Packungen Arzneimittel gingen laut IMS Health im letzten Jahr über die Handverkaufstische der deutschen Apotheken (inkl. Versandhandelsanteil, inkl. Impfstoffe und Test-Diagnostika). Jede zweite davon war ein Generikum. Die Umsatzsteigerung im Apothekenmarkt im gesamten Jahr 2015 wird mit 6 Prozent angegeben. Mengenmäßig wuchs der Markt um 3 Prozent. Der Umsatz mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln legte nach Wert um 6 und nach Menge um 1 Prozent zu. Der rezeptfreie Sektor hat dagegen nur 2 Prozent mehr Umsatz vorzuweisen und muss zudem einen Mengenrückgang in gleicher Größenordnung (-2 Prozent) hinnehmen.

Im Versandhandel steigerten OTC-Produkte als Wachstumstreiber ihren Gesamtumsatz um 9 Prozent, während rezeptpflichtige Präparate um 7 Prozent verloren. Sie befinden sich  mangels Kaufanreizen über das Jahr auch mengenmäßig „weiter im Abwind“ (-14 Prozent).

Umsatz mit antiviralen Mitteln fast verdoppelt

Nach den Analysen von IMS Health entfällt für das Jahr 2015 knapp ein Drittel des Apothekenumsatzes auf die führenden zehn Arzneimittelkategorien. Dabei legten die „Top 10“ in Summe um 15 Prozent zu. Besonders hervorgehoben wird der Zuwachs bei innovativen Therapien gegen Hepatitis C (antivirale Mittel excl. HIV, +90 Prozent). Dabei wird die Steigerungsrate dieser Gruppe in gewisser Weise als artifiziell eingestuft, da im Jahr 2014 und Anfang 2015 erfolgte Neueinführungen zum Teil noch nicht ein Jahr am Markt sind. Ein nennenswertes Wachstum verbuchen außerdem direkte Faktor Xa Hemmer (Antikoagulanzien; +45 Prozent).

In der Betrachtung der Top 10 Arzneimittelgruppen nach Absatz zeigen Erkältungsmittel, das heißt genauer: topische Schnupfenmittel mit +9 Prozent, Auswurfmittel ohne antiinfektive Komponente mit +12 Prozent) und Mittel zur Stärkung des Immunsystems (V03X) mit +13 Prozent die höchsten Zuwächse. 

(Bild: IMS Health)

Pharmagesamtmarkt 2015 nach Umsatzrelation (in Euro)

Sonderausgabevolumen für Hepatitis C-Mittel

Den Wert der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung beziffert IMS Health mit 32,3 Mrd. Euro (+5 Prozent). Dabei sind die Einsparungen aus Rabattverträgen und Abschlägen der Hersteller (§ 130a Abs. 1 SGB V) und Apotheken im Jahr 2015 bereits berücksichtigt. Als „prägend für die Umsatzentwicklung“ wird das Wachstum bei innovativen Präparaten gegen Hepatitis C, verschiedenen onkologischen Therapien und Immunmodulatoren bezeichnet. Nach dem Marktbericht hat der GKV-Spitzenverband für die Ausgaben von Hepatitis C-Arzneimitteln für das Jahr 2015 ein Sonderausgabevolumen vereinbart. Sie werden deshalb bei der Steigerung des gesamten Ausgabevolumens nicht berücksichtigt werden.

2,5 Milliarden Euro GKV-Abschläge

Durch Herstellerabschläge hat die GKV im letzten Jahr laut IMS Health 2,5 Milliarden Euro eingespart. Das sind 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Als ein Grund hierfür wird der im ersten Quartal 2015 gegenüber 2014 um einen Prozentpunkt höhere Rabattsatz auf (patent-) geschützte, festbetragsfreie Arzneimittel angeführt. Zudem schlagen hier die deutlich gestiegenen Einsparungen aus Erstattungsbeträgen in 2015 (+104 Prozent) und das Wachstum von teuren abschlagspflichtigen Präparaten in den Therapiebereichen Hepatitis C, Onkologie und Immunmodulation zu Buche. 

Der Wert der Apothekennachlässe gegenüber der GKV beläuft sich im Jahr 2015 auf 1,1 Mrd. Euro. Durch die Absenkung des Abschlags für eine Rx-Packung von 1,80 Euro auf 1,77 Euro in 2015 liegen die Einsparungen um einen halben Prozentpunkt unter dem Vorjahreswert. 

(Bild: IMS Health)

Pharmagesamtmarkt 2015 nach Absatzrelation (in Zähleinheiten)

Gilead Sciences schießt fünf Plätze nach oben

Hinsichtlich der führenden pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland nach Umsatz haben sich im letzten Jahr auf den Rängen einige Verschiebungen ergeben. Novartis steht sowohl im Gesamt-als auch im Apothekenmarkt weiterhin an der Spitze. Im Apothekenmarkt folgen Roche, das sich gegenüber dem Vorjahr um zwei Plätze noch oben gearbeitet hat, und Sanofi an dritter Position. Pfizer hat im Apothekenmarkt dagegen mit seinem jetzigen vierten Rang zwei Plätze eingebüßt. Haupt-Gewinner ist jedoch Gilead Sciences. Mit Hilfe seiner innovativen Medikamente gegen Hepatitis C konnte das Unternehmen im Gesamtmarkt um fünf und im Apothekensektor sogar um sechs Plätze nach oben klettern. 

Hinweis: Die Basis der dargestellten Umsatzwerte bildet für den Apothekenmarkt der Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers und für die GKV-Ausgaben der Apothekenverkaufspreis, jeweils abzüglich des Herstellerabschlages in Höhe von 6 bzw. 7 Prozent und der gemeldeten Rabatte aus Erstattungsbeträgen nach §130b SGB, bei den GKV-Ausgaben auch abzüglich der Apothekennachlässe. Einsparungen aus Rabattverträgen nach §130a Abs. 8 SGB V sind in beiden Fällen nicht berücksichtigt.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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