Interessengemeinschaft der Heilberufe

40 Jahre erfolgreiche Partnerschaft

11.02.2016, 12:26 Uhr

Die Festgemeinde, von links: Dr. Jens-Peter Greve, Dr. Michael Brandt, Dr. Oswald Rogner, Dr. Franz-Josef Bartmann, Gerd Ehmen, Staatssekretärin Anette Langner, Josef Hecken, Fritz Beske, Dr. Peter Froese und Dr. Peter Kriett. (Foto: tmb)

Die Festgemeinde, von links: Dr. Jens-Peter Greve, Dr. Michael Brandt, Dr. Oswald Rogner, Dr. Franz-Josef Bartmann, Gerd Ehmen, Staatssekretärin Anette Langner, Josef Hecken, Fritz Beske, Dr. Peter Froese und Dr. Peter Kriett. (Foto: tmb)


Am Mittwoch feierte die Interessengemeinschaft der Heilberufe in Schleswig-Holstein ihr 40-jähriges Jubiläum. Als Festredner verwies der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken auf die künftigen Aufgaben der Selbstverwaltung.

Vor 40 Jahren gründeten die Kammern und Verbände der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker in Schleswig-Holstein eine gemeinsame Organisation. Später kamen die Kammern der Psychotherapeuten und der Tierärzte hinzu und die Informationsstelle der Heilberufe wurde in Interessengemeinschaft der Heilberufe (beide: IdH) umbenannt. Doch die Gemeinsamkeiten blieben und die IdH ist bis heute einzigartig. In keinem anderen Bundesland gibt es eine vergleichbare Institution. 

Gemeinsame Idee

Das Jubiläum feierten die Heilberufler am Mittwoch in Kiel. Prof. Fritz Beske, der vor 40 Jahren Mitinitiator für die IdH war, spannte geschickt den Bogen von den damaligen Motiven zu den künftigen Herausforderungen. Damals war Beske als Staatssekretär im Gesundheitsministerium von Schleswig-Holstein für die Heilberufe zuständig. Aus einer informellen Gesprächsrunde entstand die Idee für eine Organisation mit Außenwirkung. Die Heilberufler in Schleswig-Holstein könnten sich glücklich schätzen, eine solche Organisation zu haben, so Beske, denn „die Auseinandersetzungen werden härter“.

Durch den demografischen Wandel und den medizinischen Fortschritt würden Leistungseinschränkungen in der GKV unabwendbar. Diese Diskussionen wage er sich in Deutschland gar nicht vorzustellen, erklärte Beske. Doch es müsse definiert werden, was notwendig sei, und das gehe nicht ohne das Wissen der Heilberufler.

Anette Langner, Staatssekretärin im Kieler Gesundheitsministerium, erklärte, die IdH sei wegweisend, um bei komplexen Themen für Transparenz zu sorgen. Kooperation und Vernetzung seien künftig besonders wichtig, denn dies seien die Antworten auf den Fachkräftemangel und die Probleme bei der Versorgung ländlicher Räume. Delegation, Substitution und Telemedizin würden außerdem zu einem neuen Rollenverständnis der Heilberufler führen, so Langner.

Arbeit der IdH

Franz-Josef Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, erinnerte auch an Probleme in der IdH, aber aus einer Identitätskrise im Jahr 2013 sei die IdH stärker als früher hervorgegangen. Damals war die Kassenärztliche Vereinigung ausgetreten. Bartmann berichtete jedoch über Signale, die IdH könne bald wieder „komplett“ sein. Bartmann und weitere Vertreter der IdH-Mitgliedsorganisationen betonten, das primäre Anliegen der IdH sei, die Interessen der Bürger zu vertreten. Dr. Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, erinnerte an das Flensburger Telematik-Modell, das prägend für die IdH geworden sei. In Verbindung mit der Arzneimitteltherapiesicherheit werde die Telematik nun erneut zu einem Kernthema.

Aufgaben für die Selbstverwaltung

Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, betonte die Verantwortung der Selbstverwaltung für die Bürger und für das sozialstaatliche Gesundheitssystem, das den Staat zusammenhalte. Er beklagte, dass viel Energie für Strukturfragen verbraucht werde, die besser den Patienten zu Gute kommen sollte. In der Selbstverwaltung gehe es nicht um die Wahrnehmung von Macht, sondern um Verantwortung für das System und die Versicherten.

Als wichtige Aufgaben nannte Hecken die Bewertung von Innovationen und die Weiterentwicklung des Systems. Anstatt die Sektorengrenzen zu überwinden, schaffe die zunehmende Spezialisierung neue Grenzen. Besonders kritisierte die Hecken die Einzelleistungsvergütung, die falsche Anreize setze. Hecken lobte die frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln als guten Ansatz, um Innovationen mit Zusatznutzen zu erkennen. Doch er wies kritisch auf sehr teure Onkologika hin, die im letzten palliativen Stadium das Leben verlängern, aber nicht die Lebensqualität verbessern. Pay-for-performance-Modelle sieht er kaum als praktikabel an, weil die Therapieergebnisse nicht gerichtsfest abbildet werden könnten und der Effekt der Patienten-Compliance offen bleibe. 

Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmer Heckens Anmerkungen zum Innovationsfonds. Denn die Vorgaben für Anträge auf Fördermittel werden in den nächsten Wochen bekannt gegeben. Hecken betonte, dass ihm die Arzneimitteltherapiesicherheit besonders wichtig sei. Alle Beteiligten würden sich Mühe geben, aber es gäbe noch immer kein Medium, das die Medikation zusammentrage. Die Diskussionen über den „gläsernen Patienten“ seien vorgeschoben. Dahinter stecke die Angst vor dem „gläsernen Leistungserbringer“, aber es gehe nicht um Sanktionen. 


Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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